Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2012

03:12 Uhr

Energiegipfel

Seehofer droht Merkel mit Alleingang

Der eine will neue Gaskraftwerke, der andere setzt auf Solarenergie, der dritte auf Offshore-Windkraft. Beim Energiegipfel im Kanzleramt prallen viele Interessen aufeinander. Bayern droht bereits mit Sonderwegen.

Windkraftanlagen drehen auf einem Feld in Hessen. dpa

Windkraftanlagen drehen auf einem Feld in Hessen.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Mittwoch mit den 16 Ministerpräsidenten der Länder über die Probleme bei der Umsetzung der Energiewende beraten. Auf der Tagesordnung im Kanzleramt stehen der stockende Stromnetzausbau, die fehlenden Investitionen in neue Gaskraftwerke als Ersatz für die wegfallenden Atomkraftwerke und ein drohendes Ausufern der Kosten für die Bürger. Zudem soll über weitere Maßnahmen zum Energiesparen gesprochen werden, etwa im Bereich Gebäudesanierung.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) drohte Merkel vor dem Energiegipfel mit einem Alleingang, wenn die Berliner Koalition nicht zu schnellen Lösungen komme. In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) stellte er in diesem Fall die Rückkehr zu einem eigenen staatlichen Energieversorger in Aussicht: „Dann gründen wir ein Bayernwerk.“

Das würde eine Rückkehr zur Stromwirtschaft bedeuten, wie sie vor der Privatisierungspolitik von Ministerpräsident Edmund Stoiber bestanden hatte. Damals ging das traditionsreiche Bayernwerk bei einer Großfusion im damals neuen Energieversorger Eon auf. Zwar seien ihm marktwirtschaftliche Lösungen lieber, aber staatliche auch denkbar, sagte Seehofer.

Neuer Umweltminister: Altmaier drängt bei Energiewende auf Einigkeit

Neuer Umweltminister

Altmaier sucht den Energiekonsens

Peter Altmaier setzt bei der Energiewende auf einen breiten Konsens.

Der Ministerpräsident kritisierte vor allem den Stillstand beim Bau neuer Gaskraftwerke. Die Energiewirtschaft wartet auf Förderzusagen. Bayern will dem Bericht zufolge mit bis zu fünf Gaskraftwerken einen Großteil der Stromlücke schließen, die sich nach dem Abschalten der bestehenden Kernkraftwerke bis zum Jahr 2022 ergibt.

An dem Energiegipfel nimmt auch der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) teil, der am Dienstag als Nachfolger von Norbert Röttgen sein Amt angetreten hatte. CDU-Vize Röttgen war von Merkel nach der schweren CDU-Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen entlassen worden. Ebenfalls im Kanzleramt dabei sind unter anderem Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bauminister Peter Ramsauer (CSU).

Seit Wochen mehren sich die Äußerungen aus Wirtschaft und Industrie, dass die Energiewende dringend eines klaren Fahrplans und einer besseren Koordinierung bedürfe, zudem fehlt bisher eine Abstimmung der Energiekonzepte von Bund und Ländern. Hinzu kommt der ungelöste Streit um die Solarförderung, deren Kosten die Bürger über den Strompreis zu zahlen haben. Als ein Modell zur Entlastung der Bürger wird auch über eine Senkung der Stromsteuer nachgedacht.

Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, forderte von Altmaier einen rasche Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. „Der Bau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen wird durch hohe Einspeisevergütungen für die Betreiber forciert, ohne zu fragen, in welchem Umfang wir die Anlagen überhaupt brauchen“, sagte Kohler der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Er bezeichnete es als wichtigsten Punkt, das Gesetz „mit energiewirtschaftlichen Steuerungselementen“ zu versehen.

Kraftakt

Riesen-Projekt Offshore-Trafos

Kraftakt: Riesen-Projekt Offshore-Trafos

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Oldi

23.05.2012, 06:14 Uhr

Wie da wieder mit Steuergelder umgegangen wird.

Ihr braucht Wachstum? Eine Konjunkturspritze?
Wie wäre es, wenn man dezentrale Heizungsanlagen mit eigener Stromerzeugung (Pelletheizung) für Einfamilienhäuser fördert, ähnlich der Abwrackprämie? 3000 Euro vom Staat, der Rest, 14000 Euro selber aufzubringen.

Ausschließlich Pelletheizung (erneuerbare Energie) fördern, hilft weniger Öl, bzw. Gas importieren zu müssen. Pellets können im eigenen Land hergestellt werden.
Windkraftanlagen müssen 20 Jahre laufen, um sich amortisieren zu können. Eine viel zu lange Zeit, wo man dem Steuerzahler Subventionen abverlangt. Außerdem werden in dieser Zeit andere Innovationen unterdrückt, damit die Investition rechnet. Da sich aber Innovationen nicht unterdrücken lassen, wird Deutschland auch im diesem Bereich das Nachsehen haben.

Die Wirtschaftlichkeit einer Pelletheizung ist leicht erreicht, wenn man den überflüssigen Strom ins Netz einspeisen kann und zu normalen Kosten vergütet.

Account gelöscht!

23.05.2012, 06:33 Uhr

Der Twitter-König sollte lieber erst mit dem Club of Rome twittern als seine "wertvolle Arbeitszeit" einem Haufen Laien zu opfern. Diese Merkelhansels verquatschen nur unsere Zukunft, da mit Einzelaktionen der Gebäudesanierung nicht eineinziges Problem beseitigt wird.
Reißt die Gebäude nieder und baut funktionsfähige Städte!!!

http://www.bps-niedenstein.de/

Account gelöscht!

23.05.2012, 06:40 Uhr

Anonymer Benutzer: Oldi

Pellets? Das ist so wie eine Blockföte in der letzten Reihe eines Orchesters.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×