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05.09.2013

14:35 Uhr

Energiewende

Die Kostenlawine rollt, die Politik laviert

Die Kosten der Energiewende drohen, massiv auszuufern, weil die Ökostrom-Umlage nochmal einen Sprung um 20 Prozent nach oben machen wird. Experten schlagen eine Kostendeckelung vor. Doch so einfach ist das nicht.

Die Solarzellen des Solarparkes Moos bei Moos (Unterfranken): Die Ökostrom-Förderung wird zum ernsten Problem für die Energiewende. dpa

Die Solarzellen des Solarparkes Moos bei Moos (Unterfranken): Die Ökostrom-Förderung wird zum ernsten Problem für die Energiewende.

BerlinDie Kanzlerin verliert sich bisher vor allem in Ankündigungen. Die Dynamik der Kostenentwicklung bei der Energiewende müsse gebremst werden, sagt Angela Merkel. Aber wie? Das sagt sie vor der Wahl nicht. Die CDU-Chefin kann sich glücklich schätzen, dass es bisher elf Prozent weniger Windstromproduktion als noch 2012 gibt - sonst würden die Strompreise noch weiter steigen. Aber auch so drohen rund 40 Euro mehr nur durch Förderkosten für erneuerbare Energien. Hinzu kommen höhere Netzentgelte. 2014 wird ein Mehr-Personen-Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch über 1000 Euro für Strom berappen müssen.

Daher wird händeringend nach dem goldenen Schlüssel zur Begrenzung der Kosten gesucht. Von mehr Druck auf die Energieversorger, zulasten ihrer Margen die Preise zu dämpfen, redet die SPD. Die Grünen fordern eine Kappung der Industrierabatte um vier Milliarden Euro. Die Union will diese um 700 Millionen Euro senken. Am Donnerstag nun hat die Monopolkommission ihren Vorschlag vorgestellt. Klar ist: Der Ursprung der Anstiege liegt darin, dass inzwischen 25 Prozent der Stromproduktion außerhalb des Marktes steht und über die Strompreise mit festen Vergütungen gefördert wird. Nur: Der Vorschlag ist ein alter Hut.

Denn den jetzt wieder vorgeschlagenen Wandel zu einem Quotensystem hat das Beratergremium von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bereits 2011 angeregt. Grob gesagt geht es um folgendes: Versorger müssen schrittweise bis 2020 rund 35 Prozent des Stromeinkaufs mit erneuerbaren Energien abdecken. Der jeweils günstigste Anbieter bekäme den Zuschlag, das wären wohl vor allem Windparks an Land. Es gäbe keine auf 20 Jahre garantierte Vergütung wie bisher. Die FDP unterstützt das Quotenmodell in ihrem Wahlprogramm. Dadurch könnte aber etwa der Offshore-Ausbau in Nord- und Ostsee zum Erliegen kommen, da es mangels Abnahmegarantie Unsicherheit gäbe, ob sich die Milliardeninvestitionen rentieren.

Die Grünen argumentieren, stagniere aber der Ausbau, könne der Ökostrom zur Erfüllung der Quoten zu bestimmten Zeiten so teuer sein, dass das zu höheren Kosten als derzeit führen kann. Investoren würden zudem durch eine wachsende Planungsunsicherheit hohe Risikoaufschläge verlangen, die sie auf den Kilowattstundenpreis aufschlagen, meint der Bundesverband erneuerbare Energien. Und Bürgerwindparks und Energiegenossenschaften könnten wegbrechen, da das System die Macht großer Versorger stärkt, da sie bestimmen, woher sie ihren Grünstrom beziehen. „Das wäre die Remonopolisierung der Energieversorgung“, warnt Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD).

Die Frage ist, ob ein großer Wurf überhaupt möglich ist. Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) würde ja parallel weiterbestehen. Es besagt, dass alle bisher laufenden Biogasanlagen, Windräder und Solarparks auf 20 Jahre garantiert Vergütungen über den Marktpreisen bekommen - die Differenz zwischen Vergütung und dem für den Strom im Verkauf erzielten Preis wird per Umlage auf die Strompreise gewälzt.

Kommentare (14)

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HofmannM

05.09.2013, 12:59 Uhr

Da ist sie wieder, die alte Denkschule der sozialistischen Planwirtschaft im ökologischen Gewand!
Statt freie Entscheidung der Bürger durch eine freie Marktwirtschaft von Angebot und Nachfrage, soll jetzt dem Versorger und damit dem Bürger ein Ökostromanteil als zusätzlicher Kostenblock auf die Energie-/Strom Geldbörse gedrückt werden.
Die politisch diktierte Energiewende eines Ethikrat unter der Federführung von Kanzlerin Merkel soll auf Teufel komm raus mit weiteren Zwangs-Subventionen und Belastungen des Bürger am Leben gehalten werden, damit die Erneuerbaren Energie Abzocker uns deutsche Bürger/Endverbraucher weiter ausplündern dürfen!
Bürger/Wähler....Aufstehen für Deutschland und AfD wählen! Das ist die richtige Antwort auf diese volksschädlichen etablierten Bundestagseinheitsparteien von CDU/CSU/FDP/SPD/Grüne/Linke. Danke!

vandale

05.09.2013, 13:31 Uhr

Aufgrund der geringen Energiedichte sind Wind- und Solarstrom teuer. Der Strom fällt entsprechend der Launen des Wetters an und ist nahezu wertlos. Um einen Versorger zu einem Bezug solchen Stroms zu bewegen bedarf es des Zwangs, oder entsprechender Subventionen. Die Kosten verschwinden nicht, wenn man diese anders ausweist.

Wenn man die Versorger pauschal verpflichtet x% Oekostrom einzuspeisen, werden diese per Zertifikat den gesamten Wasserkraftstrom Skandinaviens, der Alpenregion und der Karpaten kaufen. Die umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen hätten das Nachsehen. Der Strompreis würde erheblich preiswerter.

Ggf. wäre ein derartiges Quotensystem eine Möglichkeit die "Energiewende" abzubremsen ohne das ökologische Gesicht zu verlieren.

Vandale

Rechner

05.09.2013, 13:35 Uhr

O-Ton Monopolkommission:
---------------------------
Versorger sollen gezwungen werden, einen bestimmten Anteil von Ökostrom zu verkaufen.
---------------------------

Mit diesem Vorschlag macht die Monopolkommission ihrem Namen alle Ehre - wenn auch wohl nicht im Sinne ihrer Erfinder:

Sie fordert jetzt ein Branchenmonopol.

...

Das ist ebenso himmelschreiender Unsinn wie das EEG-Gesetz.

Effizient ist immer eine marktwirtschaftliche Regelung, und zwar durch korrekte Bepreisung aller Produktionsfaktoren.

Den Produktionsfaktor fossile Brennstoffe könnte man marktwirtschaftlich bepreisen, indem die Sonderregelungen aufhebt die es vom Klimawandel betroffenen unmöglich macht die Verursacher einzeln oder per Sammelklage zu Schadensersatzahlungen heranzuziehen.

Die zweitbeste Lösung wäre der Ausbau der CO2-Ausstoß-Bepreisung.

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