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20.09.2012

13:34 Uhr

Energiewende

Netzagentur will rasche Planung beim Netzausbau

Die Bundesnetzagentur trommelt mit Infoveranstaltungen für den Stromnetzausbau. Eine Protestbewegung wie bei Stuttgart 21 könnte den Ausbau stark verzögern. Aus Sicht der Netzagentur hakt es aber noch an anderen Stellen.

Die Bundesnetzagentur dringt beim Stromnetzausbau auf eine Vereinfachung des Planungsrechts. dpa

Die Bundesnetzagentur dringt beim Stromnetzausbau auf eine Vereinfachung des Planungsrechts.

BonnDer Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, dringt auf eine Vereinfachung des Planungsrechts beim Stromnetzausbau für die Energiewende. Bei Stromtrassen, die Bundesländergrenzen überschreiten, werbe er sehr dafür, die Planfeststellungsverfahren der Bundesebene zu übertragen, sagte Homann am Donnerstag in Bonn zum Auftakt einer bundesweiten Informationskampagne für den geplanten Netzausbau. Bisher liegt die Kompetenz dafür bei den Ländern.

Von den insgesamt gut 8000 Kilometern Hochspannungstrassen, die neu gebaut oder erweitert werden sollen, verläuft nach Homanns Worten knapp die Hälfte grenzüberschreitend, zum Teil durch bis zu fünf verschiedene Bundesländer. Von einer zentralen Planung erhofft sich die Bundesnetzagentur zügigere Verfahren. Der schleppende Netzausbau etwa von Nord nach Süd gilt als wichtigstes Hindernis für die Umsetzung der Energiewende.

Der Bund bereitet eine Verordnung vor, die die Kompetenzen dem Bund überträgt. Dem müssen aber die Länder zustimmen. Dies sei ein Dauerthema zwischen dem Bund und den Ländern. „Es wäre schön, wenn man die Lösung in diesem Jahr fände“, sagte Homann.

Nach dem Entwurf des Netzentwicklungsplanes sollen für die Energiewende bundesweit 3800 Kilometer komplett neue Stromautobahnen gebaut werden. 2800 Kilometer Leitung sollen innerhalb bestehender Trassen neu gebaut und 1600 Kilometer technisch aufgerüstet werden. Konkrete Trassenplanungen werde es erst geben, wenn der Netzentwicklungsplan vom Parlament bestätigt werde. Generell gelte, dass Ausbau und Ertüchtigung den Vorrang vor Neubauten bekommen, betonte Homann.

Wie Netzagentur und Betreiber den Netzausbau stemmen

Ausbau ist zentrales Thema

Der Ausbau der Stromnetze ist ein zentrales Thema der Energiewende. In Zukunft muss verstärkt Strom transportiert werden, etwa von den Windkraftanlagen an der Nordsee zu den Verbrauchern in Süddeutschland. Die Planung des Stromnetzes der Zukunft ist ein komplizierter Prozess, an dem die Bundesnetzagentur und die vier großen Übertragungsnetzbetreiber beteiligt sind.

Am Dienstag informierte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Stand des Ausbaus der Stromnetze.

Netzplanung

Die Planungen zum Netzausbau konzentrieren sich derzeit auf bestehende und künftig notwendige Stromautobahnen, die nötig sind, um Energie durchs Land zu transportieren. Dabei handelt es sich um das sogenannte Höchstspannungsnetz. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW haben den Bedarf an Leitungen für die nächsten zehn Jahre ermittelt.

Sie überreichten der Kanzlerin nun den Entwurf eines "nationalen Netzentwicklungsplans", mit dem das Netz für die Zukunft gerüstet werden soll. Der Plan soll am Mittwoch vorgestellt und danach öffentlich diskutiert werden.

Transporttrassen

Ist die grobe Planung des künftigen Netzes fertig, schlagen die Netzbetreiber dann im Detail vor, wo und wie das Netz verstärkt oder ausgebaut werden soll. Die Firmen müssen Korridore festlegen, in denen sie Stromtrassen verlegen wollen, und Alternativen vorstellen. Auch die erwartbaren Folgen für Mensch und Umwelt müssen aufgezeigt werden.

Die Netzbetreiber verfeinern dann immer weiter ihre Pläne - etwa bis auf die Ebene der Standorte einzelner Strommasten -, stellen diese öffentlich zur Diskussion und müssen sie zudem von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen.

Stromleitungen

Bislang bestehen die Höchstspannungsnetze nach Angaben der Bundesnetzagentur ausschließlich aus Überlandleitungen. Diese sind vergleichsweise kostengünstig und einfach zu warten. Nachteil ist allerdings, dass sie das Landschaftsbild durch ihre Größe beeinträchtigen und Tiere verschrecken können.

Zudem sind sie witterungsanfällig. Derzeit wird auch die Verlegung unterirdischer Erdkabel erprobt. Diese sind zwar wetterunempfindlich und stören nicht in der Landschaft. Dafür ist das Verlegen aufwändig, Reparaturen kompliziert sowie die Kosten deutlich höher.

Einwände von Bürgern gegen die neuen Hochspannungsleitungen kommen regelmäßig unter anderem wegen der Angst vor elektromagnetischen Feldern und wegen möglicher Gefahren für Vögel und andere Tiere in den Baugebieten. Zu beiden Themen berichten Fachleute an dem Informationstag. Die oft diskutierte Verlagerung der Leitungen auf Erdkabel oder auf Bahntrassen könne die Probleme nur teilweise lösen, sagte Homann. „Insgesamt kann man sich den Leitungsbau nicht ersparen“, sagte Homann. Dass die Energiewende ohne Leitungsausbau nicht möglich ist, finde bisher auch breite Akzeptanz. Allerdings sei das Verfahren bisher noch auf einer abstrakten Ebene. „Wenn die Bautrupps kommen, kann es aber natürlich immer Diskussionen geben.“

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

20.09.2012, 14:33 Uhr

Der Netzausbau könnte deutlich eingeschränkt werden,
wenn dezentrale Energieerzeugungs Systeme wie Sonnenstrom unterstützt würden.
Die Überbetonung der Notwendigkeit des Netzausbaus, soll den Eindruck vermitteln,
dass die Energiewende nur sehr schwer realisierbar ist.
Viel wichtiger wäre über Energieeinsparung,
Toprunnersystem und die Einspreisung der von den Dinosaurier Techniken wie Atom/Kohle/Gas....verursachten Umwelt-Schäden zu diskutieren!

Mit sonnigen Grüßen
Werner Thoma

Account gelöscht!

20.09.2012, 14:46 Uhr

Zum Aufwärmen ein Zitat: "Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen." Wer sprach 1931 diese Worte?
Auflösung demnächst!
Mit sonnigen Grüßen
Werner Thoma

SteuerKlasseEins

20.09.2012, 19:07 Uhr

Die alte Lösung mit Strom aus Großkraftwerken hat jedenfalls keinen großen Netzausbau erfordert.

Den Ausbau braucht man doch nur, weil man die Windturbinen so weit weg wie möglich von Wohngebieten haben will, und an exotischen Orten wie in der Nordsee. Solardächer sind in der Tat nahe am Verbraucher bzw. in der Nachbarschaft des Verbrauchers und bieten sich an, aber deren Leistung wird nie ausreichen. Also braucht man doch wieder neue Netze. Einige Leute werden an dieser Stelle die Blockheizkraftwerke erwähnen, aber diese Leute sollen erstmal die Gasversorgung für die nächsten 200 Jahre garantieren, und das können sie nämlich nicht (Erdgas wird früher knapp werden als Erdöl, bei steigendem Verbrauch weltweit auch noch schneller.)

Mein Vorschlag für den Netzausbau: Deutschland braucht einen Ausbau starker Leitungen nach Westen und Osten. Aus dem Westen kaufen wir Atomstrom von Frankreich, aus dem Osten aus der Tschechien und Russland. Hier bei uns im Land kann man nichts mehr produzieren.

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