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26.07.2012

19:49 Uhr

Energiewende

Experten warnen vor Ausbau der Bioenergie

Eine Studie kratzt am positiven Image von Bioenergie: Der Anbau von Monokulturen gefährdet die Artenvielfalt, birgt Umweltrisiken und verdrängt den Nahrungsanbau. Doch die Regierung will den Ausbau weiter vorantreiben.

Ein Maisfeld vor einer Produktionsanlage für Ethanol. Die Gewinnung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt oft mehr Treibhausgase, als bekannt. AFP

Ein Maisfeld vor einer Produktionsanlage für Ethanol. Die Gewinnung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt oft mehr Treibhausgase, als bekannt.

Bioenergie kann nach Einschätzung führender Wissenschaftler bei der Energiewende nur eine untergeordnete Rolle spielen. In einer am Donnerstag vorgestellten Studie kommt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu dem Schluss, dass entgegen der Regierungspläne auf den Ausbau der Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen verzichtet werden sollte.

Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie verbrauche Bioenergie mehr Fläche und sei häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden. Das Bundesumweltministerium erklärte, es setze weiter auf Biokraftstoffe. Der Biokraftstoffverband warf den Wissenschaftlern vor, sie würden die Vorteile von Biokraftstoffen verkennen.

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Die Wissenschaftler kratzen am klimaneutralen Image der Bioenergie. Zwar stimme es, dass bei der Bildung von Biomasse prinzipiell so viel klimaschädliches Kohlendioxid aufgenommen wie später bei der Verbrennung wieder freigesetzt werde. Damit die Pflanzen aber gediehen, müssten sie gedüngt werden. „Düngung führt allerdings zu Emissionen von Stickstoff-basierten Treibhausgasen", heißt es in der Studie. Diese Gase hätten ein höheres Erwärmungspotenzial als Kohlendioxid.

Herkulesaufgabe Energiewende

Mammutprojekt Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erbt von Norbert Röttgen eine Menge Probleme. Diese sind aber weniger Röttgens Arbeit geschuldet als der Tatsache, dass die Energiewende ein Mammutprojekt ist. Ein Jahr nach dem Start drängt die Zeit: Weichenstellungen für Investitionen in neue Netze, mehr Energiespeicher und neue Gaskraftwerke sind dringend nötig.

Solarstrom-Reform

Im Vermittlungsausschuss muss Altmaier wegen des Widerstands gerade der ostdeutschen Länder die Pläne für die Kürzung der Solarförderung wohl etwas abmildern lassen. Dadurch drohen aber steigende Belastungen für die Bürger. Sie zahlen die Förderkosten über den Strompreis.

Die Regierung will, dass die Bürger nicht mehr als die derzeit 125 Euro (bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden) pro Jahr für die Ökostromförderung zahlen. Das auch im Bundestagswahljahr 2013 zu schaffen, wird immer schwerer.

Ökoenergie-Kosten und fehlende Kraftwerke

Bisher gibt es kein tragfähiges Modell, um erneuerbare Energien wettbewerbsfähig zu machen, also die Subventionierung massiv zurückzufahren. Und wegen des Einspeisevorrangs für Wind- und Sonnenstrom lohnen sich zum Beispiel neue Gaskraftwerke kaum noch. Die braucht man aber, wenn es keine Sonne oder Wind gibt und die Atomkraftwerke abgeschaltet sind.

Daher müssen hier Anreize oder Regelungen geschaffen werden, damit diese jetzt bald gebaut werden, denn bis 2022 sollen die restlichen neun Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Speicher und Netze

Die Regierung investiert in Speicherforschung, doch schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten. Immer mehr Wind- und Solarparks bringen nur etwas, wenn überschüssiger Strom eines Tages auch gespeichert werden kann. Zudem können die Netze mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien (Stromanteil schon rund 20 Prozent) kaum noch mithalten.

Tausende Kilometer an neuen Leitungen sind nötig. Hier muss Altmaier mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Lösungen finden, in Kürze soll ein Bundesnetzplan vorliegen. Besonders der Anschluss der See-Windparks muss beschleunigt werden.

Koordinierung

Jedes Bundesland hat sein Energiekonzept, hinzu kommen hunderte kommunale Pläne. Hier ist dringend mehr Abstimmung und eine einheitliche Koordinierung nötig, damit neue Wind- und Solarparks da entstehen, wo sie gebraucht werden und wo es Netze gibt.

Zudem muss ein Ausufern von Subventionen vermieden werden, denn der Netzausbau treibt in diesem Jahr stark die Netzentgelte, die wie die Ökoförderkosten über den Strompreis zu zahlen sind.

Geld für Energiewende-Projekte

Damit die Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten wieder anziehen, wäre eine Anhebung des EU-Klimaziels auf 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) notwendig. Doch das Kohleland Polen blockiert. Die Einnahmen sind nötig zur Finanzierung von Energiewende-Projekten. Bleiben diese weiter aus, könnten bis zu fünf Milliarden Euro in den kommenden Jahren fehlen.

Besonders Maßnahmen für Energieeinsparungen würden darunter leiden. Wird weniger Energie verbraucht, werden auch weniger Netze und Kraftwerke gebraucht - ein Schlüssel zum Erfolg.

Atom-Endlager

Röttgen hat viel Vorarbeit geleistet für eine neue Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch geklärt werden muss noch, wie der bisher favorisierte Standort Gorleben in das Suchverfahren integriert wird und wer das Sagen bei der Suche haben soll.

Bis zum Sommer soll das Problem abgeräumt werden und mit SPD und Grünen ein Suchgesetz erarbeitet werden.

Asse

Altmaier muss klären, wie das Problem in dem maroden Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Wolfenbüttel gelöst werden soll, wo 126.000 Atomfässer geborgen werden sollen.

Es kommt aber zu ständigen Verzögerungen, und die Zweifel wachsen, ob eine Bergung angesichts mangelnder Stabilität des Lagers noch möglich ist.

Einen weiteren Minuspunkt sehen die Autoren der Studie im umfangreichen Import vor allem von Futtermitteln. Dabei wird die Rechnung aufgemacht, dass auf mehr deutschen Feldern Futtermittel angebaut würden, wenn dort nicht Energiepflanzen kultiviert würden. Durch die Importe von Futtermitteln und anderer Biomasse würden aber die Risiken einer intensiven Landwirtschaft exportiert.

Der Studie zufolge wurden 2010 in Deutschland sieben Prozent des Primärenergieverbrauchs durch Biomasse und landwirtschaftlichen Abfällen gedeckt. Ohne die Biomasseimporte wären es weniger als drei Prozent gewesen.

Kommentare (8)

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vandale

26.07.2012, 20:51 Uhr

Gem. der Oekoreligion erfolgt die korrekte Energieerzeugung mit bereits im Mittelalter bekannten Verfahren.
Die Einspeisung von Wind- und Solarstrom erfolgt gem. den Launen des Wetters. Die Verbrennung von Lebensmitteln kann man wetterunabhängig gestalten und bei entsprechenden Kapazitäten deren Schwankungen ausgleichen.

Allerdings ist das Verbrennen von Lebensmitteln ähnlich ökologisch wie Solar- und Windenergie. Die Landwirtschaft erfordert enorme Flächen und viel Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmittel. Ähnlich Wind und Sonne erfordern diese Energieerzeugungsmethoden mehr Energie als diese erzeugen. Bioenergie ist umweltschädlich und hoffnungslos unrentabel. Hinzu kommt dass verbrennen der Lebensmittel die Preise erhöht wodurch zahlreiche Menschen in Ländern geringerer Kaufkraft sterben.

Bioenergie ist so ökologisch wie Wind und Sonne. Die Oekoreligion geht über Leichen.

Vandale

Tabu

26.07.2012, 21:48 Uhr

Der Anbau von Monokulturen gefährdet die Artenvielfalt, doch die Regierung will den Ausbau weiter vorantreiben.
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Noch so ein nicht wieder gutzumachender Fehler,der mir
als Natur und Tierschützer das Herz zerreißt.

Account gelöscht!

27.07.2012, 06:58 Uhr

Was waren das nur für Leute,die die Eckpfeiler der Energiewende festlegten ?
Kurzzeitig hatte man den verdacht , es sind Menschen die wissen was sie machen , heute wissen wir , sie sind in Höchstem Maße verantwortungslos mit der Energieversorgung Deutschlands umgegangen .
Dilettanten und Populisten forderten Kraftwerke abzuschalten , den Objektiven unter uns bereitete das Kopfzerbrechen !

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