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06.02.2013

10:30 Uhr

Energiewende

Ich weiß, ob Du gestern geduscht hast

VonDana Heide, Christof Kerkmann

Neue Stromzähler messen nicht nur, wann wir etwa beim Erhitzen von Duschwasser Strom verbrauchen, sondern teilen den Strom auch zu. Der Haken: Energieversorger können künftig Protokoll über unseren Tagesablauf führen.

Anhand des Stromverbrauchs kann man viel über den Alltag von Menschen erfahren. Getty Images

Anhand des Stromverbrauchs kann man viel über den Alltag von Menschen erfahren.

DüsseldorfSie haben noch kein Smart Meter? Sie wissen noch nicht einmal, was das ist? Wenn es nach der Bundesregierung geht, wird sich das bald ändern. Ende dieses Jahrzehnts sollen 80 Prozent der deutschen Haushalte ein Smart Meter, also einen intelligenten Stromzähler installiert haben. Doch das Ziel scheint in weiter Ferne.

Smart Meter sind Geräte, die messen, wie viel Strom im Haushalt verbraucht wird. Die Klein-Computer können künftig das durch den Zubau der erneuerbaren Energien immer stärker schwankende Stromangebot mit der Nachfrage ausbalancieren. Etwa, indem die Geräte die Waschmaschine oder den Trockner starten, wenn die Windräder oder Solaranlagen gerade viel Strom erzeugen oder der Verbrauch niedrig ist. Irgendwann sorgen sie vielleicht auch dafür, dass das Elektroauto in der Garage aufgeladen wird.

Die wichtigsten Antworten zu Smart Metern

Was sind Smart Meter?

Ein Smart Meter, oder intelligenter Stromzähler, hat im Vergleich zu herkömmlichen Zählern zwei Vorteile. Zum einen zeichnet er den Stromverbrauch im Minutentakt auf. Außerdem kann er die erfassten Daten direkt zum Messstellenbetreiber, Messdienstleister, Energieversorger oder eben den Computer des Stromverbraucher übertragen.

Für wen sind die Smart Meter Pflicht?

Seit Januar 2010 müssen Smart Meter in Neubauten und bei Grundsanierungen eingebaut werden. Außerdem sind Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden sowie Betreiber von Photovoltaik-Anlagen mit mehr als 7 Kilowatt verpflichtet, einen solchen intelligenten Strommesser zu nutzen.

Wo liegen die Gefahren?

Weil Smart Meter den Stromverbrauch in einer hohen Frequenz aufzeichnen, entstehen viele persönliche Daten. So kann man etwa ablesen, wie lange und wann jemand geduscht, also eine große Menge an Warmwasser genutzt hat. Da die Geräte via Internet etwa mit dem Energieversorger verbunden werden können, entsteht auf diese Weise ein mögliches Einfallstor für Hacker.

Was kann alles abgelesen werden?

Die FH Münster testete im Jahr 2011 ein Gerät, welches den Strom im Sekundentakt maß. Anhand dieser Aufzeichnungen konnten die Forscher sogar herausfinden, was der Stromverbraucher im Fernsehen sah. Denn die modernen LCD-Fernseher sind mit einer Hintergrundbeleuchtung ausgestattet, die sich je nach Helligkeit der Szene an- und abschaltet. Auf diese Weise entsteht ein Code, an dem man durch Vergleich ablesen kann, welche Sendung in dem Moment geschaut wird. Inzwischen sind aber vor allem Geräte im Einsatz, die im 15-Minuten-Takt messen. Mit ihnen ist so etwas nicht mehr möglich.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Italien gilt als Vorreiter bei der Installation von Smart Metern. Aber auch andere Ländern treiben die Umrüstung voran, etwa Dänemark, Finnland, Deutschland, Spanien und das Vereinigte Königreich.

Zudem schärfen die intelligenten Zähler das Bewusstsein der Verbraucher für den Stromverbrauch und zeigen, wo im Haushalt Stromfresser stehen. Denn der Verbraucher kann minutengenau auf seinem Computer sehen, wie viel Strom er gerade verbraucht und dementsprechend sein Verhalten anpassen. Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Energieagentur (Dena) könnte der CO2-Ausstoß durch eine Steigerung der Energieeffizienz bis 2020 um 72 Prozent reduziert werden. Damit hätte diese Maßnahme einen weit größeren Effekt als etwa der Ausbau der erneuerbaren Energien. Zudem würde man bis 2020 auf diese Weise 128 Milliarden Euro sparen.

Wegen dieses enormen Potenzials ist seit 2010 jeder Häuslebauer dazu verpflichtet, ein solches Gerät zu installieren. Doch die Politik hat die Ausarbeitung von Sicherheitsstandards verschlafen. Erst in den nächsten Wochen, mehr als zwei Jahre nach Einführung der Installationsverpflichtung, legt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein ausgearbeitetes Schutzprofil vor, das von der EU abgesegnet werden muss.

Kommentare (64)

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Numismatiker

06.02.2013, 10:50 Uhr

"...deren Umrüstung auf Smart Meter kostet bis zu 100 Euro. Hinzu kommen Wartungs- und Servicegebühren."

Wahrscheinlich ist dies der eigentliche Grund für die Einführung der SmartMeter: Befriedigung von Lobby-Einfluß.

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Wenn man nicht will, daß irgendjemand ausspäht, welche Filme man schaut, gibt es ein einfaches Gegenmittel:

Einfach genügend andere Verbraucher mit wechselndem Verbrauch parallel laufen lassen. Die Analyse funktioniert nur, wenn der Fernseher der Hauptverbraucher ist. Der Stromspareffekt ist damit allerdings dahin.

Account gelöscht!

06.02.2013, 11:04 Uhr

Selten einen so lausigen Beitrag im HB gelesen.
Was haben Sie/sie da recherchiert, Mythen?
SmartMeter kostet den Verbraucher zuerst mehr Geld, die Einsparungen sind gering. Umfragen aus Pilotprojekten zeigen, dass die Verbraucher keine Mehrkosten akzeptieren. Datenschutz ist nachrangig wenn die Beteiligung freiwillig ist.

Tom47798

06.02.2013, 11:07 Uhr

Und welchen Nutzen hat ein Netzbetreiber vom Wissen darüber das ich gerade geduscht habe?. Man könnte meinen das Netzbetreiber nix anderes zu tun haben.

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