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05.06.2015

07:33 Uhr

Energiewende

Mittelständler wollen mehr Geld für Stromspeicher

VonDana Heide

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft plädiert für einen Ausbau der Förderung für Speichertechnik und macht Vorschläge, wie seiner Meinung nach die Energiewende billiger werden könnte.

Gegen ihren Ausbau protestieren Bürger seit Monaten. dpa

Hochspannungsleitungen

Gegen ihren Ausbau protestieren Bürger seit Monaten.

Berlin Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert eine stärkere Unterstützung für Stromspeicher. „Die breit angelegte Forschungsförderung für Speicher muss weiter ausgebaut werden“, sagte BVMW-Chef Mario Ohoven dem Handelsblatt. Dabei sollten alle Speichertechnologien gleich behandelt werden, heißt es in einem Positionspapier des Verbandes, das dem Handelsblatt vorliegt.

Zudem plädierte die Mittelstandsvereinigung dafür, die Verteilnetze stärker auszubauen. So könnte man Übertragungsleitungen „überflüssig machen“. Gegen die geplanten neuen Hochspannungsleitungen, die Strom über hunderte Kilometer vom Norden in den Süden Deutschlands transportieren sollen, protestieren bereits seit Monaten Bürgerinitiativen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte sich jüngst insbesondere gegen die geplante Trasse Suedlink gewehrt und vorgeschlagen, den Leitungsverlauf zu verschieben.

Durch eine Erweiterung der Verteilnetze „werden der Netzausbau und die Energiewende billiger“ meint Ohoven. Tatsächlich kosten auch die Investitionen in diese Leitungen bereits Milliarden.

Bezahlt wird der Netzausbau von den Stromverbrauchern über die Netzentgelte. Die machen jetzt schon zehn bis 25 Prozent der Stromrechnungen aus. Dabei kommt es allerdings darauf an, in welchem Netzgebiet man wohnt. Besonders hoch sind die Netzentgelte etwa in den neuen Bundesländern. Experten halten es für wahrscheinlich, dass sich die Unterschiede noch verschärfen werden.

Der BVMW, der laut eigenen Angaben 270.000 kleine und mittlere Unternehmen auch im Rahmen von Allianzen vertritt, plädiert daher für einen eine „ernsthafte“ Prüfung, die Kosten für den Ausbau der Verteilnetz bundesweit anzugleichen. Auch der Think Tank Agora Energiewende hatte bereits einheitliche Netzentgelte gefordert.

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Außerdem will der Mittelstandsverband, dass Strom aus Erneuerbaren Energien zu Zeiten, in denen besonders viel Strom im Netz ist, häufiger gekappt wird. Wenn zu Spitzenzeiten der Strom aus Erneuerbaren Energien um ein Prozent runtergefahren würde, könne auf 30 Prozent des Netzausbaus verzichtet werden, heißt es in dem Positionspapier.

Auch die sogenannte Anreizregulierung für den Netzausbau solle geändert werden, fordert der BVMW. Die bestimmt, wie viel Geld Netzunternehmen wie 50Hertz oder Tennet über die Netzentgelte von Stromverbrauchern einnehmen können um ihre Leitungen zu betreiben und auszubauen. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet zur Zeit an einer Novellierung. Der BVMW fordert, den Einsatz intelligenter Technologien bei der Anreizregulierung stärker zu berücksichtigen, damit die Netzbetreiber mehr in diese investieren. So könnten die Ausbaukosten deutlich gesenkt werden, argumentiert der Mittelstandsverband.

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Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Kommentare (6)

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Herr Holger Narrog

05.06.2015, 08:09 Uhr

Der im Artikel erwähnte "Think Tank" AGORA ist ähnlich Greenpeace eine ökoreligiöse Quelle die mit technischen und wirtschaftlichen Fakten beliebig umgeht. Eine seriöse Zeitung würde solche Quellen meiden.

In Deutschland gibt es das Höchstspannungsnetz 400KV in dem grosse Mengen Strom über viele 100 Km geleitet wird, das Mittelspannungsnetz und die Niederspannungsnetze. Diese Netzebenen ergänzen sich und können sich in den meisten Fällen nicht sinnvoll gegenseitig ersetzen.

Mit den aus ökoreligiösen Gründen installierten umweltschädlichen Windmühlen und Solarzellen sind Erzeuger hinzugekommen die wertlosen Zufallsstrom entsprechend der Launen des Wetters einspeisen. Da sich die Erzeugung je auf einige 100 Stunden im Jahr konzentriert (ein umweltfreundliches Kernkraftwerk speist ca. 7800h/Jahr ein) bedarf es zusätzlicher, schlecht ausgelasteter Leitungskapazitäten auf allen Netzebenen (Einspeisung Solar ins Niederspannungsnetz, Einspeisung Wind ins Mittelspannungsnetz). Sofern man den an windigen Tagen in Norddeutschland erzeugten umweltschädlichen Strom nicht abregeln möchte, wird man wohl Leitungen nach Süddeutschland bauen müssen. Die Kosten dieses Netzausbaus sind sinnlose Kosten im Zuge der Ökoreligion.

Stromspeicher, vermutlich Batterien, können mit kleinen Kapazitäten zur Netzstabilität beitragen und damit den max. möglichen Anteil an umweltschädlichen Ökostrom erhöhen. Grössere Speicher können signifikante Mengen des Stroms speichern und zu wind/sonnenarmen Zeiten ins Netz zurückspeisen. Dadurch könnte ein grösserer Anteil dieses Stroms genutzt werden. Das ist natürlich eine recht teure Angelegenheit. Es stellt sich dann die Frage ob der Verbraucher sich diesen religiösen Unsinn dauerhaft gefallen lässt.

Herr Rainer Feiden

05.06.2015, 08:11 Uhr

Ja, ja. Stromspeicher täten Not. Aber wo sind denn nennenswerte Kapazitäten? Gemäß der Auswertungdes Fraunhofer Institites für solare Energiesysteme zur Stromerzeugung 2014 wurden im letzten Jahr 521,5 MRD KWh Strom in Deutschland erzeugt, ergo also auch verbraucht oder : exportiert.

Wollte man nur einen Tagesbedarf speichern, sprechen wir von gut 1,4 MRD KWh. Der Bedarf von einer Woche läge bei rd. 10 MRD KWh. Nun kann mal jeder eroieren, was für eine "Batterie" her müsste....

Und deshalb stimmt der Satz "Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig." so nicht. Es werden nicht nur "viele" der Grundlastkraftwerke gebraucht, sondern "alle", die zur Grundlastabdeckung benötigt werden, wenn Solar und Wind regelmässig zu 100% ausfallen, was öfters der Fall ist als die Allgemeinheit wohl glaubt: siehe "Stromerzeugung- und verbrauch" bei agora Energiewende.

Ohne bezahlbare und effiziente Stromspeicher bleibt die "Energiewende" was sie bisher ist: megateurer Humbug zur Abgabengenerierung.

Account gelöscht!

05.06.2015, 09:12 Uhr

Ich teile die Meinung meiner Vorredner
Es ist sicher richtig das Solarstrom und Strom aus Windkraft je nach Wetterlage schwankend ist.
Wenn es denn bessere Lösungen gibt, die in Anwendung eine Umkehr vom Fossil (Kohle, Braunkohle) und Atomstrom (umweltfreundlich) von meinem Vorredner bezeichnet ermöglichen, so sollte man diese auch anwenden.Die mit viel Subventionen hochgezüchtete Solar und Windkraftstrom Industrie erzeugt eigentlich nur eines permanent bleibende Kosten, bzw. für die Erstellung der Stromleitungstrassen von Nord nach Süd (die eigentlich niemand will) werden dem Bürger weitere Kosten aufgebürdet. Auch mit den Nachbarländern (Polen und Tschechien) bekommen wir Ärger wenn immer wieder unverbrauchte Strommengen in deren Stromsysteme eindringen und dort für Probleme sorgen.
Wenn es denn in der Vergangenheit Strom nach Verbrauchslage zu erzeugen möglich war, ohne das jemand zu Schaden kam,warum wares denn dann nicht möglich die Erschließung des erneuerbaren Strom so zu steuern, mit dem Ziel nach Plan zu einem Zeitpunkt X die konventionelle Stromerzeugung durch erneuerbaren Strom zu ersetzen. Mit der Methodik "Viel hilft viel" hat man nur den Bürger verärgert der höhere Preise verkraften muß und u.U. Monsterleitungen in seiner Umgebung ertragen soll.Insbesondere in den ländlichen Wohnräumen sollte es möglich sein eine fast 100%tige Nutzung von erneuerbarer Energie zu erzeugen.
Für die Industrie, insbesonders der stromintensiven Industrie, müßte man dann überlegen wieviel Strom konventionell oder regenerativ für die Allgemeinheit vertretbar wäre.
Doch leider hat man sich hierzu mit dem "Slogan weg vom Atomstrom" dazu nur theoretische Gedanken gemacht.

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