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12.05.2013

18:30 Uhr

Einsatz für SPD-Wahlkampf

Wiesehügel weist Kritik an Glaubwürdigkeit zurück

Der Chef der IG-Bau müsse seinen Vorsitz bis zur Bundestagswahl ruhen lassen, meint die Linkspartei. Doch Wiesehügel sieht kein Problem in seinem Einsatz für die SPD. Unterdessen wächst Steinbrücks Team offenbar weiter.

Klaus Wiesehügel: Musste Kritik der Linkspartei einstecken. dpa

Klaus Wiesehügel: Musste Kritik der Linkspartei einstecken.

BerlinGewerkschaftschef Klaus Wiesehügel hat seinen Wahlkampfeinsatz für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gegen Kritik von der Linkspartei verteidigt. "Es gibt keinen Grund, das Amt ruhen zu lassen", sagte ein Sprecher des IG-Bau-Vorsitzenden am Wochenende der Nachrichtenagentur Reuters. "Denn Wiesehügels Glaubwürdigkeit ist nicht infrage gestellt." Die Gewerkschaft sei stolz, dass ihr Chef als Arbeitsminister im Gespräch sei.

Der Arbeitnehmerflügel der SPD begrüßte die Ernennung und wies die Kritik der Linkspartei an Wiesehügel als verlogen zurück. "Das Echo aus den Reihen der Konkurrenz zeigt, welchen Volltreffer Peer Steinbrück gelandet hat", erklärte Klaus Barthel, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen.

Die Linkspartei hatte zuvor die Berufung von Wiesehügel in Steinbrücks Schattenkabinett als problematisch bezeichnet. "Wiesehügel muss nicht zurücktreten, aber er sollte sein Amt für den Wahlkampf ruhen lassen", sagte Linken-Chef Bernd Riexinger der "Passauer Neuen Presse". Andernfalls litten seine Glaubwürdigkeit und die der Gewerkschaften.

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

"Ich rate zur Ziehung eines klaren Trennungsstrichs", sagte auch die stellvertretende Linken-Vorsitzende Sahra Wagenknecht der "Mitteldeutschen Zeitung". "Sonst geraten die Gewerkschaften in den Verruf, einmal mehr zu viel Nähe zu einer Partei zuzulassen, die die Grundlage für Millionen Hungerjobs gelegt hat." Wer die Agenda 2010 als Gewerkschaftsführer asozial nenne, könne als Wahlkämpfer Steinbrück nicht als sozial darstellen.

Der SPD-Politiker Barthel wies die Kritik umgehend zurück. Gerade in der Linkspartei gebe es zahlreiche hauptamtliche Gewerkschafter, die als Kandidaten und Mandatsträger politisch aktiv seien. "Dass nun ausgerechnet aus diesen Reihen die Forderung kommt, Klaus Wiesehügel solle sein Amt als Vorsitzender der IG Bau ruhen lassen, ist an Doppelmoral und Scheinheiligkeit kaum zu überbieten." Es sei aber ein gutes Zeichen, wenn die politische Konkurrenz nun nervös werde.

Steinbrück hatte am Freitag die ersten drei Mitglieder seines sogenannten Kompetenzteams bekanntgegeben. Wiesehügel soll demnach den Bereich Arbeit und Soziales abdecken. Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann ist für die Innenpolitik verantwortlich und die Design-Professorin Gesche Joost für Netzpolitik. Die drei Kandidaten sollen am Montag in Berlin der Öffentlichkeit näher vorgestellt werden. Insgesamt sollen fünf Männer und fünf Frauen der Mannschaft angehören.

Kommentare (7)

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heine

12.05.2013, 19:31 Uhr

>>
Wer die Agenda 2010 als Gewerkschaftsführer asozial nenne, könne als Wahlkämpfer Steinbrück nicht als sozial darstellen.
<<
Darauf hätte Barthel eine Antwort geben sollen und nicht mit Rhetorik für Anfänger.

Prueferle

12.05.2013, 20:44 Uhr

Mit der Nominierung von Wiesehügel ins Schattenkabinett wird offenichtlich, was die meisten schon länger wissen: Herr Steinbrück muss sich dem linken Flügel in der SPD anbiedern, um innerparteiliche Mehrheiten zusammen zu bekommen.

Sollte er Kanzler werden, werden im Wiesehügel & Co vorschreiben, was er als Kanzler darf und was nicht.

Wer Steinbrück als rechten Flügel der SPD in der Hoffnung wählt, das sei ein guter Kompromiss, vergißt, dass Steinbrück für eine gemäßigte, vernünftge Politik innerparteilich keine Mehrheit zusammen bekommt.

Es lebe der Sozialismus von Wiesehügel & Co

Account gelöscht!

12.05.2013, 20:55 Uhr

Da gab es doch schon mal so einen namens Riester. Der war 2 Mann bei der IG Metall. Dann bei Gasprom Schröder Minister und Schöpfer der nach ihm benannten Riesterrente. Die Versicherungswirtschaft hat es ihm gedankt.

Gott nun, weiss, demnächst wird es vielleicht eine Wiesehügel-Rente geben.

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