Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.02.2012

14:11 Uhr

Elternzeit

Regierung lehnt Entlastung der Unternehmen ab

Experten fordern im noch nicht veröffentlichten Familienbericht die Kürzung der Elternzeit. Die bis zu drei Jahre lange Auszeit sei eine zu hohe Belastung für Unternehmen. Das Familienministerium ist anderer Meinung.

Experten fordern die Kürzung der Elternzeit. dpa

Experten fordern die Kürzung der Elternzeit.

BerlinUnternehmen werden durch die gesetzlich eingeräumte Elternzeit von maximal drei Jahren zu sehr belastet. Das schreibt eine Sachverständigenkommission im neuen Familienbericht. Daher fordert sie eine deutliche Kürzung der beruflichen Auszeit für Eltern. Ein Sprecher von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bestätigte auf Anfrage einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt". Der achte Familienbericht, der vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben wurde, ist bisher unveröffentlicht und wird am 14. März im Bundeskabinett behandelt.

Die Möglichkeit, bis zu drei Jahre aus dem Berufsleben auszusteigen, bedeute "eine große organisatorische und finanzielle Belastung für die Unternehmen", zitiert "Die Welt" den Bericht. Die Kommission empfiehlt eine Verkürzung auf zwei Jahre. Denkbar wäre nach Vorstellung der Experten auch, eine volle Auszeit nur noch zwölf Monate lang zu gewähren, danach aber eine Teilzeit-Arbeit von den Eltern zu verlangen. Nach aktueller Rechtslage können sich in Deutschland Eltern für maximal drei Jahre unbezahlt von ihrem Arbeitgeber freistellten lassen. Im Anschluss besteht ein Anspruch auf die Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz.

Dennoch sieht es nicht nach einer Kürzung der Elternzeit aus. "Die Bundesregierung wird der Empfehlung der Sachverständigenkommission in puncto Elternzeit nicht folgen", kündigte der Ministeriumssprecher an.

Laut Zeitungsberichten forderten die Experten auch eine Überprüfung des Ehegatten-Splittings, da dieses dazu beitrage, dass viele Frauen keine Erwerbstätigkeit anstrebten. Diese Forderung wird ebenfalls am 14. März im Bundeskabinett diskutiert.

Der Familienbericht wird alle fünf Jahre im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellt. Die aktuelle Ausgabe trägt den Titel "Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik". Verantwortlich für die Umsetzung ist die Bundesregierung. Bei der Entgegennahme des Berichts im Oktober vergangenen Jahres sagte Familienministerin Schröder: "Zeit ist die Leitwährung unserer Familienpolitik". Eltern bräuchten Zeit, um ihre Kinder ins Leben zu begleiten.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bam

28.02.2012, 14:45 Uhr

Die Elternzeit ist sinnvoll und sollte in ihrer jetzigen Form beibehalten werden. Das ist zumindest meine Meinung als Vater einer 2-jährigen Tochter, der (neben Nutzung der Elternzeit durch meine Frau) die Partnermonate genutzt hat. Ich kann dies nur jedem (werdenden) Vater nahelegen. Eine (positive) Erfahrung, die man nicht verpassen sollte! Wo sonst gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf eine derartige Freistellung. Eine Verkürzung schießt m.E. am Ziel vorbei, zumal (das unterstelle ich nun mal) die längere Periode der Elternzeit meist von den Frauen genommen wird. Einer flexiblen Aufteilung der Elternzeit zwischen beiden Partner steht aber dabei grundsätzlich nichts im Wege.

Welche sogenannten "Sachverständige" bei der Empfehlung zur Verkürzung wieder am Werk waren ist für mich nicht nachvollziehbar. Es handelt sich bestimmt wieder um wirtschaftsnahe "Experten", die eigentlich (mal wieder!) keine Ahnung von der ganzen Sache haben und schlicht nach einfachen Einsparpotentialen für die Unternehmen suchen.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Mein Arbeitgeber bietet sogar eine (freiwillige) Freistellung auch über die 3 J. Elternzeit hinaus an. Klar muss sein, dass eine Rückkehr ins Unternehmen nach einer derart langen Periode nicht ganz einfach werden wird...

Account gelöscht!

28.02.2012, 14:59 Uhr

Wir sind in Deutschland, also nicht wundern wenn die Oberaffen morgen fordern dass Kinder ab bereits reif für den ersten Job wären...

Rodolfo

28.02.2012, 15:05 Uhr

3 Jahre Elternzeit sind sicher in einer Behörde oder einem klassichen Job, z.B. als Verkäuferin, kein Problem.
Allerdings in dynamischen Branchen, wie IT oder Research & Development gibt es zwei Riesenprobleme.
Erstens haben die Mitarbeiter nach 3 Jahren Auszeit völlig den Anschluss verpasst und zweitens ist der Job bis dahin längst besetzt und der Rückkehrer oft einfach überflüssig. Man kann das drehe und wenden, wie man will; in der Firma hat man dann keinen Stellenwert mehr, insbesondere da auch bald die nächste Elternzeit droht.
Dazu kommt, dass dann einige Mütter kurzfristig doch entscheiden, gar nicht mehr arbeiten zu wollen. dieses Konglomerat an Gründen ist für Unternehmen unzumutbar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×