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20.05.2013

16:08 Uhr

Emnid-Umfrage

AfD im „Sonntagstrend“ erstmals bei drei Prozent

Die Anti-Euro-Partei AfD hat in der Gunst der Wähler zugelegt. Im Sonntagstrend kletterte die „Alternative für Deutschland“ erstmals auf drei Prozent und gewann damit einen Punkt gegenüber der Vorwoche, wie die wöchentliche Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Zeitung „Bild am Sonntag“ ergab.

AfD-Chef Bernd Lucke

„Südstaaten sollten aus dem Euro aussteigen“

AfD-Chef Bernd Lucke: Bernd Lucke: „Südstaaten sollten aus dem Euro aussteigen“

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BerlinSpitzenpolitiker der großen Parteien reagierten zuletzt immer nervöser auf die AfD. Alle Parteien diskutieren derzeit darüber, wie sie mit dem neuen politischen Gegner umgehen könnte. Vor allem die Union ist verunsichert: Bei einem knappen Wahlausgang könnte die AfD sie den Wahlsieg kosten.

CSU-Chef Horst Seehofer schloss jegliche Zusammenarbeit mit der AfD aus. „Abgelehnt“, sagte er der „Welt am Sonntag“ auf eine entsprechende Frage. Er riet seiner Partei, die AfD ernstzunehmen. Sie sei aber keine Gefahr für die Union, weil diese mit Kanzlerin Angela Merkel eine sehr vorzeigbare Europa-Politik betreibe.

Die Union legte im Sonntagstrend wie die Anti-Euro-Partei einen Punkt auf 39 Prozent zu. Unverändert blieben die Werte von SPD (26 Prozent), FDP (vier Prozent) und Grünen (15 Prozent). Die Linkspartei gab einen Punkt auf sieben Prozent ab.

Die AfD erklärte unterdessen, sie wolle nicht zur D-Mark zurückkehren. Ihr Vorsitzender Bernd Lucke wiederholte seine bereits im Interview mit Handelsblatt Online geäußerte Forderung im Gespräch „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, wonach nicht Deutschland den Euro verlassen solle, sondern die südeuropäischen Staaten. Die Südländer hätten dann die Chance, durch eine Abwertung ihrer Währungen wieder wettbewerbsfähig zu werden. Um einen sanften Übergang zu gewährleisten, könnten die Südländer zunächst eine Parallelwährung zum Euro einführen. Zudem müsse es einen Schuldenschnitt geben, bei dem die Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen verzichteten. Für Griechenland und wahrscheinlich auch für Portugal sei ein zweiter Schuldenschnitt unabwendbar.

Die Spitzenpolitiker der großen Parteien warnen immer lautstärker vor der AfD. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nannte die Partei zuletzt hoch gefährlich, da sie mit Vorurteilen und Ressentiments spiele. Drastischer äußerte sich Außenminister Guido Westerwelle: „Sind wir eigentlich verrückt geworden, dass wir das, was in Jahrzehnten gebaut worden ist, in einem Jahr einreißen wollen?“, fragte er.

In den Umfragen liegt die AfD derzeit meist bei zwei bis drei Prozent. Dies könnte jedoch ausreichen, um die Union um den Wahlsieg zu bringen. Besonders CDU und CSU beobachten die Partei daher voller Argwohn. In allen im Bundestag vertretenen Parteien wird derzeit diskutiert, wie man sich gegenüber der AfD aufstellen soll. Im CDU-Präsidium hatte es dazu am Montag eine Diskussion gegeben, nachdem die Fraktionsvorsitzenden aus Thüringen, Hessen und Sachsen eine offensivere Auseinandersetzung mit der Partei gefordert hatten.

Von

rtr

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