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04.06.2015

11:24 Uhr

Energetische Gebäudesanierung

Stillstand bei der Hauswende

VonSilke Kersting

Die Bundesregierung hat sich ein hehres Ziel gesetzt: den effizienten Umgang mit Energie. Aber bei der Gebäudesanierung, einem Schlüsselthema für den sparsamen Umgang mit Energie, hakt es.

Ein Arbeiter befestigt Styroporplatten zur Wärmedämmung an einer Haus-Fassade. dpa

Gebäudesanierung

Ein Arbeiter befestigt Styroporplatten zur Wärmedämmung an einer Haus-Fassade.

BerlinEine veraltete Heizung, undichte Fenster oder eine unzureichende Dämmung: Standard in Deutschland. Knapp zwei Drittel der rund 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland sind energetisch nicht auf dem neuesten Stand der Technik, dazu summieren sich Tausende unsanierte Wohnungen im Geschosswohnungsbau. Das sorgt für hohen Energieverbrauch, hohe Heizkosten – und schadet der Umwelt. Die Bundesregierung will das ändern, aus gutem Grund: ohne Gebäudesanierung, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) jüngst, seien die Klimaziele der Regierung nicht zu schaffen.

Doch es hakt bei der Umsetzung. Trotz staatlicher Förderung stagniert die Sanierungsrate bei rund einem Prozent, konstatierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Mai. Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 zu erreichen, sei aber eine jährliche Sanierungsrate von zwei Prozent des Wohngebäudebestandes in Deutschland erforderlich. „Offenbar greifen die bestehenden Förderprogramme bei vielen Immobilieneigentümern nicht“, so die DIW-Experten.

Die Klimapolitik der Bundesländer

Rheinland-Pfalz

Mit Rheinland-Pfalz gibt sich das dritte Bundesland ein Klimaschutzgesetz mit festen CO2-Einsparzielen – nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Hamburg

...hat bereits seit 1997 ein Klimaschutzgesetz, das Maßnahmen zum Energiesparen, aber kein eigenes Klimaziel formuliert. Mit einem „Masterplan Klimaschutz“ von 2013 sollen die nationalen Ziele umgesetzt werden.

Berlin

...will bis 2050 klimaneutral werden. Ein Energiewendegesetz liegt im Entwurf vor. Es sieht CO2-Minderungsziele bis 2020 (-40%), 2030 (-60%) und 2050 (-85%) vor (zu 1990) und soll noch in diesem Jahr Senat und Abgeordnetenhaus passieren.

Bremen

...soll Anfang 2015 ein Klimaschutzgesetz bekommen. Im Entwurf steht, dass der CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent sinkt (zu 1990).

Niedersachsen

...hier will Rot-Grün bis „Mitte der Legislatur“ (2015) ein Gesetz vorlegen, die Vorarbeiten laufen. Die Regierung arbeitet auch an einem Klimaziel, ein Runder Tisch soll bis zum ersten Quartal 2015 Ergebnisse liefern.

Schleswig-Holstein

...prüft derzeit das Für und Wider eines eigenen Energiewende- und Klimaschutzgesetzes. Kabinett und Landtag sollen Ende 2014 eine Empfehlung abgeben.

Bayern

...will die jährlichen CO2-Emissionen bis 2020 auf deutlich unter sechs Tonnen pro Einwohner reduzieren. Der Ökostromanteil (Verbrauch) soll bis 2021 auf 50 Prozent steigen.

Sachsen

...hat in einem „Energie- und Klimaprogramm“ festgelegt, dass der jährliche CO2-Ausstoß des Nicht-Emissionshandelssektors bis 2020 um 25 Prozent gegenüber 2009 sinken soll.

Brandenburg

...hat 2012 eine „Energiestrategie 2030“ beschlossen, die festschreibt, dass der CO2-Ausstoß bis dahin um 72 Prozent gesenkt werden soll (zu 1990). Mit einem Vorstoß für ein eigenständiges Gesetz scheiterten die Grünen dieses Jahr im Landtag.

Thüringen

...hier fiel ein Klimaschutzgesetz der Grünen im Juni im Landtag durch. Verschiedene Ziele zur Energieeffizienz und zum Ausbau der erneuerbaren Energien sollen aber helfen, den Treibhausgas-Austoß im Vergleich zu 2010 bis 2020 um 10 Prozent zu reduzieren.

Hessen

...hier hat sich Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag generell auf Klimaziele verständigt. Diese sollen eher nicht mit einem Gesetz, sondern in einem Konzept mit Einzelmaßnahmen umgesetzt werden.

Mecklenburg-Vorpommern

...feilt an einem Landesenergiekonzept, das auf erneuerbare Energien setzt. Vorläufer sind ein Klimaschutzkonzept (1997) und ein Aktionsplan Klimaschutz (2010).

Saarland

...hat ein Klimaschutzkonzept von 2008 und will 20 Prozent des eigenen Stromverbrauchs bis 2020 aus erneuerbaren Energien decken. Ein Einsparziel gibt es nicht. Der Landtag will aber prüfen lassen, ob ein eigenes Klimaschutzgesetz lohnt.

Sachsen-Anhalt

...hält ein solches Gesetz für „überflüssig und kontraproduktiv“ und sieht keinen Sinn in einem Landes-Klimaziel. Das Umweltministerium verweist auf die Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes.

„Die Maßnahmen, die zur energetischen Sanierung von Gebäuden führen sollen, gehen an den meisten Hausbesitzern vorbei“, sagt auch Thomas Tenzler, Geschäftsführer des Fachverbandes Mineralwolleindustrie (FMI): „Nur jeder vierte Hauseigentümer plant gegenwärtig eine entsprechende Maßnahme“, so Tenzler, der sich auf eine noch unveröffentlichte Umfrage des Verbandes beruft, die dem Handelsblatt vorliegt.

Mit einer steuerlichen Absetzbarkeit könnten sich dies mit 39 Prozent schon mehr als ein Drittel der Eigentümer vorstellen – bei direkten Zuschüssen mehr als die Hälfte der insgesamt 810 Befragten. „Die Bereitschaft zu sanieren wäre also da, es mangelt aber an der richtigen Förderung.“ Billige Kredite mit langer Zinsbindung, ergab die Befragung, gelten als deutlich weniger attraktiv.

Das Instrument der staatlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung wird indes nicht kommen, das Vorhaben aus dem Wirtschaftsministerium wurde bereits beerdigt. Stattdessen will Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) mit einem neuen „Anreizprogramm Energieeffizienz“ andere Förderimpulse setzen, um das Heizen in Gebäuden effizienter zu machen, etwa durch Investitionszuschüsse für Brennstoffzellen-Heizung.

Zudem sollen ab 1. Juli erstmals gewerbliche Gebäude in die KfW-Förderung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren einbezogen werden. In Deutschland gibt es rund 1,7 Millionen Nichtwohngebäude, davon befinden sich rund 300 000 in öffentlicher Hand, darunter Schulen. Bis 2020 soll Deutschland 40 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 1990 – doch dieses Ziel ist gefährdet.

Kommentare (7)

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Herr Gerd St

04.06.2015, 11:47 Uhr

Seit Jahren wird an den richtigen Fördermassnahmen vorbeigeplant. Ob mit Absicht ?
Denn hier würde es richtig teuer für den Staat werden.
Interessant hinsichtlich einer wesentlichen Energieeinsparung w#re eine Sanierung der Dächer.
Sieht man sich um, wird es deutlich, dass im Altbestand sehr wohl Heizungen vielleicht noch Fenster ausgetauscht werden, nicht jedoch ein altes Dach. Und dort verschwindet (neben dünnen Wänden ) die Energie zum größten Teil.
Aber welcher Hausbesitzer ist denn in der Lage zwischen € 30.000 und 40.000 auf einen Schlag für ein neues Dach auszugeben.
Hier wären substantielle Hilfen notwendig.
Kommt nichts, bleibt es bei einer Isolierung von Heizrohren.
Und damit sind die erklärten Klimaziele bestimmt nicht zu erreichen.

Herr Henry Wuttke

04.06.2015, 12:04 Uhr

„Stillstand bei der Hauswende“, wer genauer hinschaut weiß warum.

Nicht jede Häuserdämmung oder ein Wechsel der Heizungsanlage rechnet sich.
Viele Eigenheimbesitzer werden unbillig benachteiligt, so dass keine Dämmsanierung sinnvoll ist.

Ein Beispiel:
Laut einem Ergebnis der Architekten und Firmen soll in einem Wohnkomplex mit 120 Wohnungen eine komplizierte Außendämmung mit umfangreichen Fensterverkleinerungen zwischen 2 -3 Millionen € kosten. Die Außendämmkosten sind für die Eigentümer gewaltig, so dass diese Ausgaben durch die Heizkosteneinsparung erst nach ca. 800 Jahren ausgeglichen wären. Während dieser Zeit sind wiederum sehr viele Reparaturen nötig, so dass sich die Zeit der Amortisierung auf unendlich hinausstreckt. Dieses Beispiel zeigt, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung aus Sicht der Eigenheimbesitzer begrenzt sind.

Die KfW-Förderung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren ist viel zu niedrig. Auch wenn die KfW-Förderung 300.000 € in dem Fall betragen würde, das Projekt rechnet sich für die Eigentümer nicht.

Mich wundert, dass kein Mensch über die Zerstörung der Atmosphäre durch Flugzeuge redet. Allein nur 1 Flugzeug verbrennt tonnenweise Kerosin. Eine Boeing B 747 benötigt für eine Strecke von 2000 km rund 69 Tonnen Kerosin.

Wie viele Flugzeuge fliegen auf der Welt?

Täglich finden etwa 40.000 kommerzielle Flüge weltweit statt. Wer ist also der Umweltverschmutzer, der Eigenheimbesitzer oder die Luftfahrt.


Herr Peter Spiegel

04.06.2015, 13:07 Uhr

Wenn man diese Platten wie auf den Bild an die Wand klebt, wo ist der Sinn. Hat da jemand eine Ahnung?

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