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16.03.2012

13:00 Uhr

Elefantenrunde Saarland

Lafontaine stänkert gegen Große Schmusekoalition

VonAndreas Niesmann

Harte Attacken sind im saarländischen Wahlkampf Mangelware – de facto besteht die Große Koalition schon vor dem Urnengang. Nur einer stört der Schmusekurs der Saar-Parteien: Und der ist ein Altmeister der Provokation.

Die Spitzenkandidaten der Parteien bei der Saarländischen Landtagswahl mit Simone Peter (Bündnis 90/Die Grünen - r-l), Oliver Luksic (FDP), Oskar Lafontaine (Die Linke), Heiko Maas (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bei einer Talkrunde des Saarländischen Rundfunks. dpa

Die Spitzenkandidaten der Parteien bei der Saarländischen Landtagswahl mit Simone Peter (Bündnis 90/Die Grünen - r-l), Oliver Luksic (FDP), Oskar Lafontaine (Die Linke), Heiko Maas (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bei einer Talkrunde des Saarländischen Rundfunks.

SaarbrückenDer heimliche Hauptdarsteller kommt spät. Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ist schon lange geschminkt und verkabelt. Unruhig stöckelt sie in dem Fernsehstudio auf und ab. Ihr Herausforderer und gleichzeitiger potenzieller Koalitionspartner Heiko Maas (SPD) spricht letzte Dinge mit seinem Wahlkampfteam ab. Er ist hochkonzentriert, versucht, sich die Anspannung nicht anmerken zu lassen. Auch die Kandidaten von FDP und Grünen sind längst da. Nur der Kandidat der Linken lässt bis wenige Minuten vor Sendebeginn auf sich warten. Journalisten und Presseleute der Parteien tuscheln bereits: „Wo bleibt denn der Oskar? Kommt der heute etwa nicht?“

Er kommt. Eine knappe Viertelstunde bevor die Live-Sendung des Saarländischen Rundfunks beginnen soll, betritt Oskar Lafontaine das Studio. Ohne Krawatte, das Hemd lässig offen, den Hemdkragen ungebügelt. Er strahlt. Erster Auftritt gelungen.

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Die Moderatoren geben letzte Anweisungen, erklären den Kandidaten, dass zu Beginn der Sendung einer nach dem anderen vorgestellt wird, und dabei nett in die Kamera zu lächeln hat. Ein Kopfnicken wäre nett, sagen sollen die Politiker bitte nichts. Vier Kandidaten nicken eifrig, einer zeigt den Mittelfinger. „Sie meinen, so zu machen, wäre nicht gut?“, fragt Lafontaine. Er grinst, alle anderen tun so, als hätten sie die Geste nicht bemerkt.

Zu Beginn der Sendung konfrontieren die Moderatoren die sogenannte Elefantenrunde mit den neuesten Umfragezahlen. Nachdem Maas in den vergangenen Wochen geführt hatte, sehen die Demoskopen ihn und Kramp-Karrenbauer jetzt gleichauf bei 33 Prozent. Und das gut eine Woche vor der Landtagswahl im kleinsten Flächenland.

Der SPD-Mann gibt sich gelassen.  „Es war klar, dass knapp werden würde“, sagt er und versucht, dem ganzen noch etwas positives abzugewinnen. „Jetzt kann jede Stimme den Ausschlag geben.“ Lafontaines Linke liegt bei 16 Prozent, was den Spitzenkandidat zu der Feststellung veranlasst, dass es ja rechnerisch auch für ein Bündnis aus Linkspartei und CDU reichen würde. „Wir nehmen Angebote entgegen“, höhnt Lafontaine. Kramp-Karrenbauer sagt nichts.

Freuen darf sich die grüne Spitzenkandidatin Simone Peter, denn ihre Partei liegt in den Umfragen erstmals wieder über der Fünf-Prozent-Hürde. Und selbst für den FDP-Mann Oliver Luksic gibt es an diesem Abend eine gute Nachricht: Seine Partei verbessert sich von zwei auf drei Prozent. Damit würden die Liberalen zwar immer noch aus dem Landtag fliegen, aber für die gebeutelte FDP ist jede positive Meldung ein kleiner Erfolg. „Aufwärtstrend“, sagt Luksic tapfer. Die Piratenpartei, die mit sechs Prozent ziemlich sicher im Landtag vertreten sein wird, darf bei der Fernsehdiskussion übrigens nicht mitmachen.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

16.03.2012, 13:12 Uhr

Welchen Grund gibt es, dem Dauerstänkerer und Linksirren Lafontaine eine Überschrift zu widmen?

Er hätte die Gelegengeut gehabt, sich einzubringen. Als "Superfinanzminister". Er hat es nicht gekonnt, gekniffen, seine Förderer und Parteifreunde verraten und sich nun mit Wirrköpfen und Stalinisten zusammengetan.
Selbst schuld, wenn man sich solche Arikel durchliest oder gar die Talk-Provokatuere für Ungebildete ansieht.

Saarlaender

16.03.2012, 13:47 Uhr

Oskar wollte als Finanzminister zusammen mit dem französichen, Zugriff auf die EZB haben. Als das nicht gelang, hat er das Handtuch geworfen. Seine Logik ist, wenn man kein Geld hat , druckt man welches !

roterkaufmann

16.03.2012, 13:54 Uhr

man muss lafontaine ja nicht mögen. aber beim thema mindestlohn , leiharbeit und schuldenbremse hat er eben recht. und die übergroße kuschelkoalition aus spdcdufpdgrüne hat hier schlicht keine bzw. die falschen antworten.

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