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16.05.2011

16:39 Uhr

Elektro-Mobilität

Milliardensummen für deutsche E-Autos

Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 über deutsche Strassen rollen. Damit das keine Vision bleibt will die Bundesregierung mit einer milliardenschweren Forschungsoffensive und Steuervorteilen nachhelfen.

Die Nationale Plattform Elektromobilität übergibt der Bundeskanzelrin ihren Bericht. Quelle: dapd

Die Nationale Plattform Elektromobilität übergibt der Bundeskanzelrin ihren Bericht.

Berlin „Wir wollen weltweit Leitmarkt werden“, sagte Kanzlerin Angela Merkel am Montag bei der Übergabe des Berichts der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ (NPE), die die Regierung berät. Am Mittwoch will das Bundeskabinett ein Förderprogramm beschließen, das unter anderem den Wegfall der Kfz-Steuer für zehn Jahre, Erleichterungen für E-Dienstwagen-Nutzer sowie Vorteile beim Parken vorsieht. Die Grünen nannten dies nicht ausreichend und forderten Prämien als Kaufanreiz. Umweltgruppen verlangten, Fahrräder sowie Busse und Bahnen im Verkehrskonzept mit zu berücksichtigen. 

Merkel sagte mit Blick auf den Rückstand Deutschlands etwa in der Batterietechnik, dass eine enge Zusammenarbeit von Politik, Industrie und Wissenschaft dringend notwendig sei. „Wir wissen, dass wir in einem globalen Wettbewerb stehen“, sagte die CDU-Vorsitzende. „Und wir wissen, dass es nicht ganz einfach sein wird, in der Zukunftstechnologie Elektromobilität Deutschland wieder zum führenden Anbieter von Autos zu machen.“ Die in der „Nationalen Plattform“ zusammengefasste Industrie und Wissenschaft stellte im Gegenzug zur Förderung rund 30.000 neue Arbeitsplätze bis 2020 in Aussicht. „Elektromobilität wird sich durchsetzen“, sagte der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann. Ab 2018 seien die Erträge aus der E-Mobilität höher als die Hilfen. Sowohl die Forschung als auch die Produktion der Fahrzeuge sollen nahezu vollständig in Deutschland stattfinden. 

Gratis-Parkplätze und Busspuren für E-Autos 

Im „Regierungsprogramm Elektromobilität“, das Reuters vorliegt, sichert der Bund der Industrie eine Verdoppelung der Forschungsmittel und damit eine Milliarde Euro bis 2013 zu, mit der in erster Linie die Batterietechnik konkurrenzfähig werden soll. Die Autoindustrie allein will bis 2015 weitere zwölf Milliarden Euro aufbringen. Man stehe in einem harten weltweiten Wettbewerb nicht nur zwischen Unternehmen, sondern auch zwischen Staaten, sagte der Chef des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann. China etwa investiert massiv in Elektro-Autos, Frankreich unterstützt den Absatz mit Kaufprämien. Diese lehnt der Bund als wettbewerbsfeindlich ab. 

Wie Elektroautos in anderen Ländern gefördert werden

USA

Rund 22 Milliarden Euro investiert die US-Regierung in die Elektromobilität. Käufer des elektroangetriebenen Chevrolet Volt erhalten beispielsweise eine Steuergutschrift von 7500 Dollar (etwa 5300 Euro) je Auto. Dies gilt für die ersten 200.000 verkauften Elektroautos des Herstellers General Motors. Für die Entwicklung besserer Batterien können sich Firmen um Beihilfen in einer Gesamthöhe von zwei Milliarden Dollar bewerben.

China

500.000 Elektroautos sollen schon 2012 auf Chinas Straßen fahren. In fünf Testregionen wird der Kauf eines Elektroautos mit 50.000 bis 60.000 Yuan (heute rund 7000 Euro) bezuschusst. Zusätzlich will die chinesische Regierung im kommenden Jahr voraussichtlich 100 Milliarden Yuan für die Forschung und Entwicklung von Elektroautos ausgeben.

Grossbritannien

Mit 5000 Pfund (rund 5700 Euro) wird der Kauf eines Elektroautos gefördert. In London sparen E-Auto-Besitzer die Citymaut von etwa fünf Pfund. Außerdem ist die Besteuerung von Firmenautos vom CO2-Ausstoß des jeweiligen Modells abhängig. Das Hilfsprogramm der Regierung hat einen Wert von 250 Millionen Pfund.

Frankreich

Private Käufer von Elektroautos erhalten eine Prämie von 5000 Euro. Für die Infrastruktur strombetriebener Fahrzeuge will Paris etwa 1,5 Milliarden Euro ausgeben. Mit 125 Millionen Euro beteiligt sich der Staat am Bau eines neuen Batteriewerks. Renault und PSA Peugeot Citroën bekommen für den Aufbau der E-Auto-Produktion jeweils rund 100 Millionen Euro als zinsvergünstigte Kredite.

Allerdings soll für Autos, die weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, für zehn Jahre die Kfz-Steuer entfallen. Bisher war dies nur für fünf Jahre vorgesehen. Zudem sollen Nutzer von zunächst deutlich teureren Dienstwagen mit Elektroantrieb nicht benachteiligt werden: Der Steuersatz von einem Prozent wird auf Basis des Listenpreises eines konventionellen Fahrzeugs festgesetzt. Darüber hinaus will die Regierung mit Kommunen und Ländern den Weg für Gratis-Parkplätze und die Nutzung von Busspuren ebnen. Die Bundesressorts selbst wollen zehn Prozent aller neu gekauften oder gemieteten Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb anschaffen. Unterstützung wird zudem den Flotten von Car-Sharing-Betreibern in Aussicht gestellt. 

Kommentare (3)

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Subventionen_fuer_Konzerne

16.05.2011, 12:45 Uhr

"...eine mögliche Einrichtung von Sonderfahrspuren für E-Autos, Sonderparkzonen und eine zehnjährige Befreiung von der Kfz-Steuer."

Hier liest man mal wieder nur dummes Zeug. Für Sonderfahrspuren gibt es doch überhaupt keinen Platz und kein Geld, um diese zu bauen oder einzurichten. Vor Kurzem wollte man noch alle LKWs auf eine zusätzliche Spur verbannen. Die 3.Spur auf der A1 wird seit 10 Jahren gebaut.
Die Notwendigkeit von Sonderparkzonen ergibt sich schon allein aus dem Problem der ausgewiesenen Standorte für Lademöglichkeiten. Da werden dann wohl jede Menge Sonderparkzonen gebraucht, in denen die E-Mobile stundenlang zum Akkuladen stehen müssen.
Die zehnjährige KFZ-Steuerbefreiung ist auch nur für die gemacht, die nicht rechnen können. Ein E-Mobil spielt in der Liga der Kleinst- bis Kleinwagen. Die zahlen ca.80 Euro KFZ-Steuern im Jahr. Der Steuerbefreiung in 10 Jahren bringt dann satte 800 Euro. In der Zwischenzeit musste der E-Mobilfahrer aber schon 3x die Akkus für jeweils 6.000 Euro austauschen. Die einzigen, die hier von Merkels Großzügigkeiten profitieren, sind die Automobilkonzerne und eventuell die Zulieferer der Akkutechnologien. Die kassieren Subventionen für Forschungen, die sie längst schon betreiben. Deren Ergebnisse sie aber nicht rausrücken, bis Merkel endlich die Subventionen fließen lässt.

Prenden

16.05.2011, 13:04 Uhr

Schade, es geht nicht um offene lebendige Städte mit kostenfreiem Nahverkehr und vielen Elektro- oder muskelgetrieben Fahrrädern, sondern rein wirtschaftlichen Interessen der Lobbygruppen. Ich dachte immer das gar nicht erst benötigte Energie für die Herstellung oder Betrieb besser ist für das Klima als verbrauchte? Und wer an das CO2-Thema glaubt sollte auch mal nachdenklich werden... Wo bleiben eigentlich die Einsprüche oder Innovationen, auch von teilnehmenden Umweltgruppen? Fehlanzeige. Die können sich ja auch nicht selber tragen und sind auf Subventionen angewiesen und sollen diesem Schwindel einen grünen Stempel bescheinigen.

Account gelöscht!

16.05.2011, 19:27 Uhr

Wir müssen das aber noch ganz anders sehen.
Die Automobilkonzerne machen Gewinne, große Gewinne.
Diese reichen sie sofort weiter an die Aktionäre und Manager. Es verbleibt also von den jährlichen Gewinnen nichts in der Firma.
Nun muß Forschung betrieben werden für E-Autos und die Firmen haben kein Geld und nun muß der dumme deutsche Michl die Forschung der Autokonzerne finanzieren.
Danach darf und muß er sich so ein Auto kaufen, dafür wird der Staat schon sorgen, muß das teuer bezahlen, was er eigentlich längst bezahlt hat mit seinem Steuergeld.
Ja, ja, Merkel schafft Deutschland schon noch ab. Inzwischen ist ganz Deutschland doch nur noch eine enzige Subventionslandschaft. Man könnte auch sagen, wir haben längst Planwirtschaft
Wir Verbraucher zahlen unsere Waren doch teilweise doppelt und dreifach.
Und wie lange soll ds gut gehen?
Und der dumme deutsche Michl wird auch die nächste Steurerhöhung schlucken und die kommt so sicher wie das Amen in der Kirche

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