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18.01.2005

07:51 Uhr

Energiebranche will Subventionen abschaffen

Wirtschaft läuft gegen Windkraft Sturm

Zwischen Umweltpolitikern und Energiewirtschaft ist eine heftige Kontroverse um die Zukunft der Windenergie entbrannt. Vertreter der Branche und der Energieabnehmer fordern, die Subventionierung des Ökostroms strikt zu begrenzen oder gar abzuschaffen. „Der Ausbau der Windkraft stößt ökonomisch und technisch offenkundig an Grenzen“, sagte Alfred Richmann, Geschäftsführer der Verbands der industriellen Energieabnehmer (VIK), dem Handelsblatt.

dc BERLIN. Der Chef des Energieabnehmerverbandes VEA, Manfred Panitz, verlangte eine „Abschaffung aller Privilegien für die Windkraft“. Umweltpolitiker wiesen die Kritik strikt zurück.

Die Kontroverse erhält in dieser Woche dadurch neue Nahrung, dass die bundeseigene Deutsche Energieagentur (Dena) eine Studie über die technischen und wirtschaftlichen Konsequenzen eines Windkraftausbaus an „Offshore“-Standorten in der Nordsee vorstellt. Dem Bau solcher Anlagen kommt eine Schlüsselrolle für das Ziel der rot-grünen Regierung zu, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf 20 Prozent auszubauen. Derzeit liegt er bei zehn Prozent.

Nach ersten Ergebnissen werden dazu neben dem Bau der neuen Winkraftanlagen zusätzlich Milliardeninvestitionen in die Leitungsnetze erforderlich sein. „Wenn die Netze dafür technisch aufgerüstet werden, ist Energie bald nicht mehr bezahlbar“, warnt Richmann. Dabei zeige sich längst eine wachsende Tendenz von Großverbrauchern etwa der Aluminium- und Stahlindustrie, Produktion ins Ausland zu verlagern.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) wies entsprechende Interpretationen dagegen entschieden zurück. „Die Studie macht deutlich, dass die Integration der Windenergie bis 2020 zu vertretbaren Kosten möglich ist“, sagte er dem Handelsblatt. Dabei hätten die Dena-Gutachter zu Grunde gelegt, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch schon bis 2015 auf 20 Prozent steige. Und doch werde bis 2007 zunächst kein Netzneubau für nötig gehalten, erst danach wäre das Stromnetz stufenweise auszubauen. „Sollten die genannten Investitionen auf die Endverbraucher umgelegt werden, würde sich für einen durchschnittlichen Dreipersonenhaushalt der Strompreis pro Jahr um ein Euro verteuern“, sagte Trittin. „Das ist vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung den Ausbau der Windenergie nicht nur aus Klimaschutzgründen vorantreibt, sondern auch, um die Abhängigkeit von Öl- und Gasmärkten zu vermindern, eine preiswerte Investition in die Zukunft.“

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