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04.04.2014

19:05 Uhr

Energiewende

Bahn muss mehr für Ökostrom zahlen

Die Deutsche Bahn muss künftig einen größeren Anteil der Ökostrom-Umlage zahlen als bisher. Die Minister Gabriel und Dobrindt einigten sich auf 20 Prozent. Bahntickets könnten dadurch teurer werden.

„DB Ökologie“ steht auf einer Installation im Museum der Deutschen Bahn in Nürnberg. Mehr als 50 Millionen Euro im Jahr wird die Bahn die neue Ökostrom-Regelung kosten. dpa

„DB Ökologie“ steht auf einer Installation im Museum der Deutschen Bahn in Nürnberg. Mehr als 50 Millionen Euro im Jahr wird die Bahn die neue Ökostrom-Regelung kosten.

BerlinDie Deutsche Bahn und ihre Konkurrenten müssen sich künftig stärker als bisher an den Kosten der Energiewende beteiligen. Nach monatelangem Ringen verständigten sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag auf einen höheren Anteil an der Ökostrom-Umlage, wie Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters bestätigten. Dobrindt konnte dabei die ursprünglichen Pläne Gabriels entschärfen.

Künftig müssen der Einigung zufolge die Bahnen ein Fünftel der Umlage für die Ökostrom-Förderung zahlen. Dies sind derzeit rund 1,25 Cent pro Kilowattstunde, was sich bei der Deutschen Bahn als größtem Stromverbraucher Deutschlands mit über 50 Millionen Euro im Jahr bemerkbar machen dürfte. Die Bahn hatte angekündigt, sie müsse die Zusatzlasten auf die Ticketpreise umlegen, so dass Bahnfahren teurer werden dürfte.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 2098 Unternehmen sind im Jahr 2014 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das entspricht einer begünstigen Strommenge von voraussichtlich 107 Terawattstunden – das sind etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2014 bleiben den Firmen damit rund 5,1 Milliarden Euro an Kosten erspart.

Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattstunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den Jahren 2010 bis 2012 auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde. Für 2014 stehen allerdings nur noch Betriebe in Leuna und Rudolstadt auf der Liste.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahngesellschaften – insgesamt 72 Schienenbahnunternehmen sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Schwarzwaldmilch

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. So gehört auch die Schwarzwaldmilch Offenburg zu den von der EEG befreiten Unternehmen.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Für die ersten zwei Gigawattstunden Stromverbrauch wird nach der Regelung die volle Umlage fällig. Diese Schwelle überschreiten aber schon viele kleinere Bahn-Betriebe deutlich. Für die Deutsche Bahn mit einem vielfachen des Verbrauchs spielt dies kaum eine Rolle. Kleinere Bahnen und damit Konkurrenten des Marktführers fahren gegenüber den früheren Regelungen damit aber nun relativ besser als die Deutsche Bahn. Denn bislang musste bis zehn Gigawattstunden voll bezahlt werden, danach griff dann eine fast vollständige Befreiung von der Umlage, von denen hauptsächlich der Staatskonzern profitierte.

Ursprünglich hatte Gabriel noch stärker bei den Bahnen zulangen wollen. So sollte in Stufen bis 2018 dann 30 Prozent der Umlage fällig werden. Für 2018 hatte die Deutsche Bahn auf dieser Basis eine Verdopplung ihrer Ökostrom-Lasten auf etwa 200 Millionen Euro errechnet. Der Gesetzentwurf für das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), der auch die Ökostrom-Förderung und Rabatte für die übrige Industrie regeln wird, soll am Dienstag vom Kabinett beschlossen werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.04.2014, 19:55 Uhr

Tja, das kommt davon, wenn aus Neckarwestheim kein preiswerter Kernstrom für die Bahn mehr kommen darf. Es war der einzige 16 2/3 Hz Generator für die Bahn in einem Kernkraftwerk.

Die Energiewende kostet aber nur ein Kügelchen Eis.

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