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22.02.2012

22:28 Uhr

Eiszeit für Solaranlagen

Regierung kürzt Förderung

VonKlaus Stratmann

ExklusivDer Streit zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium über die Förderung von Solaranlagen ist beigelegt. Eine vorgesehene Kürzung soll um drei Monate vorgezogen werden. Die Börse reagierte sofort.

Im Februar: Schnee bedeckt teilweise eine Solaranlage in Straßkirchen (Niederbayern). dpa

Im Februar: Schnee bedeckt teilweise eine Solaranlage in Straßkirchen (Niederbayern).

BerlinBundesumweltministerium und Bundeswirtschaftsministerium haben sich nach Informationen von Handelsblatt Online auf drastische Kürzungen der Vergütungen für die Photovoltaik verständigt. Nach übereinstimmenden Angaben aus Regierungs- und Branchenkreisen sind Einschnitte geplant, die bei einzelnen Anlagentypen mehr als 30 Prozent betragen.

Dazu soll die Kürzung von 15 Prozent, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für den 1. Juli vorgesehen ist, auf den 1. April vorgezogen und zusätzlich erhöht werden. Bei kleineren Anlagen, wie sie etwa auf Hausdächern installiert werden, werde die Kürzung 20 Prozent betragen. Bei Freiflächenanlagen werde die Kürzung mehr als 30 Prozent betragen, hieß es in den Kreisen weiter.

Die Förderung von sehr großen Solaranlagen auf freien Flächen wird nach den Angaben sogar komplett gestoppt werden. Bei einer Leistung von mehr als zehn Megawatt solle die garantierte Stromabnahme zu festen Preisen komplett entfallen, hieß es. Damit wolle man Riesenanlagen mit großem Flächenverbrauch verhindern. Zuletzt waren im brandenburgischen Finow solche Projekte in Betrieb gegangen.

An der Börse sprach sich die Nachricht schnell herum: Die Kurse von Solaraktien rutschten am späten Nachmittag deutlich ab. Solarworld ging mit einem Minus von 4,85 Prozent bei 3,98 Euro aus dem Handel. In New York gab First Solar im Handelsverlauf um 4,3 Prozent auf 40,54 Dollar nach. Für das US-Unternehmen ist Deutschland ein wichtiger Markt.

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Die übrigen Solaranlagen werden in nur noch drei Gruppen eingeteilt: Bis zehn Kilowatt, zehn bis 1000 Kilowatt und über 1000 Kilowatt. Die Kürzungen der Förderung in den Segmenten sollen ab April bei rund 20, etwa 25 und gut 30 Prozent liegen. Darüber hinaus wird bei Kleinanlagen nur noch 85 Prozent des Stroms zu staatlich garantierten Preisen abgenommen, für die übrigen beiden 90 Prozent, was die Kürzungen noch einmal verschärft. Zudem entfällt der bisherige Bonus für den Eigenverbrauch von Solarstrom. Ab Mai kommt zudem monatlich eine Kürzung der Abnahmepreise für neue Anlagen im festen Cent-Bereich hinzu, die gut einem Prozent entspricht. Auf das Jahr gerechnet bedeutet dies je nach Anlagenkategorie zwischen 10 und 15 Prozent Kappung. Durch die feste Cent-Größe erhöht sich die prozentuale Kürzung aber über die Jahre.

Kommentare (63)

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eksom

22.02.2012, 16:31 Uhr

Die Subventionierung der Atomindustrie dauerte ca. 60 Jahren und läuft heute noch indirekt weiter! Die Solarindustrie muss schon nach ca. 30 Jahren Subventionierung zusehen, wie sie alleine zurecht kommt!

Bullvigson

22.02.2012, 16:38 Uhr

... und das mit einer Vorlaufzeit von 5 Wochen!!! Diese Regierung weiß wirklich, wie man einen Wirtschaftszweig ruiniert!

vandale

22.02.2012, 16:41 Uhr

Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit der Kernenergie. Ich habe noch nie ausserhalb ökoreligiöser Quellen gehört, dass die kommerzielle Kernenergie irgendwelche Subventionen erhalten hat, allerdings unzählige Behinderungen erfahren hat. Sollten Sie derartiges Wissen haben, sollten Sie sich als Consultant selbständig machen und dieses Wissen an die Versorger weiterreichen.

Aufgrund der unzureichenden Energiedichte kostet 1kWh wertlosen, umweltschädlichen Solarstroms ca. 24c/kWh, Wert 1c/kWh. Es wäre wünschenswert diese Subventionen zu beenden.

Vandale

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