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18.11.2014

00:42 Uhr

Energiewende

Regierung rechnet mit doppelt so viel Atommüll

Neue Berechnungen zeigen, dass der Bund in den kommenden Jahren weit mehr Atommüll entsorgen muss als erwartet. Die Suche nach einem passenden Lager für "heißen" Atommüll geht weiter.

Atommüllfässer im Endlager in Morsleben: Noch weiß der Bund nicht, wohin Teile des künftigen Atommülls sollen. dpa

Atommüllfässer im Endlager in Morsleben: Noch weiß der Bund nicht, wohin Teile des künftigen Atommülls sollen.

MünchenDeutschland wird in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich deutlich mehr Atommüll entsorgen müssen als bislang angenommen. Allein die Menge des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls, für den bei Salzgitter derzeit das Endlager Schacht Konrad errichtet wird, könnte sich verdoppeln, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf einen Entwurf des „nationalen Entsorgungsplans“, den die Bundesregierung mit den Ländern abstimmt.

Bislang wurde für Schacht Konrad eine Abfallmenge von 298.000 Kubikmetern Atommüll prognostiziert, meist aus dem Abriss der Atomkraftwerke. Stattdessen gehe der Bund nun „von einer Gesamtmenge der zu entsorgenden Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung von rund 600.000 Kubikmetern“ aus, zitiert das Blatt aus dem Entwurf.

Der Fahrplan zum Atommüll-Endlager

2014 bis Mitte 2016:

Eine 33-köpfige Kommission mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet mit Expertenanhörungen die Grundlagen der Suche. Danach muss das Endlagersuchgesetz eventuell noch einmal modifiziert werden.

2015/2016:

Um nicht weitere Fakten für ein Endlager in Gorleben (Niedersachsen) zu schaffen, sollen keine Atommülltransporte mehr in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager gehen. Sie müssen in andere Zwischenlager in Deutschland gebracht werden.

Ab 2016:

Zunächst werden bundesweit alle ungeeigneten Regionen ausgesiebt. Regionen mit guten Gesteinsformationen werden ausgewählt und mehrere Standorte erkundet, auch mittels Probebohrungen.

Bis 2023:

Am Ende sollen die besten Standorte aufwendig unter Tage erkundet werden. Welche Standorte ausgewählt werden, soll mit einem weiteren Bundesgesetz beschlossen werden. Die Kosten pro Erkundung werden mit einer halben Milliarde Euro pro Standort veranschlagt.

2031

Bundestag und Bundesrat sollen endgültig über den Standort entscheiden, der Klageweg soll nicht eröffnet werden. Die Kosten der Endlagersuche werden mindestens zwei Milliarden Euro betragen.

Darin zählt der Bund dem Bericht zufolge erstmals auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage in Gronau als Atommüll mit. Dessen Betreiber Urenco lagere dort derzeit 13.000 Tonnen sogenannte Urantails, die bei der Anreicherung übrig blieben. Bislang seien diese Mengen stets als „Wertstoffe“ durchgegangen, aus denen sich noch Kernbrennstoffe fertigen ließen. Dagegen rechne der Bund in dem Entsorgungsplan, den die EU-Kommission verlangt, nun mit bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll allein aus der Urananreicherung.

Weitere 200.000 Kubikmeter kämen hinzu, wenn das marode Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel geräumt wird. Wohin der Zusatzmüll gehen soll, sei offen. Ziel seien zwei Endlager, berichtet die „SZ“ unter Berufung auf den Entsorgungsplan: Schacht Konrad für Abfälle, die wenig Wärme entwickeln, sowie ein zweites für den „heißen“, in Castoren gelagerten Atommüll. Mit der Suche danach befasst sich derzeit eine Bund-Länder-Kommission, nicht vor 2031 wird es einen Standort dafür geben.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

18.11.2014, 08:03 Uhr

Die Suche kann sofort gestoppt werden, wenn die deutsche Öko-Jammer-Regierung, die von Greenpeace und Co. gesteuert wird, die Kernkraftwerke weiter am Netz hält. Der ideologisch und schwachsinnige Kernkraftausstieg vernichtet nicht nur das Volksvermögen von uns Deutschen, sondern beraubt uns auch der Energiezukunft. Die Reaktoren BN800 und DFR stehen für diese Energiezukunft. Es braucht keine Lager, weil es keinen Müll, sondern nur Wertstoffe gibt, die die deutsche ökosaga da immer wieder einlagern will.

Herr Hans Maiser

18.11.2014, 08:38 Uhr

Ganze 600000 Kubikmeter? Und dann auch noch schwach und mittel radioaktiv. Also auch Medizinabfälle usw.
Das ist ja eine doch recht überschaubare Menge.
Würde man ein Fußbalfeld mit diesem "Müll" vollstellen, do ergeben sich eine höhe von ca. 60 Metern.
Bei den Kohlekraftwerken dieser Welt gehen Jedes Jahr ca. 10.000 Tonnen Uran und 25.000 t Thorium in die Luft.

Herr Riesener Jr.

18.11.2014, 09:34 Uhr

Bitte, bitte, informieren Sie sich (z.B. in der Wikipedia)über die Untertagedeponie Herfa-Neurode. Dort lagern z.Z. 2.7 Mio Tonnen chemischer Giftmüll. Die Deponie hat eine jährliche Einlagerungskapazität von 200000 Tonnen pro Jahr. Kosten unter 300 EUR pro Tonne. 70 Mitarbeiter bewältigen diese Arbeit. Chemischer Giftmüll ist nicht ungefährlicher als Atommüll. Aber Atommüll ist von der Masse/Volumen verschwindend gering gegen den produzierten und problemlos eingelagerten Giftmüll. Die Suche nach noch einem Lager für Atommüll ist vollkommen unnötig! Bitte, bitte informieren Sie
sich!! Es würde uns viele Milliarden Euro sparen.



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