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19.08.2012

18:27 Uhr

Energiewende

Kaltreserve soll kosten

Durch die Energiewende kann es zu Strom-Lieferengpässen kommen. Um dies zu verhindern, werden fossile Kraftwerke in Kaltreserve gehalten. Für diese Reserve wollen die Kraftwerksbetreiber jetzt Geld sehen.

Um einen Stromausfall zu verhindern, werden Kraftwerke in Kaltreserve gehalten. dpa

Um einen Stromausfall zu verhindern, werden Kraftwerke in Kaltreserve gehalten.

Berlin Die Kraftwerksbetreiber wollen sich das Bereithalten von Kapazitäten fürstlich entlohnen lassen. Das geht aus dem Entwurf einer Selbstverpflichtungserklärung der Branche hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Die Unternehmen wollen mit der Selbstverpflichtung einer gesetzlichen Regelung zuvorkommen

Mit der Selbstverpflichtung, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erarbeitet hat, erklären sich die Betreiber bereit, in Kaltreserve oder in Betrieb befindliche Anlagen nicht stillzulegen, wenn sie von den Netzbetreibern als systemrelevant identifiziert worden sind. Voraussetzung dafür soll nach den Vorstellungen des BDEW sein, „dass dem Betreiber die hieraus resultierenden direkten und indirekten Mehrkosten erstattet werden“. Die Betreiber wollen sich außerdem verpflichten, Anlagen in Kaltreserve technisch zu ertüchtigen. Auch die direkten und indirekten Kosten der technischen Aufrüstung wollen sie sich erstatten lassen

Die Anlagen sollen dem zuständigen Übertragungsnetzbetreiber „zum uneingeschränkten Zugriff zur Verfügung“ stehen und ausschließlich auf Anweisung des Übertragungsnetzbetreibers Strom einspeisen. Wird die Anlage in Anspruch genommen, sollen Erlöse, die durch den Absatz des gelieferten Stroms entstehen, von den entstandenen Mehrkosten abgezogen werden. Erstatten lassen wollen sich die Betreiber neben den Brennstoffkosten und den Kosten für Emissionszertifikate auch etwa die Kosten für Hilfs- und Betriebsstoffe, aber auch Instandhaltungsmaterial, Personalkosten, Versicherungen und Abgaben

Hintergrund der Selbstverpflichtung sind die knappen Erzeugungskapazitäten: Mit den Beschlüssen zur Energiewende waren im vergangenen Jahr gleich acht Kernkraftwerke endgültig stillgelegt worden. Insbesondere im Südwesten Deutschlands sind dadurch Engpässe aufgetreten. Die Bundesnetzagentur hat darum eine Reihe älterer fossiler Kraftwerke zur „Kaltreserve“ bestimmt. Die alten und teilweise höchst ineffizienten Anlagen, darunter ein altes Ölkraftwerk in Österreich, werden im Notfall eingeschaltet. Trotz der Kaltreserve bleibt die Situation angespannt. Im vergangenen Februar war eine Engpass-Situation aufgetreten, die die Bundesnetzagentur in einem Bericht im Frühjahr als sehr ernst bezeichnete. Hinzu kommt, dass einige Betreiber zuletzt angekündigt hatten, Kraftwerke stillzulegen, die nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind.

Kommentare (5)

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pivandale

19.08.2012, 19:50 Uhr

Aus (öko)religiösen Gründen möchte man die Energie wie im Mittelalter mittels Wind, Sonne und der Verbrennung von Lebensmitteln gewinnen.

Die Stromeinspeisung von Sonne und Wind erfolgt gem. den Launen des Wetters. Um regelmässige Stromausfälle zu vermeiden bedarf es einer vollständigen Abdeckung durch moderne Wärmekraftwerke. Anders gesagt, die Kapazität an Wärmekraftwerken reduziert sich nicht durch diese religiös motivierte Einspeisung. Allerdings werden die Kraftwerke schlechter und ungleichmässiger ausgelastet. Die Betriebskosten bleiben abseits der Brennstoffkosten etwa gleich. Es addieren sich die Kosten aus der religiös motiveriten Wind- und Solarstromeinspeisung und die der modernen fossilen Kraftwerke.

Einige meist ältere Kraftwerke werden so schlecht ausgelastet, dass deren Betrieb nicht mehr lohnt. Allerdings werden diese in Ausnahmesituationen für einige zig- oder hunderte Betriebsstunden pro Jahr benötigt.

Es ist konsequent diese Bereitstellungsleistung zu vergüten. Korrekt wäre es diese Kosten der EEG Umlage zuzurechnen. Damit würden diese Kosten transparent dem Oekoschwindel zugeordnet. Ich nehme allerdings an, dass man diese Kosten eher den Netzkosten zuordnen wird um die Kosten der "Energiewende" intransparent zu gestalten.

Vandale

Account gelöscht!

19.08.2012, 23:04 Uhr

"Die Kraftwerksbetreiber wollen sich das Bereithalten von Kapazitäten fürstlich entlohnen lassen. Das geht aus dem Entwurf einer Selbstverpflichtungserklärung der Branche hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Die Unternehmen wollen mit der Selbstverpflichtung einer gesetzlichen Regelung zuvorkommen"

Wundert das irgend wen? Natürlich erwarte ich Profit wenn ich investiere. >Und warum soll ich in Kraftwerk investieren, das nur gelentlich, nach Bedarf verdienen darf, während die "Erneuerbaren" einen Persilschein zum kassieren bekommen.

Maxito

20.08.2012, 11:45 Uhr

...Bereithalten von Kapazitäten fürstlich entlohnen lassen.

Warum diese Polemik? Erhalten Sie für die von Ihnen verfassten Artikel keine Entschädigung?
Möchten Sie gern, dass man Ihnen den für Ihre ehrliche Arbeit zustehenden Lohn vorenthält und Ihnen stattdessen unterstellt, Sie seien ein (krimineller) Abzocker?

In einer Marktwirtschaft muß ein Unternehmen bei Strafe seines Untergangs kostendeckend wirtschaften.

Die Vorhaltung von Kraftwerkskapazität KOSTET und sie ist NOTWENDIG.

Es ist das gute Recht von Energieunternehmen, sich die entstanden Kosten für das Produkt "Reserveenergie"
ersetzen zu lassen - natürlich keine Phantasiepreise.

Ich halte Polemik für kein angemessenes Mittel der vierten Säule der Demokratie.

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