Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.04.2011

18:22 Uhr

Energiepolitik

Wirtschaft kämpft gegen den Atomausstieg

VonMartin-W. Buchenau, dapd , Reuters , dpa

ExklusivDie Politik und die Mehrheit der Bevölkerung möchte den schnellen Ausstieg aus der Atomkraft. Doch die Wirtschaft bremst. Sie fürchtet steigende Strompreisen - und warnt vor Arbeitsplatzverlusten.

Blühender Löwenzahn vor Atomkraftwerk: Die Wirtschaft warnt vor den folgen eines Ausstiegs aus der Atomenergie. Quelle: dapd

Blühender Löwenzahn vor Atomkraftwerk: Die Wirtschaft warnt vor den folgen eines Ausstiegs aus der Atomenergie.

Der Bundesverbandes der Deutschen Industrie warnt, dass ein schneller Atomausstieg zu einer Kostenexplosion für die stromintensiven Branchen führen und damit die Basis der deutschen Industrie gefährden könnte. Für die Unternehmen, die besonders auf Energie angewiesen seien, könne ein Ausstieg aus der Atomkraft-Nutzung bis 2017 die Energiepreise um 222 Prozent in die Höhe treiben und die Branche damit existenziell gefährden, schrieb BDI-Präsident Hans-Peter Keitel in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. "Konkurrenten im Ausland bleibe ein solcher Preisschock erspart - mit dramatischen Konsequenzen für die Produktion und die Arbeitsplätze im Industrieland Deutschland", warnte Keitel. "Die energieintensiven Betriebe sind aber keine Stromfresser, sondern hochmoderne Unternehmen an der Weltspitze mit Hunderttausenden von Arbeitsplätzen", so Keitel.

Auch für EnBW-Chef Hans-Peter Villis ist es vor allem eine Frage des Geldes, wie schnell die Branche den Schalter umlegen kann. Er fordert von der Bundesregierung im Gegenzug für den Atomausstieg eine bessere Förderung der Windkraft. „Wir brauchen Investitionsanreize. Ich plädiere dafür, die Förderung von Offshore-Windparks zu verbessern. Es geht nicht darum, insgesamt mehr auszugeben, sondern wir brauchen eine höhere Förderung in weniger Jahren“, sagt Villis im Interview mit dem Handelsblatt.

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Quelle: dpa

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle.

Derzeit bekämen Energieerzeuger 13 Cent je Kilowattstunde Windstrom. Das rechne sich kaum. Bis 2015 gebe es eine Sprinterprämie von zwei Cent. Da sehe die Kalkulation schon besser aus. „Durch eine Konzentration der Förderung auf weniger Jahre, das heißt durch eine Stauchung, und durch die Aufstockung der Sprinterprämie könnten viele neue Projekte schneller in Angriff genommen werden."

Eine zusätzlicher Dorn im Auge ist für den EnBW-Chef die Brennelementesteuer bei gleichzeitiger Verkürzung der Restlaufzeiten. „Wenn über die steuerliche Belastung neu nachgedacht würde, wäre dies vernünftig. Die Steuer schränkt die Investitionsfähigkeit der Energiekonzerne ein." Bislang hat EnBW anders als RWE nicht gegen das Moratorium der Bundesregierung zur Abschaltung von sieben Kernkraftwerken geklagt. Aber Villis hält sich diese Option offen: „Entscheiden müssen wir uns, wenn der erste Steuerbescheid vorliegt. Das wird im Sommer sein. Dann werden wir uns das Gesamtpaket anschauen und abwägen.“

Kommentare (35)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Otto

26.04.2011, 17:17 Uhr

Wer Kennenergie will, zahlt die Kosten der Endlagerung incl. der Suche sowie die Kosten der Haftpflichtversicherung. Dies zahlt bisher der Steuerzahler

Andreas

26.04.2011, 17:43 Uhr

ich bin für den Atomausstieg so schnell wie möglich aber so langsam wie nötig. Schließlich müssen wir Steuerzahler die Mehrkosten bezahlen und die Einkommensteuerbelastung ist schon hoch genug. Hinzu kämen höhere Strompreise aufgrund neu in Betrieb genommener Anlagen. Ich möchte auch keine Dreckschleuder von Braunkohlekraftwerk vor der Haustüre stehen haben.

Oelblase

26.04.2011, 17:46 Uhr

Dass der Atomausstieg nicht kostenlos sein wird, das war und ist jedem klar.

Die Wirtschaft sollte jetzt einen konstruktiven Beitrag leisten, indem diese ernsthafte Kalkulationen aufstellt bzw. bestimmte Szenarien durchspielt, anstatt uns den Weltuntergang zu prophezeien.


Dass die Versorger, die noch vor 5 Jahren ihre Brust stolz geschwellt haben, jetzt keinen Laut mehr von sich geben - bis auf den juristischen Weg - zeugt nur davon, dass diese niemals ein tragfähiges Konzept hatten!


Das ist leider so ein einem Quasi-Monopol:

keine Konkurrenz, keine Enwicklung, keine Investitionen in neue Technologien, kein Konzept, nur Gewinne abschöpfen


Das ist aber kein Problem.

Wenn E.On, RWE, EnBW und Vattenfall das zietliche gesegnet haben, dann gibt es ja noch Nordex, Solarworld
und viele andere.



Und zu den 200 Prozent Preisanstieg kann ich nur sagen:
der Markt irrt nicht!

http://www.eex.com/de/Marktdaten/Handelsdaten/Strom/Phelix%20Futures%20|%20Terminmarkt


Man kann schon heute Strom für das Jahr 2017 für 64 €/MWh kaufen. Wenn jemand also den Weltungergang in 2017 erwartet, der kann sich ja über den Future-Handel schon mal kräftig eindecken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×