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08.03.2011

09:56 Uhr

Embryonen-Tests

CDU-Politiker stellt Ethik-Rat infrage

Sollen Gentests an Embryonen erlaubt werden? Die Politik ist in dieser Frage gespalten. Mit Spannung wird daher die Einschätzung des Deutschen Ethikrats erwartet. Doch die CDU zweifelt generell am Sinn dieses Gremiums.

Umstritten: Gentests an Embryonen. Quelle: dpa

Umstritten: Gentests an Embryonen.

BerlinGut eine Woche vor der ersten Beratung im Bundestag über Gentests an Embryonen aus dem Reagenzglas bezieht der Deutsche Ethikrat heute (Dienstag/11.00 Uhr) zu der ethisch heiklen Frage Stellung. Dabei sei mit einem gespaltenen Votum zu rechnen, hatte das „Hamburger Abendblatt“ aus Kreisen des Gremiums berichtet.

Bei der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen außerhalb des Mutterleibs auf Erbkrankheiten untersucht.

Der Ethikrat will über alle denkbaren Argumente für und gegen eine Freigabe der PID diskutieren. Dem Bundestag stehen drei Gesetzentwürfe zur Diskussion. Eine Gruppe von Abgeordneten fordert ein umfassendes Verbot der PID, eine weitere ist für eine begrenzte Zulassung. Eine dritte Gruppe will die Nutzung der PID in Einzelfällen zulassen, die Grenzen aber noch enger fassen.

Mit der Methode sollen Fehl- und Totgeburten oder Geburten kranker oder behinderter Kinder vermieden werden. Die aussortierten Embryonen sterben ab. Der Deutsche Ethikrat soll die Bundesregierung und den Bundestag in ethischen, medizinischen, rechtlichen und sozialen Fragen beraten.

Unter den 26 Mitgliedern sind Mediziner, Naturwissenschaftler, Juristen, Philosophen und Theologen. Die Experten sollen über Forschungsergebnisse zum Beispiel aus der Bio- oder Gentechnologie, der Hirnforschung oder der Reproduktionsmedizin diskutieren. Vorsitzender ist der ehemalige Bundesjustizminister Edzard Schmidt-Jortzig (FDP).

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn würde das Gremium am liebsten abschaffen. „Es stellt sich einmal mehr die Frage, wozu es einen Ethikrat braucht. Letzten Endes fasst er die gesellschaftliche Debatte zusammen, nicht weniger, aber auch nicht mehr“, sagte Spahn der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Am Ende entscheide der Bundestag. Der CDU-Politiker sprach sich dafür aus, im Zweifel für das Leben zu entscheiden, „also für ein Verbot der PID“.

Der Bundesgerichtshof hatte im vergangenen Jahr das bis dato gültige völlige Verbot der PID aufgehoben. Kritiker beklagen, dass mit den Untersuchungen letztlich „wertes“ von „unwertem“ Leben unterschieden wird. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich gegen die Methode ausgesprochen. Die Abstimmung im Bundestag über die PID soll ohne Fraktionszwang stattfinden.

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