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28.11.2011

07:13 Uhr

„Elite-Bonds“

Deutschland will mit AAA-Ländern Euro-Brandmauer errichten

Laut einem Medienbericht erwägt Deutschland, zusammen mit den fünf AAA-Ländern der Euro-Zone Anleihen aufzulegen. Die „Elite-Bonds“ sind als letzter Schutzwall gegen den Crash gedacht, falls alle anderen Pläne scheitern.

Die Bundesregierung erwägt gemeinsame Anleihen mit fünf Euro-Staaten  dpa

Die Bundesregierung erwägt gemeinsame Anleihen mit fünf Euro-Staaten 

Berlin Die Bundesregierung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge gemeinsame Anleihen mit fünf besonders kreditwürdigen Euro-Ländern. Dabei handele es sich um Frankreich, Finnland, die Niederlande, Luxemburg und Österreich, die wie Deutschland über die höchste Kreditwürdigkeit verfügen, berichtete die Zeitung „Die Welt“ (Montagsausgabe) vorab unter Berufung auf ranghohe EU-Diplomaten, die mit den Verhandlungen zur Lösung der Währungskrise vertraut sind.

Mit diesem Geld könnten nicht nur die Schulden der sogenannten Triple-A-Länder finanziert werden, sondern gegen strenge Auflagen auch Hilfen für Krisenländer wie Italien und Spanien, hieß es. Ziel der neuen Bonds sei es, die Lage der Triple-A-Länder zu stabilisieren und zugleich „einen glaubwürdigen Schutzwall zu errichten, der die Finanzmärkte beruhigt“, berichtete das Blatt unter Berufung auf Verhandlungskreise. Beim Kauf der neuen Bonds solle die Finanzagentur des Bundes mit Sitz in Frankfurt eine zentrale Rolle spielen. Der Zinssatz der neuen Anleihen solle zwischen zwei und 2,5 Prozent liegen.   

Anders als die von der Bundesregierung vehement abgelehnten Euro-Bonds wären die Anleihen keine Gemeinschaftsanleihen aller 17 Euro-Länder - Schuldenstaaten und Krisenländer mit schlechter Kreditwürdigkeit sollen außen vor bleiben. Die Zeitung schrieb, Euro-Krisenländer und Länder mit eingeschränkter Kreditwürdigkeit sollten zunächst außen vor bleiben. Darum würden die Bonds auf Arbeitsebene auch als „Elite-Bonds“ oder „Triple-A-Bonds“ bezeichnet.   

Die Pläne seien Teil eines Konzepts der Bundesregierung, bei dem sich im Rahmen eines Euro-Sondervertrags zunächst nur wenige Euro-Staaten auf eine strengere Haushaltskontrolle und eine stärker verzahnte Finanzpolitik verständigten, hieß es weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle diese aber nur umsetzen, wenn nicht alle 27 EU-Staaten der von ihr geforderten Änderung der EU-Verträge verbindlich zustimmen.

Was spricht für Euro-Bonds, was dagegen?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Eurobonds?

Gemeinsame Staatsanleihen aller Euro-Länder, die von einer noch zu gründenden europäischen Schuldenagentur zur Versteigerung angeboten würden. Bisher begibt jedes Land ausschließlich eigene Anleihen - mit der Konsequenz, dass hoch verschuldete Staaten teils extrem hohe Zinsen zahlen müssen. Geraten sie in den Fokus der nervösen Märkte, steigen die Zinsen sogar noch höher. Staaten mit glänzender Bonität wie Deutschland oder Österreich kommen dagegen günstig an frisches Geld.

Was wären die Vorteile von Eurobonds?

Pleitekandidaten stünden nicht mehr wie bisher weitgehend allein gegen die Macht von Finanzmärkte und Spekulanten: Mit Hilfe der Eurobonds könnten sie sich wieder zu moderaten Konditionen Kredite besorgen - schließen sind die solideren Staaten ja bei jeder einzelnen Anleihe mit im Boot. Allerdings würde ein anderer Teil der Schulden nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden - mindestens 40 Prozent müssten dies sein, fordert etwa Grünen-Chef Cem Özdemir.

Was spricht gegen Eurobonds?

Dass eine gemeinsame Haftung für Schulden ein tatkräftiges Sanieren und Sparen für Athen, Lissabon & Co noch unattraktiver machen könnte - nach dem Motto: Die Reichen werden schon zahlen. Dies befürchtet etwa Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Außerdem würden dann - so formulieren es die Eurobond-Gegner - deutsche Steuerzahler für Schulden derer mithaften, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben. Befürworter wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker versichern deshalb, parallel solle ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer geschaffen werden, das strikte Haushaltsdisziplin belohne.

Wo verlaufen die Fronten in dem Streit?

In Deutschland zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün. In Europa - stark vereinfacht - zwischen Staaten mit AAA-Bonität und dem Rest. In Brüssel hat sich neben Juncker auch EU-Währungskommissar Olli Rehn für Eurobonds ausgesprochen. Die führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland sind uneins. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger beispielsweise ist für diese Lösung, ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen spricht von einer „hanebüchenen Idee“.

Was würden Eurobonds für Deutschland kosten?

Das ist höchst umstritten. Kai Carstensen etwa kalkuliert, dass Deutschland einen deutlichen Zinsaufschlag von 2,3 Prozentpunkten zahlen müsste. Unter dem Strich entspräche dies jährlichen Mehrkosten von gut 47 Milliarden Euro, errechnete er für die „Welt am Sonntag“. Eurobonds-Befürworten meinen dagegen: Staatspleiten und ein Auseinanderbrechen der Eurozone kämen für Deutschland teurer als die gemeinsamen Bonds.

Deutschland und Frankreich wollen unter den europäischen Partnerländern so schnell wie möglich eine Einigung über Änderungen der europäischen Verträge erzwingen. In deutschen Regierungskreisen wurden am Wochenende zwar Berichte über Geheimverhandlungen mit Frankreich dementiert, mit denen ein neuer Stabilitätsvertrag - notfalls nur unter einer Gruppe von Euro-Ländern - durchgedrückt werden soll. Unbestritten blieb aber, dass Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy schon im Vorfeld des EU-Gipfels am 8. und 9. Dezember gemeinsame Vorschläge für begrenzte Vertragsänderungen in die Diskussion einbringen wollen und dazu am liebsten bereits erste Festlegungen treffen möchten.

Kommentare (66)

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Account gelöscht!

28.11.2011, 04:05 Uhr

So sollte es vom Anfang an sein-nur die AAA Staaten,wenn jemand das RAqting verliert gibt es keine Eurobonds für ihn.

nanoflo

28.11.2011, 04:55 Uhr

Vernünftig, dem kann ich nichts schlechtes abgewinnen!

murks

28.11.2011, 04:56 Uhr

naive konzeptkunst und substanzloses durchschaubares kreditblendwerk im wirtschaftsfernen elfenbeinturm von politik und selbsternannter exzellenz ausgedacht,den verzweifelten,ohnmachtigen und realitätsblinden naiven theorielastigen machern sei dank.

bei zur zeit 3,5 % inflation im euroraum,die auf über 5 % die nächsten 18 monate steigen wird und einer absehbaren zurückgehenden wirtschaftsleistung werden diese e-lügen bonds wenn uberhaupt für das eineinhalb- bis zweifache der angedachten zinshöhe über den tisch gehen.

bei aberkennung des französischen dreifach A`s ,bereits angedroht, is der drops eh gelutscht und der schuß geht nach hinten los und zwar nicht nur in sachen zinshöhe sondern auch in sachen bundesdeutscher bonität und rating, dem dann weitere zinsteigerungen folgen werden.

die zu verbürgende zusätzliche summe im billionenbereich durch die bundesrepublik deutschland schafft darüberhinaus
unüberschaubare risiken,da die mini volkswirtschaften luxemburg,niederlande und finnland ,sowie die angeschlagenen partner frankreich und das osteuropalastige österreich wahrlich keine ebenbürtigen bürgen sein können.

die stark mit italien verzahnten drei großen mittelmächten müssen,da ihre banken und versicherungen nicht nur auf italienischen anleihen im mittleren 3 stelligen milliardenbereich hocken,sondern auch auf nach italien ausgegebenen krediten in ähnlicher höhe,sich ihre eigenen forderungen kreditieren.

black despair rules...

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