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25.04.2013

17:59 Uhr

Energiewende

Bundestag beschließt schnelleren Netzausbau

Um mehr Strom von Nord nach Süd durchs Land zu schicken, braucht es stärkere Höchstspannungsleitungen. Ein neues Gesetz beschleunigt nun den Ausbau. Zudem gibt es künftig nur noch eine Instanz für Rechtsstreitigkeiten.

Ein Strommast bei Hannover: Ein neues Gesetz soll den Netzausbau beschleunigen. dpa

Ein Strommast bei Hannover: Ein neues Gesetz soll den Netzausbau beschleunigen.

BerlinDer Bundestag hat am Donnerstag einen schnelleren Ausbau der Stromnetze gebilligt. Union, FDP und SPD stimmten für den Gesetzentwurf der Regierung, die Grünen enthielten sich, und die Linke votierte dagegen, wie der Pressedienst des Bundestags mitteilte. Mit dem Gesetz sollen die bisherigen Planungs- und Bauzeiten und auch der Rechtsweg deutlich verkürzt werden.

Durch den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien, die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke und den Bau konventioneller Kraftwerke an neuen Standorten muss Strom in Deutschland über immer längere Strecken vor allem von Nord nach Süd transportiert werden.

Das Gesetz stellt demnach für 36 geplante Höchstspannungsleitungen den „vordringlichen Bedarf“ fest. Das Bundesverwaltungsgericht wird künftig als erste und letzte Instanz für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Bundesbedarfsplan zuständig sein.

Einen Gesetzentwurf des Bundesrates, der der Erdverkabelung beim Ausbau des Stromnetzes Vorrang einräumen sollte, lehnte der Bundestag laut Pressedienst ab. Die SPD scheiterte demnach mit einem Antrag, die vier großen Netzbetreiber hierzulande in einer Deutschland AG zusammenzufassen.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Nach dem Energiekonzept der Bundesregierung soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 35 Prozent am Bruttostromverbrauch betragen, bis 2030 50 Prozent und bis 2050 80 Prozent.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

25.04.2013, 18:43 Uhr

Die Netzbetreber erhalten 9.5 % Verzinsung auf Ihre Investitionskosten!
Schön für die Netzbetreiber, da hat sich die Lobbyarbeit gelohnt. Und alles zahlt der Stromkunde, diese Geschenke laufen dann unter EE!!! Vergessen wird dabei, dass die Stromkunden seit vielen Jahren schon für Netzausbau zahlen, die Konzerne stecken dies Gelder allerdings den Eignern in die Taschen, statt ihre maroden Netze zu erhalten. Dafür gibts nun Milliardengeschenke vom Stromkunden!

Pobrecito

26.04.2013, 14:14 Uhr

"Mit dem Gesetz sollen ... der Rechtsweg deutlich verkürzt werden."

Ist die Katastrophe schon so nah, dass man den Rechtsstaat demontieren muss?

Für jede Hundehütte braucht man tonnenweise Genehmigungen, wenn aber kilometerlange und hundert Meter breite Schneisen durch die Natur geschlagen werden, geht alles rappeldipapp.

Der grösste Irrwitz ist, dass sich die "Umweltschützer"-Partei, die sonst wegen jedes einzelnen Frosches jahrzehntelange Prozesse führt, einfach mal so der Stimme enthält! Kranker geht's nimmer. Pfui Teufel!

moratorium

27.04.2013, 07:17 Uhr

Wieso Netzausbau von Nord nach Süd? Doch nicht etwa wegen eines einzigen funktionierenden Off-Shore Windparks in der Ostsee? Oder um den im dunklen Norden "üppig" produzierten Solarstrom in die sonnenreicheren Bundesländer im Süden D zu transportieren. Oder doch eher für die Anbindung an das Ostseekabel, das gerade von 50 Hertz zum im Bau befindlichen Kernkraftwerken in Kaliningrad baut? Die Bundesregierung schließt einen Import russischen Atomstroms nicht aus und begründet dies mit der Sicherung der Energiewende und des deutschen Wohlstands. Bitte nachlesen unter Kleine Anfrage (insbes. #10 + 14): http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/115/1711502.pdf

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