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12.01.2011

21:25 Uhr

Energie-Effizienz

Vorbilder sind nicht immer Vorreiter

VonThomas Ludwig

Klimaschutz? Ja, bitte - aber bei der Gebäudesanierung hinkt die EU hinterher. Immerhin ist ein großer Teil des Endenergiebedarfs in der EU zur Raumheizung, Warmwasserbereitung und Strombereitstellung in Gebäuden nötig. Doch Klimaschutz gibt es nicht umsonst.

Parlamentsgebäude der EU in Brüssel: Ein Drittel der Treibhausgasemissionen entfällt auf Häuser. dpa

Parlamentsgebäude der EU in Brüssel: Ein Drittel der Treibhausgasemissionen entfällt auf Häuser.

BRÜSSEL. Papier ist geduldig. Und Papier produzieren sie in Brüssel en masse - sowohl im Parlament wie auch in der Kommission. Sinn oder Unsinn erschließen sich dabei bisweilen nicht von allein. So will die Mehrheit des EU-Parlaments die Häuser auf der für seine arktischen Temperaturen bekannten Insel Zypern endlich winterfest machen. "Welchem Klimawandel beugen wir eigentlich vor", bemerkt der CDU-Abgeordnete im EU-Parlament, Markus Pieper, süffisant. Mit solchen Entschließungen überschreite man eine rote Linie: "Sinnvoller Klimaschutz steht in keinem Verhältnis mehr zum Kostenaufwand."

Im Vorgriff auf eine für dieses Frühjahr erwartete Mitteilung der EU-Kommission zur Energieeffizienz, fordern die Volksvertreter die Kommission auf, Dampf zu machen bei der energetischen Gebäudemodernisierung. Immerhin sind rund 40 Prozent des Endenergiebedarfs in der EU zur Raumheizung, Warmwasserbereitung und Strombereitstellung in Gebäuden nötig. Ein gutes Drittel der Treibhausgasemissionen entfällt auf Häuser. Organe und Einrichtungen der EU, so der Mehrheitswille im Parlament, sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Davon freilich kann in Brüssel keine Rede sein.

Erst für eins von 70 Gebäuden der Kommission wurde ein "Energie-Audit" erstellt. Das geht aus der Antwort der Kommission auf eine Parlamentsanfrage hervor. Man sei in einer Pilotphase. "Von einer Vorreiterrolle ist man also weit entfernt", stellt der Vorsitzende des Industrieausschusses im EU-Parlament, Herbert Reul (CDU), fest.

Laut der Studie ließe sich der Energieverbrauch des Kommissionsgebäudes um ein knappes Drittel senken, wenn Investitionen in Höhe von 270 000 Euro getätigt würden; in zwei Jahren hätten sich die Kosten amortisiert. Aber: Die Investitionskosten steigen exponentiell mit jeder Energiesparmaßnahme oder jedem Energiesparprozentpunkt. Und die Renovierungsarbeiten zur Erhöhung der Energieeffizienz machen in der Regel nur die Hälfte der Gesamtsanierungskosten aus. "Irgendwann ist die Steigerung der Energieeffizienz eben nicht mehr die kostengünstigste Maßnahme", so Reul. Es gehe also nur mit Anreizen, nicht mit Zwang.

Wie der öffentliche Sektor Anreize setzen kann, macht die schwarz-gelbe Bundesregierung vor. Zwar hat Berlin ähnlich wie Brüssel die Sanierung des Gebäudebestands als wichtige Maßnahme identifiziert, um den Verbrauch fossiler Energieträger zu mindern. Dennoch will man 2011 dafür deutlich weniger ausgeben als in den Jahren zuvor. Wie sinnvoll das ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Kommentare (1)

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Energie-Effizienz geht nur mit schlüssigem Gesamtkonzept !

20.01.2011, 15:01 Uhr

Energie- Gesamtkonzept für die bRD

Autokunden kaufen seit Jahrzehnten Öko-Autos mit Niedrigstverbräuchen in großen Stückzahlen: Mercedes A-Klasse, VW Fox und Golf, Opel Corsa, Ford Fiesta, bMW Mini, Smart ForTwo, Audi A3 und weitere. Diese Autos haben alle bei der verfügbaren Ökomotorisierung unter 5l Verbrauch im NEFZ-Zyklus (entspricht 120g CO2).

Wenn diese sparsamen Autos allerdings im Stau stehen, emittieren sie fast doppelt so viel CO2 (statt 120g etwa 200g CO2). Der Verkehr hat sich seit 20 Jahren in der bRD nahezu verdoppelt, das Strassennetz ist jedoch kaum gewachsen und wir erleben täglich landesweite Stausituationen. Sollte dann nicht zuerst der aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen entstandene Dringlichkeitsplan für den Ausbau des Fernstrassennetzes in der bRD umgesetzt werden, damit der Verkehr wieder fliesst?
Elektroautos mit ihrem in der Gesamtenergie- Wandlungs- und Übertragungs-Kette begründeten schlechteren Gesamtwirkungsgrad (ca. 20% bis max. 35% im Vergleich zum Otto- und Dieselmotor mit ca. 45% bis 48%) sollten nur in emissionssensiblen Citybereichen zulässig sein.

An der Gesamt- CO2- Emission weltweit haben KFZ einen Anteil von weniger als 15% (laut bMU). Der Anteil der CO2-Emission bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken mit fossilen Kraftstoffen beträgt mehr als das Dreifache (laut bMU). Sollten wir dann nicht schnellstmöglich auch in der bRD wieder zur CO2- freien Kernenergie, in der wir mal Technologieführer in Leistung und Sicherheit waren, als Zieltechnologie zurückkehren?

Die schnellstmögliche Rückkehr zur Kernenergie in der bRD ist allein schon aus Wettbewerbsgründen notwendig, da dies in allen führenden industrienationen (USA, Canada, Japan, Russland, China etc.) weltweit bereits geschieht. Der in Deutschland von der “Links-Grünen-Laien“-Politik eingeschlagene Weg der mittelfristigen Abschaltung unserer KKWs führt aus Gründen der stark eskalierenden Energiekosten in kurzer Zeit zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in der bRD bei der Herstellung aller energieintensiven industrieprodukte und Konsumgüter. Die Folgen für die Arbeitsplätze in Deutschland wären verheerend.

Es führt kein Weg am raschen Ausbau neuer, mit höchsten Sicherheitsstandards ausgestatteten KKWs vorbei. Die Lagerung verbrauchter Kernbrennstäbe in Castor- (cask for storage and transport of radioactive material) -behältern, die z. b. mit einem langfristig nutzbaren Tauschkonzept für strahlengeschädigte behälterwände ausgestattet sind, ist eine von mehreren sinnvollen Möglichkeiten. Auch ein weltweit betriebenes Endlagerprojekt, das über einen internationalen Gemeinschaftsfonds aller Nutzer finanziert werden könnte, ist hier zielführend. Dafür sollte sich die deutsche bundesregierung endlich einsetzen.

Wäre es nicht noch ökologischer, die dann länger verfügbaren fossilen Kohlenstoffressourcen ausschliesslich für den mobilen Verkehr (KFZ, Flugzeuge und Schiffe) und für Produkte der Kohlenstoffchemie (Kunststoffe, Medikamente etc.) zu reservieren, da es hier keine brauchbaren Alternativen gibt, statt diese ökofeindlich bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken oder bei der Wärmeerzeugung in Heizanlagen zu verbrennen?

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