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22.06.2015

08:40 Uhr

Energiewende

AKW Grafenrheinfeld wird abgeschaltet

Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld wird am kommenden Wochenende abgeschaltet. Strommangel droht aber nicht. Doch wächst die Abhängigkeit Bayerns von Stromimporten ebenso wie der Aufwand zur Netzstabilisierung.

Das Atomkraftwerk wird nach 33 Jahren im Juni 2015 endgültig vom Netz gehen. dpa

Atomkraftwerk Grafenrheinfeld

Das Atomkraftwerk wird nach 33 Jahren im Juni 2015 endgültig vom Netz gehen.

MünchenDie gute Nachricht: Nach der Abschaltung des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld am kommenden Wochenende wird voraussichtlich weiter Strom aus jeder bayerischen Steckdose kommen. Den ursprünglich befürchteten Engpass wird es nach Einschätzung des Landeswirtschaftsministeriums nicht geben. „Die Versorgungssicherheit in Bayern ist durch die Abschaltung von Grafenrheinfeld in keiner Weise bedroht“, sagt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Mehr als 33 Jahre lang hat der unterfränkische Atommeiler Strom geliefert. Aigner ist sicher, dass es auch nach dem 27. Juni keine Probleme geben wird: „Die problemlose Abschaltung von Grafenrheinfeld zeigt, wie weit wir mit der Energiewende in Bayern und Deutschland bereits gekommen sind.“

Die wegfallende Strommenge könne durch neue Erneuerbare-Energien-Anlagen und konventionelle Kraftwerke in Deutschland und Europa ersetzt werden. Und zur Netzstabilisierung seien bereits „umfangreiche technische Maßnahmen“ ergriffen worden. „Das ist ein guter Moment, um einmal positiv über die Energiewende zu sprechen“, sagt Aigner.

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Etwas weniger sonnig ist die Einschätzung der bayerischen Wirtschaft. Vier Jahre nach dem Atomausstiegs-Beschluss gebe es „immer noch keinen umfassenden Plan, was bis wann passieren muss, um eine sichere Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen auch über 2022 hinaus zu garantieren“, kritisiert Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. „Inzwischen läuft uns die Zeit davon.“

Brossardt beklagt „punktuelle Korrekturversuche und zähe Diskussionen“ um einzelne Vorhaben. „Ein umfassender Energiewende-Plan ist überfällig.“ Denn je weniger Strom in Bayern produziert wird, desto abhängiger wird Bayern von Stromimporten aus anderen Bundesländern und dem Ausland – insbesondere Österreich.

Grafenrheinfeld allein produzierte nach den Daten der bayerischen Energiewirtschaft 2014 etwa ein Sechstel des bayerischen Stroms – 10.000 von insgesamt gut 60.000 Millionen Kilowattstunden. Dieses Sechstel wird künftig fehlen.

Kommentare (3)

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22.06.2015, 09:34 Uhr

Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke in Bayern, schaltet Bayern gleichzeitig seine wirtschaftliche Wertschöpfungskette = politische Wirtschafts- und Energiepoltik ab.
Die Energiewende gibt der bayerischen Wirtschaft dann noch den Todesstoss. Danke an Seehofer und Kosnorten. Was FJS mit den Händen für seine Bürger aufgebaut hat, dass reißen Seehofer und Co. mit ihren "Wohlstandshintern" wieder ein.

Herr Holger Narrog

22.06.2015, 10:55 Uhr

Das ist vergleichbar wenn man das eigene gut funktionsfähige, abbezahlte Auto in einem gedanklichem Black out in die Schrottpresse bringt.

Die Deutschen KKW gehören gem. der linken Medien pösen, gierigen, anonymen Konzernen. Wenn man näher schaut, gehören die Konzerne wie RWE zu erheblichen Teilen staatlichen Körperschaften. Die Ertragssteuern, bzw. ausfallenden Erträge müssen von der Gesellschaft, sprich Ihnen aufgebracht werden.

Kernenergie ist die umweltfreundlichste und sicherste Methode Strom zu erzeugen. Die Kraftwerke sind abgeschrieben und können dank der niedrigen Brennstoffkosten konkurrenzlos preiswerten Strom erzeugen.

Grafenrheinfeld ist technisch, wie die anderen Deutschen Kernkraftwerke, regelmässig überholt und erneuert (Beispiel Leittechnik) worden in einem guten Zustand.

Ein Siedewasserreaktor bringt ein enormes Mass an Netzstabilität. Der gut 1000 to schwere Läufer des Turbogenerators rotiert mit 1500 Umin* und stabilisiert das Stromnetz mit seiner rotativen Energie im Sekundenbereich. Die Dampfreserve des Reaktors erlaubt eine Stabilisierung des Netzes im Minutenbereich.

Ein Verzicht auf das Kraftwerk zur Netzstabilisierung bedeuted entweder erhebliche Zusatzkosten im Sinne der Ökoreligion, wobei dies bei den aktuellen Kosten ökoreligiöser "Erneuerbarer Energien" von 30 - 40 Mrd. €/a nicht mehr ins Gewicht fällt, oder man akzeptiert Frequenzschwankungen und ein grösseres Risiko eines Netzzusammenbruchs.

*Wissen von anderen Kraftwerken

Herr Rainer Feiden

24.06.2015, 10:12 Uhr

In der "Welt" las ich vor einiger Zeit, dass Bayern zur Notreserve auf den französichen Pannenmeiler Fessenheim zurückgegriffen werden soll.

Einfach mal googeln:
"Uralt-Reaktor soll deutschen Blackout verhindern"

Muss ich mich als braver Bundesbürger jetzt "sicherer" fühlen??
Hoch lebe die Ideologie.

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