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30.05.2012

12:06 Uhr

Energiewende

Neue Netze braucht das Land

VonKlaus Stratmann

Die Energiewirtschaft drückt aufs Tempo: Die Netzbetreiber wollen neue Starkstromleitungen für 20 Milliarden Euro bauen. Die Bundeskanzlerin will die Pläne durchpeitschen, doch die Länder kündigen bereits Widerstand an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Sicherheitszentrale des Netzbetreibers Amprion: Beschleunigtes Verfahren. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Sicherheitszentrale des Netzbetreibers Amprion: Beschleunigtes Verfahren.

BonnWie können Stromangebot und -nachfrage in Deutschland besser in Einklang gebracht werden, und wie lässt sich eine sichere Versorgung gewährleisten? Auf diese Fragen haben die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50-Hertz, Amprion und EnBW heute ihre Antwort gegeben: Der von ihnen vorgelegte Netzentwicklungsplan gibt erstmals eine konkrete Vorstellung davon, auf welche neuen Stromleitungen sich Deutschland einstellen muss. Die Studie enthält alle Maßnahmen, die die Netzbetreiber innerhalb der nächsten zehn Jahre für erforderlich halten, wenn Deutschland kein Blackout drohen soll.

"Der Netzausbau ist elementarer Bestandteil für das Gelingen der Energiewende", erklärten die Betreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Mittwoch in Berlin. Der vorgelegte Entwurf soll die Grundlage für den Ausbau des Stromnetzes sein.

Energiewende: Merkel setzt alles auf eine Karte

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Merkel setzt alles auf eine Karte

Das kannte man so nicht von ihr: Basta statt Abwarten. Angela Merkel macht die Energiewende zur Chefsache und riskiert damit einiges: Vom Erfolg dieses Projekts hängt nun ab, wie lange sie Kanzlerin bleibt.

Die Kernaussagen des "Netzentwicklungsplans": In Deutschland müssen bis 2022 Hochspannungsleitungen mit einer Gesamtlänge von 1 700 Kilometern neu gebaut werden. Außerdem sollen bereits bestehende 4 000 Kilometer lange Leitungen modernisiert werden.

Darüber hinaus planen die privaten Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und EnBW, parallel zum bestehenden Netz vier Nord-Süd-Trassen mit einer Länge von insgesamt 2 100 Kilometern zu bauen. Dabei handelt es sich um "Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen", die große Mengen Strom fast verlustfrei von der Nord- und Ostseeküste in die industriellen Zentren der Republik transportieren. Die Kosten für diese Projekte beziffern die Netzbetreiber auf 20 Milliarden Euro. Hinzu kommen gut zehn Milliarden Euro für die Anbindung der Offshore-Windparks.

Wie Netzagentur und Betreiber den Netzausbau stemmen

Ausbau ist zentrales Thema

Der Ausbau der Stromnetze ist ein zentrales Thema der Energiewende. In Zukunft muss verstärkt Strom transportiert werden, etwa von den Windkraftanlagen an der Nordsee zu den Verbrauchern in Süddeutschland. Die Planung des Stromnetzes der Zukunft ist ein komplizierter Prozess, an dem die Bundesnetzagentur und die vier großen Übertragungsnetzbetreiber beteiligt sind.

Am Dienstag informierte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Stand des Ausbaus der Stromnetze.

Netzplanung

Die Planungen zum Netzausbau konzentrieren sich derzeit auf bestehende und künftig notwendige Stromautobahnen, die nötig sind, um Energie durchs Land zu transportieren. Dabei handelt es sich um das sogenannte Höchstspannungsnetz. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW haben den Bedarf an Leitungen für die nächsten zehn Jahre ermittelt.

Sie überreichten der Kanzlerin nun den Entwurf eines "nationalen Netzentwicklungsplans", mit dem das Netz für die Zukunft gerüstet werden soll. Der Plan soll am Mittwoch vorgestellt und danach öffentlich diskutiert werden.

Transporttrassen

Ist die grobe Planung des künftigen Netzes fertig, schlagen die Netzbetreiber dann im Detail vor, wo und wie das Netz verstärkt oder ausgebaut werden soll. Die Firmen müssen Korridore festlegen, in denen sie Stromtrassen verlegen wollen, und Alternativen vorstellen. Auch die erwartbaren Folgen für Mensch und Umwelt müssen aufgezeigt werden.

Die Netzbetreiber verfeinern dann immer weiter ihre Pläne - etwa bis auf die Ebene der Standorte einzelner Strommasten -, stellen diese öffentlich zur Diskussion und müssen sie zudem von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen.

Stromleitungen

Bislang bestehen die Höchstspannungsnetze nach Angaben der Bundesnetzagentur ausschließlich aus Überlandleitungen. Diese sind vergleichsweise kostengünstig und einfach zu warten. Nachteil ist allerdings, dass sie das Landschaftsbild durch ihre Größe beeinträchtigen und Tiere verschrecken können.

Zudem sind sie witterungsanfällig. Derzeit wird auch die Verlegung unterirdischer Erdkabel erprobt. Diese sind zwar wetterunempfindlich und stören nicht in der Landschaft. Dafür ist das Verlegen aufwändig, Reparaturen kompliziert sowie die Kosten deutlich höher.

"Ohne Umbau der Stromnetze laufen die Fortschritte bei der Nutzung erneuerbarer Energien ins Leere", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Mit der Modernisierung des bestehenden Netzes ziehen die Betreiber die Konsequenz aus den Erfahrungen, die sie in den vergangenen Jahren machen mussten: Wo immer sie neue Stromleitungen bauen wollen, regt sich Widerstand. Bürgerinitiativen, nicht selten von Landes- oder Kommunalpolitikern unterstützt, bekämpfen die Projekte und sorgen mitunter für jahrelange Verzögerungen. Der Rückgriff auf bestehende Trassen dürfte weitaus geringere Akzeptanzprobleme auslösen als ein kompletter Neubau.

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Dennoch führt am kompletten Neubau von 1 700 Kilometer neuer Trassen kein Weg vorbei, heißt es in der Studie. Dieser Wert liegt allerdings deutlich unter jenen 3 600 Kilometern, die die Deutsche Energie-Agentur (Dena) veranschlagt.

Kommentare (31)

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privat

30.05.2012, 12:36 Uhr

ja leute so funktioniert die hochgelobte marktwirtschaft.

ohne direkte und indirekte subventionen läuft nix und die investitionsrisiken werden ebenso zusätzlich der gesellschaft übergeholfen.

wo sind denn die gewinne und die daraus finanzierten erhaltungs- und neuinvestitionen geblieben liebe netzbetreiber

die verpflichtungen hat man mit den überteuerten verkaufspreisen mit verscheuert ebenso wie die verantwortung.

und nun hüpft erika über das hingehaltene stöckchen und verteilt weiter wohltaten

Account gelöscht!

30.05.2012, 12:43 Uhr

Die Bürger sollen wieder Geld für den Netzausbau zahlen, wie in den vergangenen Jahren.
Ob die Gelder wieder als Gewinne an die Aktionäre ausgezahlt werden?
In den letzten Jahren war dies in krimineller Art und Weise der Fall!

Account gelöscht!

30.05.2012, 12:49 Uhr

Die Marktwirtschaft funktioniert blendend, solage man nicht von aussen eingreift. Subventionen usw. sind das Gegenteil von Marktwirtschaft. Die Energiewende in dieser Form braucht kein Mensch, solange erneuerbare Energien nicht die Marktreife erlangt haben und unter Marktbedingungen bestehen können. Wenn andere Resourcen knapp werden wird das automatisch passieren. Aber in D muss ja alles per Gesetz geregelt werden.

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