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24.01.2013

07:33 Uhr

Energiepolitik

Mit Rot-Grün wird Strom wohl teurer

VonDana Heide

Die Energiewende ist eines der wichtigsten Themen im Bundestagswahlkampf. Auf der Energietagung des Handelsblatts machten die Herausforderer klar, dass ein Regierungswechsel Mehrbelastungen für die Industrie mitbrächte.

Die Industrie hat einen hohen Anteil am Stromverbrauch. dpa

Die Industrie hat einen hohen Anteil am Stromverbrauch.

BerlinWer Grünen-Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn und SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber gestern auf der Bühne der Handelsblatt-Energietagung erlebt hat, musste sich schon fast wundern ob der demonstrativ zur Schau gestellten Harmonie. Tatsächlich liegen „Uli“, wie ihn Höhn freundschaftlich nannte, und sie selbst sehr eng beieinander mit ihren Vorstellungen von der Gestaltung der Energiewende.

Unangenehm könnte es bei einem Wahlsieg von Rot-Grün etwa für die Netzbetreiber werden: Wenn es nach den Parteien geht, sollen sie sich künftig mehr vom Staat reinreden lassen. „Wir müssen stärker an eine Bundesnetzgesellschaft kommen, an der auch der Staat Anteile hat. Ähnlich wie bei der Infrastruktur der Bahn sollen wir dann auch mehr Mitspracherechte haben“, sagte Höhn gestern bei der Handelsblatt-Energietagung.

Strompreise im Vergleich (Juni 2012)

Die Spitzengruppe

Italien war mit durchschnittlich 20,23 US-Dollar-Cent je Kilowattstunde (kWh) im Juni 2012 das teuerste Land aus Verbrauchersicht. Gleich danach folgt jedoch schon Deutschland mit 15,15 Cent je kWh. Portugal und Spanien liegen mit 13,63 Cent beziehungsweise 13,52 Cent fast gleichauf. Auf Platz Fünf der höchsten Strompreise liegt mit 12,45 Cent das Vereinigte Königreich.

12 bis 10 Cent

Noch unter den Top Zehn der höchsten Strompreise der Welt liegen Belgien mit 11,92 Cent, Australien mit 11,68 Cent sowie die Niederlande und Österreich mit jeweils 11,28 Cent und 11,05 Cent.

10 bis 8 Cent

Noch günstiger bekommt man in Polen Strom verkauft, nämlich für 9,30 Cent. Auch in Südafrika (9,13 Cent), den USA (8,89 Cent), Frankreich (8,76 Cent) und Finnland (8,64 Cent) müssen die Verbraucher nicht allzu tief in die Tasche greifen.

Weniger als 8 Cent

Auch in Schweden und Kanada ist der Strom mit 7,95 Cent beziehungsweise 7,58 Cent pro kWh vergleichsweise günstig. Schweden hatte im Jahr 2010 den größten Anteil von regenerativen Energien am Stromendverbrauch in Europa.

Quelle: NUS Consulting / Statista.com

Auch die SPD wünscht sich das. Zur Finanzierung der Netzanbindung von Offshore-Windparks soll die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das nötige Kapital bereitstellen. Und auch für andere Unternehmen könnte es teuer werden, wenn etwa die Grünen nach der Bundestagswahl im September Teil der Regierung werden. Die Partei will viele der Ausnahmen, etwa die Vergünstigung bei der EEG-Umlage, die die energieintensive Industrie derzeit genießt, streichen.

„Wir wollen keineswegs sämtliche Ausnahmen abschaffen“ sagte Höhn. Aber die Grünen wollten die Vergünstigungen um ein Drittel reduzieren auf den Stand von 2008. Die begünstigten Unternehmen sollen zudem mit 0,5 statt bisher 0,05 Cent pro Kilowattstunde an der EEG-Umlage beteiligt werden.

Bei einem Wahlsieg der CDU würden hingegen die Betreiber von Photovoltaikanlagen und anderen erneuerbaren Energien zur Kasse gebeten werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die erneuerbare Energien herstellen, einen Teil der Absicherung übernehmen“, sagte CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs. „Sie sollen dazu verpflichtet werden, gesicherte Leistung dazu zukaufen.“ Auch die CSU ist von dieser Idee angetan.

Die FDP, deren Vertreter Christian Lindner zur Handelsblatt-Energietagung kurzfristig abgesagt hatte, plädiert für eine andere Lösung: Die Kraftwerksbetreiber sollen dafür bezahlt werden, Reserveleistungen vorzuhalten. „Eine Entschädigung für das Weiterlaufen von Kraftwerken ist absoluter Sozialismus“, hielt Höhn dagegen. „Insofern wundere ich mich, dass das ein FDP-Politiker so etwas vorschlägt.“

Wer auch immer die Wahl am Ende für sich ausmacht, das Thema Energie dürfte jedenfalls eines der wichtigsten im Kampf um die Plätze auf der Regierungsbank sein. Denn: „Die nächsten vier Jahre in der Regierung werden die entscheidenden Jahre für die Energiewende“, meint Höhn.

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Kommentare (27)

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HofmannM

24.01.2013, 08:13 Uhr

Unangenehm wird es vielleicht für Unternehmer bzw. Netzbetreiber. Die haben zum Schluss ja immer noch die Alternative ins Ausland zu verlagern oder ihr Unternehmer dicht zu machen.
Dies heißt aber auch, dass für uns Bürger und wir sind ja gleichzeitig die Lastenträger der "grünen" Luxusenergie, einer Zeit des Mangels entgegengehen. Energieluxus ist nur was für Reiche oder für ideologische Ökospinner!
Wenn die Politik mutwillig die Energie eines Volks künstlich per Gesetz und Steuer vom Allgemeingut zum Luxusgut erhebt, dann setzt diese Politik ganz klar auf das Ausbluten des Wohlstandes in dem jeweiligen Land!
Weltweit setzt keine andere Wohlstandsgesellschaft so auf das Ausbluten des eigenen Volks, wie es die deutsche grünsozialistische Ethikmerkelpolitik die letzten Jahre und auch für die Zukunft macht.

EEG = Wohlstandsvernichtungsgesetz
Energiewende = Mittelalter
Energieeinsparverordnung = Mangelwirtschaft
Deutsche Energiepoitik = hirnlose Umwelt- und Klimaschutzmärchenpolitik

Willkommen in der neuen Diktatur. Nach braun und rot jetzt also grün. BRAVO! Die deutsche Politik hat es mal wieder geschafft ein ganzes Volk an den Abgrund zu treiben!

Account gelöscht!

24.01.2013, 08:22 Uhr

Da kann ich Ihnen nur zustimmen; das ist ÖKOTERRORISMUS!
UND: Strom IST ein Luxusgut in Deutschland!

kfvk

24.01.2013, 08:26 Uhr

Dass die Energiewende nicht kostenlos zu haben ist, ist klar. Nur muss man aufpassen, dass es am Ende noch jemanden gibt, der den Strom auch bezahlen kann.
Es nutzt doch weder dem Klima noch Deutschland und dessen Bürgern, wenn energieintensive Produktionen ins Ausland verdrängt werden. Was bringt es, wenn z.B. Stahl und Zement in China produziert werden? Die Umweltstandards sind hier sicher höher und den Seetransport, der nun alles andere als umweltfreundlich ist, erspart man der Natur auch. Außerdem gibt es in Deutschland dann noch ein paar Arbeitsplätze mehr für Leute, die nicht studiert haben und für Nachfrage sorgen sie auch.
Ehe die SPD und die Grünen bei der Industrie für Kahlschlag sorgen, sollten sie sich noch einmal die Folgen überlegen und das nicht nur für unser Klima. Andere Volkswirtschaften springen liebend gerne in die Bresche und dann gilt für längere Zeit: weg ist weg. Und wir können nicht alle unser Geld als Friseure und Berufspolitiker verdienen.
Dass wir für Reservekraftwerke auch bezahlen müssen, sollte auch jedem klar sein. ob sie nun Strom erzeugen oder nicht -- die kosten laufen weiter. Abgesehen vom Brennstoff entfallen ja auch bei Stillstand kaum andere Kosten (für Filter + Rauchgasentschwefelung ggf. noch). Auch die Netzeinspeisungen müssen vorhanden sein. Alles kostet. Da ist es aber nicht mehr als Recht, wenn die alternativen Stromerzeuger an den Kosten beteiligt werden und die gewinne gedeckelt werden. Schließlich müssen die gesamten Kosten der Energieerzeugung und -verteilung durch die Verbraucher aufgebracht werden und das darf den Standort Deutschland nicht seiner Wettbewerbsfähigkeit berauben. dann nutzt auch der blaue Himmel nicht mehr viel.

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