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20.09.2013

17:05 Uhr

Endspurt im Wahlkampf

Es geht um die Wurst

VonJulian Mertens

Die Bratwurst in ihren unterschiedlichsten Varianten ist Deutschlands ureigenes Gericht. Sie erzählt uns viel darüber, wie Politiker auf Volksfesten und Empfängen mit uns Kontakt aufnehmen – und dabei scheitern.

Die Nürnberger Bratwurstspezialität „3 im Weggle“: Die Wurst als Kommunikationsmittel im Wahlkampf. dpa

Die Nürnberger Bratwurstspezialität „3 im Weggle“: Die Wurst als Kommunikationsmittel im Wahlkampf.

DüsseldorfSie gehört im Sommer auf jeden Grill in Deutschland. Sie gibt es als Thüringer (die ihr sogar ein Museum widmen) oder Nürnberger. Im Brötchen oder mit Pommes. In Weiß oder in scharfer Currysauce. An ihr hängt das Herz: Dortmunder zoffen sich mit Berlinern (die der Currywurst ebenfalls ein Museum widmen), zoffen sich mit Hamburgern, wer sie als erster zerschnitten und in Sauce getränkt hat. Die Bratwurst. Überall bekannt, auf jedem Volksfest dabei.

Kaum etwas ist so typisch für die Republik und so volkstümlich. In Madrid gibt es gerade auf dem populärsten Markt ein „Merkel-Menü“: Ostdeutsche Bratwurst auf Brot mit mittelscharfem Senf und Bier. Was wenige wissen: Kaum etwas ist bei Politikern so beliebt und gleichzeitig so verabscheut.

Die möglichen Koalitionen und ihre Chancen

Schwarz-Gelb:

Selbst wenn die Union wieder als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgeht, ist eine Neuauflage von Schwarz-Gelb keineswegs ausgemachte Sache. Denn die FDP dürfte weit hinter ihrem Rekordergebnis von 2009 - als sie 14,6 Prozent der Zweitstimmen erreichte - zurückbleiben. Und auch wenn es die Liberalen wieder in den Bundestag schaffen, ist es keineswegs ausgemachte Sache, dass es für eine Neuauflage der Koalition von Union und FDP reicht, die beide Seiten eigentlich anstreben.

Rot-Grün:

Das Wunschbündnis von SPD und Grünen könnte auf die Erfahrungen aus der vormaligen Koalition von 1998 bis 2005 bauen. Beide Parteien verfügen über einen breiten Konsens in vielen politischen Fragen und haben sich klar zueinander bekannt. Fraglich ist, ob es dafür eine Mehrheit gibt.

Große Koalition:

Wenn es weder für Rot-Grün noch für Schwarz-Gelb reicht, wird der Union als voraussichtlich stärkste Kraft mit Merkel an der Spitze eine Schlüsselrolle bei der Regierungsbildung zufallen. Naheliegend wäre dann die Bildung einer großen Koalition, wie es sie unter Merkel von 2005 bis 2009 gegeben hatte. Mit Schwarz-Rot ist die Kanzlerin gut gefahren, eine Neuauflage dürfte ihr nicht ungelegen kommen - auch wenn sie der SPD im Wahlkampf europapolitische Unzuverlässigkeit vorgeworfen hat. Schwarz-Rot könnte auch auf breite Zustimmung der Bevölkerung bauen.

Bei der SPD dürfte sich die Begeisterung hingegen in Grenzen halten. Sie fuhr nach vier Jahren große Koalition 2009 mit 23,0 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik ein. Nach einer erneut verlorenen Wahl in diesem Jahr dürfte es bei den Sozialdemokraten daher Diskussionen darüber geben, ob sich die Partei wieder in die ungeliebte Zweckehe begeben soll. Eine Beteiligung an Schwarz-Rot hat Kanzlerkandidat Steinbrück für sich persönlich ausgeschlossen. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass sich die SPD einer Neuauflage verweigern würde.

Schwarz-Grün:

Über ein solches Bündnis reden CDU/CSU und Grüne nicht gern, zumal es noch immer starke kulturelle Unterschiede zwischen ihnen gibt. Es dürfte Widerstand an der Basis der beteiligten Parteien geben, zumal die Erfahrungen mit dieser Konstellation nicht allzu gut sind. Das bislang einzige schwarz-grüne Bündnis existierte auf Länderebene in Hamburg. Es scheiterte nach nur zwei Jahren.

Auf Bundesebene ist mit dem 2011 beschlossenen Atomausstieg der größte inhaltliche Stolperstein für Schwarz-Grün aus dem Weg geräumt worden. Nachteil wäre allerdings, dass diese Konstellation derzeit über keine einzige Stimme im Bundesrat verfügt.

Dreierbündnisse:

Rechnerisch wären zwar auch Dreierbündnisse möglich, bei denen etwa SPD und Grüne entweder mit der FDP oder den Linken zusammengehen. Doch politisch sind diese Konstellationen sehr unwahrscheinlich. Eine rot-grün-gelbe Ampel will keine der drei Parteien, die FDP hat sie sogar formell ausgeschlossen.

Für Rot-Rot-Grün wird lediglich bei der Linkspartei geworben. SPD und Grüne lehnen eine solche Konstellation insbesondere wegen der Positionen der Linken in der Außenpolitik ab. Die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung ist für SPD und Grüne ebenfalls kein Thema. Auch die Linken wollen ein solches Modell nicht.

Beliebt, denn nicht nur wo gefeiert, sondern auch wo um Wähler gekämpft wird, gibt es sie. Und nach einer feurigen Rede meist auch in die Hand: „Toll Frau Merkel. Wollen sie eine?“ Wie man heißt und von welcher Partei man kommt, ist da egal. Wenn begeisterte Anhänger etwas anbieten, nimmt man es und beißt hinein. Das wissen die Lenker unseres Landes. Zumal es kaum leichter ist, sich volksnah zu inszenieren, als der Deutschen Lieblingsspeisen zu kosten.

Verabscheut, denn: „Der Knackpunkt ist doch: Es ist nicht möglich ist, eine Bratwurst würdig zu essen“, sagt der Journalist und Politikwissenschaftler Constantin Alexander. Sie sei heiß, fettig, komisch geformt, irgendwas tropft. Aleksander ist sozusagen der Spezialist für die Wurst. Hunderte Bilder hat er gesammelt und ausgewertet, mit Fotografen und Politikern gesprochen.

Merkel biss anfangs ungeschickt rein, mitunter gar zu aggressiv, sagt er. Das könne sogar eine ungünstige doppeldeutige Bedeutung bekommen. Doch sie sei souveräner geworden. Anders als dieses Bild von Edmund Stoiber, der den kleinen Finger abspreizt: „Das ist nicht authentisch“. Die Bratwurst, sie ist ein schmaler Grat. Auf jeden Fall darf man sie nicht ausschlagen. Das hat Norbert Röttgen in NRW versucht, das Ergebnis dieser Landtagswahl ist bekannt.

Kommentare (3)

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samaranter

20.09.2013, 18:26 Uhr

Es geht überhaupt nicht um die Wurst, es geht um die besseren Argumente, die leider bei allen Blockparteien mit der Lupe zu suchen sind, genau so wie sich die desaströse Politik der letzten 4 Jahre gezeigt hat. Nun versucht man die Bürger ohne Argumente zu ködern. Und wer das annimmt, kann nur dumm handeln. Die einzigste Partei, die gute und überzeugende Argumente aufbietet, ist die AfD. Und weil diese Argument sehr gut und verständlich sind, gehen alle Blockparteien einem Argumentationswettbewerb aus dem Weg. Das ist höchste Täuschung der Bürger. "Alternativlos und weiter so" sind von gestern. Die Alternative AfD zeigt es klar und deutlich auf. Da passen Programm und fähige Köpfe sehr gut überein. Darum braucht Deutschland die Veränderung mit einer starken AfD. Alle Zweitsimmen sind für unser Land gut angelegt. "Mut zur Wahrheit": AfD.

Account gelöscht!

20.09.2013, 22:07 Uhr

Es geht um die Wurst? Öhm, bei dem Angebot in der Politik neige ich zum Veggie-Day und wähle die AfD. Denn "Veggie" kann ich mir als Leiharbeiterin eindeutig nicht mehr leisten.

Account gelöscht!

21.09.2013, 14:56 Uhr

Zittern um Wählerstimmen bis zum Ende.
Da schreckt man auch nicht davor zurück in unserer Stadt am heutigen Samstag vor der Wahl jedem Haushalt kostenlos ein superdicke BILD-Zeitung zukommen zu lassen mit lauter WAHL Bla Bla....wer das letztlich wohl wieder finanzieren muss mit seinen Steuergeldern?

Die Verschwendung muss ein Ende haben....endlich ist dem Wähler eine ALTERNATIVE gegeben - AfD.

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