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27.01.2008

20:20 Uhr

Empfindliche Niederlage für Roland Koch

Brutalstmögliches CDU-Ergebnis

VonThomas Sigmund

Roland Koch lässt sich lange nicht sehen. Erst eineinhalb Stunden nachdem die schwarze Säule beim brutalstmöglichen Ergebnis für seine CDU knapp unter 36 Prozent einfach stehen geblieben ist, stellt sich Hessen Ministerpräsident den Fragen der Journalisten. Und während die CDU-Parteispitze noch hofft, geht es auf den Fluren des Landtags an der Basis schon um die Konsequenzen aus dem Wahldebakel.

Dramatische Verluste für die CDU in Hessen: Ministerpräsident Roland Koch. Foto: Reuters

Dramatische Verluste für die CDU in Hessen: Ministerpräsident Roland Koch. Foto: Reuters

WIESBADEN. Koch wirkt nicht nur durch eine seit Monaten nicht auskurierte Bronchitis angeschlagen. Seine stark angeraute Stimme will erst gar nicht richtig in Schwingung kommen, als er zum Wahldebakel etwas sagen soll. Doch dann hilft der zur Linderung gebraute Kamillentee doch noch: "Hessen war und ist ein enges Land. Wir müssen abwarten angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen den schwarz-gelben und dem rot-grünen Lager", müht sich der 49-jährige um Schadensbegrenzung. Doch das klingt so bleich, wie Koch selbst an diesem Abend wirkt.

Nicht länger als ein, zwei Minuten dauert sein erster Auftritt an diesem Abend im hessischen Landtag. Dann überlässt Koch das politische Schlachtfeld wieder seinen Getreuen. Es gebe das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen. "Unser Ergebnis ist nicht befriedigend", wiederholt Innenminister Volker Bouffier artig die Worte seines Chefs. Das Entsetzen über das wohl schlechteste Wahlresultat der CDU seit 40 Jahren kann er selbst mit seiner knallbunten Krawatte nicht überspielen.

Zwar ist der Abend noch jung, das Ergebnis kann sich noch verändern. Sicher ist in diesem Moment aber schon jetzt: Die SPD und ihre Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti haben Roland Koch und der CDU bei den hessischen Landtagswahlen eine empfindliche Niederlage zugefügt: Ein Machtwechsel ist möglich, aber noch keineswegs sicher.

Kochs Statthalter in Berlin, Verteidigungsminister Franz Josef Jung, stört das nicht. Er wirft sich wie in früheren Tagen als er noch die hessische Staatskanzlei führte, für seinen Chef in die Bresche: Jung führt die hohen Verluste der hessischen CDU auf eine "Diffamierungskampagne gegen Roland Koch" zurück. Es sei aber dennoch richtig gewesen, das Thema Innere Sicherheit im Wahlkampf zu besetzen, bollert er gegen die politischen Gegner los. Eine Ursachenforschung, die fast alle Christdemokraten zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale teilen. Die Schuldige ist in der Gestalt von Andrea Ypsilanti ausgemacht. Doch wie hart die Reaktion auch ausfällt an diesem Abend: Die engsten Vertrauten Kochs, Regierungssprecher Dirk Metz, Generalsekretär Boddenberg, Bouffier und Franz-Josef Jung, selten wirkten sie so sprachlos ob des Wahl-Albtraums.

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