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26.06.2011

17:45 Uhr

Energiewende

Bund will Ausbau fossiler Kraftwerke fördern

Millionen aus Berlin: Laut einem Magazinbericht verhandelt die Bundesregierung derzeit über Förderprogramme für den Bau fossiler Kraftwerke. Die Kraftwerke könnten ein Baustein der atomfreien Energieversorgung sein.

Steinkohlekraftwerk in Lünen: Die Bundesregierung plant offenbar, fossile Energieerzeugung künftig umfangreich zu unterstützen. Quelle: Jan Potente

Steinkohlekraftwerk in Lünen: Die Bundesregierung plant offenbar, fossile Energieerzeugung künftig umfangreich zu unterstützen.

BerlinDie Bundesregierung verhandelt mit der EU-Kommission über die Förderung des Neubaus fossiler Kraftwerke. Es würden Gespräche mit der EU-Kommission zum Beihilferahmen geführt, bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Sonntag einen „Focus“-Bericht.

Die Bundesregierung hatte bereits in ihrem Energiekonzept vom Herbst 2010 angekündigt, ein Förderprogramm für hocheffiziente, CCS-fähige, fossile Kraftwerke aufzulegen. Förderfähig sind danach Kraftwerksbetreiber mit einem Anteil an den deutschen Erzeugungskapazitäten von weniger als fünf Prozent. Außerdem muss es sich um hoch effiziente und CCS-fähige Kraftwerke handeln, vorrangig mit Kraft-Wärme-Kopplung. Mit der CCS-Technik lässt sich das klimaschädliche Kohlendioxid abtrennen.

Die Fördersumme sei begrenzt auf fünf Prozent der jährlichen Ausgaben des Energie- und Klimafonds, erklärte die Sprecherin. Dem „Focus“-Bericht zufolge sind dies jeweils rund 150 Millionen Euro. Die Einzelheiten des Förderprogramms würden im Ministerium erarbeitet. Zu Details könne daher derzeit keine Stellung genommen werden.

Der Ausbau von Gas- und Kohlekraftwerken ist eine Folge des geplanten Atomausstiegs. Die fossilen Kraftwerke sollen einspringen, bis mit erneuerbaren Energien ausreichend Strom erzeugt wird, um die abgeschalteten Atom-Meiler zu ersetzen.

Bei der sogenannten CCS-Technik (Carbon Capture and Storage) wird CO2 in den Anlagen abgetrennt, um es in unterirdischen ehemaligen Gasspeichern zu lagern. Diese liegen vor allem in Norddeutschland. Gegen das CCS-Konzept wehren sich zahlreiche Bürgerinitiativen, weil sie ein Austreten des Gases an die Erdoberfläche befürchten.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Thomas-Melber-Stuttgart

26.06.2011, 18:10 Uhr

Die potentielle Gefahr eines nuklearen Endlagers ist nichts im Vergleich zu diesen Gasspeichern. Zudem: was soll mit dem gespeicherten CO2 passieren, wie lange muß es gelagert werden? Reichen überhaupt die Kapazitäten?

Unsere Energiepolitik steht auf einem völlig falschen Gleis.

MikeM

26.06.2011, 21:35 Uhr

Schon allein der Titel ist grotesk! Die Verbrennung fossiler Brennstoffe ist das Zukunftskonzept dieser Regierung! Kommen nach den Pellet-Heizungen nun auch wieder die privaten Kohleöfen? Mit neuem Namen, etwa "Systeme zur exothermen Oxidation von Carbon". Wow, echt zukunftsweisend! Zuzutrauen wäre es Merkel allemal!

Friese

05.07.2011, 06:20 Uhr

Friese
Das Gesetz wird am 7. Juli verabschiedet. Damit wird Deutschland zum CO2-Endlager Europas. Siehe http://www.geos.ed.ac.uk/sccs/Pipeline-scoping-CCS-Europe-Arup.pdf
Wie Sie richtig anmerken, wurde die Kohleförderung schon vor Fukushima beschlossen! Frau Merkel will wohl, dass wir durch das Quecksilber, das Kohlekraftwerke in Mengen ausstoßen, verblöden: das von Südweststrom geplante Kohlekraftwerk in Brunsbüttel will jährlich 650 kg in die Luft entlassen. Zur Grundlastfähigkeit: Das Kraftwerk wird 205.000 cbm Wasser pro Stunde (!) benötigen, mit CCS fast das Doppelte - hoffentlich kriegen wir dann keine trockenen Frühjahre/Sommer.

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