Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2010

12:56 Uhr

Einschnitte bei der Förderung

Minister Röttgen setzt Solarbranche zu

VonMartin Murphy, Klaus Stratmann , Georg Weishaupt

Geht es nach dem Umweltministerium, fließen schon recht bald deutlich weniger Subventionen in die Sonnenenergie. Bereits in wenigen Tagen will man eine Lösung präsentieren. Damit macht sich Norbert Röttgen in der Branche alles andere als beliebt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Norbert Röttgen eine Umgestaltung der Fördermechanismen angekündigt. Reuters

Bereits im vergangenen Jahr hatte Norbert Röttgen eine Umgestaltung der Fördermechanismen angekündigt.

DÜSSELDORF/BERLIN. Die Solarbranche wird sich kurzfristig auf deutliche Einschnitte bei der gesetzlichen Förderung einstellen müssen. Nach einem Treffen von Branchenvertretern mit Umweltstaatssekretär Jürgen Becker hieß es gestern aus Teilnehmerkreisen, eine einmalige starke Kürzung der Förderung bereits zur Jahresmitte sei sehr wahrscheinlich. Nach Angaben des Umweltministeriums soll bereits "in den nächsten Tagen" ein konkreter Vorschlag zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vorliegen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte Ende vergangenen Jahres eine Kürzung der EEG-Vergütung und eine Umgestaltung der Fördermechanismen angekündigt. Die derzeitige Regelung sei zu starr. Sie habe bei Solarstrom zu einer Überförderung geführt. Der Grund dafür liegt im Preisverfall für Solaranlagen. Nach Verbandsangaben haben sich Solaranlagen allein 2009 um 26 Prozent verbilligt. Da die Vergütung für den ins Netz eingespeisten Solarstrom jedoch stabil blieb, erzielen die Investoren Renditen im zweistelligen Bereich.

Das EEG sieht für neue Solaranlagen eine Vergütung vor, die - abhängig vom Anlagentyp - bis zu 39 Cent je Kilowattstunde betragen kann. Die Höhe der Vergütung wird den Anlagenbetreibern für 20 Jahre garantiert. Zum Vergleich: An der Leipziger Strombörse EEX war eine Kilowattstunde gestern für deutlich weniger als sechs Cent zu haben. Die Differenz zwischen Marktpreis und EEG-Vergütung wird auf die Stromverbraucher umgelegt. Die Zusatzbelastung für die Verbraucher beläuft sich jährlich auf mehrere Milliarden Euro.

Das Umweltministerium betonte, man habe sich bei den gestrigen Gesprächen noch nicht festgelegt. Es sei lediglich darum gegangen, die Position der Branche zu hören. Zusätzlich war der Bundesverband der Verbraucherzentralen in die Gespräche eingebunden. Die Zusammenstellung der Runde hatte für Unmut gesorgt. In Wirtschaftskreisen hieß es, auch die Interessen großer Stromverbraucher aus der Industrie müssten berücksichtigt werden. Sie seien aber nicht eingeladen worden.

Ein Sprecher von Schott Solar warnte im Gespräch mit dem Handelsblatt davor, bei der Kürzung der Subventionen "das Kind mit dem Bade auszuschütten". Die Bundesregierung müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Solarbranche derzeit rund 50 Prozent ihrer Wertschöpfung in Deutschland erziele. Das sei deutlich mehr als etwa die Autobranche. Aber er machte auch klar, dass die Solarbranche bereit sei, der Bundesregierung entgegenzukommen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Zukunft-ohne-Atomstrom

14.01.2010, 17:06 Uhr

Den selbst ernannten Verbraucherschützern scheint es eine Freude zu sein, auf das zarte Pflänzchen Erneuerbare Energien einzuprügeln und damit eine ganze hoffnungsvolle branche in Gefahr zu bringen. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an den Stromkosten beträgt weniger als 2 ct. pro kW für den Verbraucher. Die Energieversorger erhöhen derweil reihum die Stromkosten um 4 ct. pro kW. das wird von den Verbraucherschützern klaglos hingenommen.
Ein Schelm, der böses dabei denkt, ihr lieben Robin Hoods der Energiemafia!!!

FoCS

14.01.2010, 18:42 Uhr

-> Herrn Zukunft:
Man kann die Sache auch anders sehen.
1. Es geht hier um Photovoltaik und nicht um "Erneuerbare Energien" im allgemeinen.
2. Durch die fetten Einspeisevergütungen (bis zu 53 ct/kWh für Anlagen aus 2005) sind Hersteller satt und träge geworden, haben die Weiterentwicklung verschlafen und drohen jetzt unter die chinesischen Räder zu geraten.
3. Die Methode "CO2-Vermeidung durch Photovoltaik" ist in Deutschland mit Abstand die teuerste (611 €/t CO2 ggüber 91 € bei Windkraft, siehe SPiEGEL) und damit ziemlich schwachsinnig.

nicolo

15.01.2010, 14:21 Uhr

Die Eile, mit der hier offensichtlich etwas durchgepeitscht werden soll, ist in der Tat nicht zu verstehen und steht in keinem Verhältnis zu den kurzfristigen Einsparungen! Mal angenommen, zur Jahresmitte wird die EEG-Vergütung um 16% reduziert bei einem Zubau von 1,5 GWp in der zweiten Jahreshälfte, würde dass die Stromverbraucher für dieses Jahr um ca. 100 Mio. Euro entlasten oder (verteilt auf den Letztverbrauch von 400 Mrd. kWh)um ca. 0,025 cent / kWh! Sollte der Zubau im zweiten Halbjahr aufgrund der Absenkung allerdings einbrechen, wäre die Ersparnis sicherlich größer (max. 0,15 cent / kWh bei einem Zubau von Null)! im Gegenzug würde dann aber der Umsatz im Handwerk um ca. 4,5 Mrd. Euro sinken! Allein der Umsatzsteuerverlust wäre größer als die (theoretische) Ersparnis beim Strompreis, von anderen Verlusten (Einkommsteuer, Sozialbeiträge etc.) gar nicht zu reden. Wollen wir das wirklich? Nach der neuesten Umfrage von FORSA "Nein"!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×