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17.09.2014

07:22 Uhr

Energiewende

Stromnetzausbau nimmt Fahrt auf

Der schleppende Ausbau der Stromnetze galt lange als Achillesferse der Energiewende. Jetzt kommen die Verfahren langsam in Gang. Auch für die wichtigste deutsche Leitung wird der Antrag demnächst erwartet.

Pfeile zeigen während einer Bürgerinitiative gegen eine geplante Hochspannungsleitung auf den Boden: Erdkabel sollen nun für Akzeptanz sorgen. dpa

Pfeile zeigen während einer Bürgerinitiative gegen eine geplante Hochspannungsleitung auf den Boden: Erdkabel sollen nun für Akzeptanz sorgen.

BonnDer stockende Ausbau der deutschen Stromnetze galt lange als größtes Hindernis der Energiewende. Jetzt kommen die Projekte langsam in Fahrt. „Wir sehen deutliche Fortschritte bei den Verfahren“, sagt der Chef der Abteilung Netzausbau in der Bundesnetzagentur, Heinz-Jürgen Scheid. Bis zur Jahresmitte 2014 seien fast 100 Kilometer Höchstspannungsleitung neu gebaut worden - darunter auch etliche Kilometer für die Verlängerung der umstrittenen „Thüringer Strombrücke“ bis zum Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Bayern, das Betreiber Eon 2015 abschalten will.

Ende September startet mit einer Antragskonferenz in Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern das erste Verfahren nach dem neuen Ausbaugesetz, mit dem die großen Stromautobahnen für die Energiewende realisiert werden sollen. Kernprojekte des Bundesbedarfsplangesetzes sind drei große Stromtrassen in Nord-Süd-Richtung. Insgesamt sollen rund 2800 Kilometer Leitung neu entstehen. Für etwa 1000 Kilometer dieser neuen Höchstspannungsleitungen würden die Anträge der Netzbetreiber noch in diesem Jahr erwartet, sagt Scheid.

Die Klimapolitik der Bundesländer

Rheinland-Pfalz

Mit Rheinland-Pfalz gibt sich das dritte Bundesland ein Klimaschutzgesetz mit festen CO2-Einsparzielen – nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Hamburg

...hat bereits seit 1997 ein Klimaschutzgesetz, das Maßnahmen zum Energiesparen, aber kein eigenes Klimaziel formuliert. Mit einem „Masterplan Klimaschutz“ von 2013 sollen die nationalen Ziele umgesetzt werden.

Berlin

...will bis 2050 klimaneutral werden. Ein Energiewendegesetz liegt im Entwurf vor. Es sieht CO2-Minderungsziele bis 2020 (-40%), 2030 (-60%) und 2050 (-85%) vor (zu 1990) und soll noch in diesem Jahr Senat und Abgeordnetenhaus passieren.

Bremen

...soll Anfang 2015 ein Klimaschutzgesetz bekommen. Im Entwurf steht, dass der CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent sinkt (zu 1990).

Niedersachsen

...hier will Rot-Grün bis „Mitte der Legislatur“ (2015) ein Gesetz vorlegen, die Vorarbeiten laufen. Die Regierung arbeitet auch an einem Klimaziel, ein Runder Tisch soll bis zum ersten Quartal 2015 Ergebnisse liefern.

Schleswig-Holstein

...prüft derzeit das Für und Wider eines eigenen Energiewende- und Klimaschutzgesetzes. Kabinett und Landtag sollen Ende 2014 eine Empfehlung abgeben.

Bayern

...will die jährlichen CO2-Emissionen bis 2020 auf deutlich unter sechs Tonnen pro Einwohner reduzieren. Der Ökostromanteil (Verbrauch) soll bis 2021 auf 50 Prozent steigen.

Sachsen

...hat in einem „Energie- und Klimaprogramm“ festgelegt, dass der jährliche CO2-Ausstoß des Nicht-Emissionshandelssektors bis 2020 um 25 Prozent gegenüber 2009 sinken soll.

Brandenburg

...hat 2012 eine „Energiestrategie 2030“ beschlossen, die festschreibt, dass der CO2-Ausstoß bis dahin um 72 Prozent gesenkt werden soll (zu 1990). Mit einem Vorstoß für ein eigenständiges Gesetz scheiterten die Grünen dieses Jahr im Landtag.

Thüringen

...hier fiel ein Klimaschutzgesetz der Grünen im Juni im Landtag durch. Verschiedene Ziele zur Energieeffizienz und zum Ausbau der erneuerbaren Energien sollen aber helfen, den Treibhausgas-Austoß im Vergleich zu 2010 bis 2020 um 10 Prozent zu reduzieren.

Hessen

...hier hat sich Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag generell auf Klimaziele verständigt. Diese sollen eher nicht mit einem Gesetz, sondern in einem Konzept mit Einzelmaßnahmen umgesetzt werden.

Mecklenburg-Vorpommern

...feilt an einem Landesenergiekonzept, das auf erneuerbare Energien setzt. Vorläufer sind ein Klimaschutzkonzept (1997) und ein Aktionsplan Klimaschutz (2010).

Saarland

...hat ein Klimaschutzkonzept von 2008 und will 20 Prozent des eigenen Stromverbrauchs bis 2020 aus erneuerbaren Energien decken. Ein Einsparziel gibt es nicht. Der Landtag will aber prüfen lassen, ob ein eigenes Klimaschutzgesetz lohnt.

Sachsen-Anhalt

...hält ein solches Gesetz für „überflüssig und kontraproduktiv“ und sieht keinen Sinn in einem Landes-Klimaziel. Das Umweltministerium verweist auf die Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Dazu zählen die rund 300 Kilometer lange, sogenannte Ultranet-Leitung von Osterath bei Düsseldorf bis Philippsburg in Baden-Württemberg und voraussichtlich auch die „Königsleitung“ der Energiewende: Die Verbindung von Wilster nördlich von Hamburg bis Grafenrheinfeld. Sie soll ab Ende 2022 gigawattweise Nordsee-Windstrom nach Bayern bringen.

Bei den länderübergreifenden Neubauprojekten hat die Bonner Netzagentur nach dem 2013 verabschiedeten Gesetz die Genehmigung direkt in der Hand. Bauherr sind die Netzbetreiber. Die Bürger werden viel früher als bisher nach ihren Bedenken gefragt und an neuralgischen Stellen erlaubt das im August novellierte EEG jetzt für alle Gleichstromleitungen trotz maximal zwei bis sieben höheren Kosten in Teilabschnitten die Verlegung der Leitungen unter der Erde. „Das ist kein Allheilmittel, aber bietet große Chancen, die Akzeptanz vor Ort zu verbessern“, sagt Scheid. Dennoch bleibe die Klagefreudigkeit der Deutschen hoch.

Beispiel Großregion Hannover, die von der Leitung von Wilster nach Grafenrheinfeld nach den vorläufigen Planungen der Netzbetreiber direkt berührt wird: Hier sind nicht nur Umweltschützer alarmiert wegen der „Monstertrassen“ und Großleitungen mit bis zu 70 Meter hohen Masten, auch die Politiker des Großraums haben sich parteiübergreifend zusammengeschlossen.

Kommentare (3)

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Herr Erich Görgens

17.09.2014, 10:31 Uhr

Wer führt uns da an der Nase herum?
Unserer Kanzlerin ist Dr. der Physik! Sie weiß was Aufzüge mit Gegengewicht im Idealfall machen, sie sparen 100% Energieverzehr. Ich habe Ihr (und vielen anderen ) mitgeteilt das PE-Drive das auch in der Rotation etwa zum Antrieb und zur Energieversorgung von Generatoren und/oder für eine autarke E-Mobilität auf Straßen, schienen, im Wasser oder in de Luft kann.

Warum wird das ignoriert? Aufzüge sind Stand von Wissenschaft und Technik, Wissenschaftler die das in Frage stellen , disqualifizieren sich selbst.
Für PE-Drive ist ein Funktionsmodell vorhanden. Mit welcher Begründung wird all das "mündigen BürgerInnen" vorenthalten? Völlig unabhängig von meiner Person könnte die Antwort bald aus Asien kommen. Ob das da oben das so wollen? Wenn nicht, warum nehmen wir (und die Presse), die Provokation so hin?

Herr Riesener Jr.

17.09.2014, 11:36 Uhr

Liebe Fachleute der Energiewende, beantwortet mir doch bitte mal folgende Frage.

Es gibt in Deutschland an recht vielen Tagen fast totale Windstille, so dass die Windstromproduktion vernachlässigbar ist. Bleibt unsere tolle Solarenergie.

Aber was passiert, wenn dummerweise zufällig in Kiel die Sonne zurselben Zeit untergeht wie in München, und ausgerechnet dann energiewendenfeindliche Menschen ihr Licht im Haus anschalten? Was nützt mir dann der Stromnetzausbau??


Herr Jens Muche

17.09.2014, 13:01 Uhr

Dieser „Netzausbau“ geschieht, weil Deutschland derzeit von Schilda aus regiert wird und dort Leute sitzen, die nicht begriffen haben, daß verwertbarer Wind etwa 2000 Std/a zur Verfügung steht, das Jahr aber 8760 Std. hat und gegen Abend mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen ist, was die Solarzellen bei ihrer „Stromproduktion“ massiv beeinträchtigt. Die neuen „Stromautobahnen“ sind daher, wie die gesamte „Energiewende“ politisch verordneter Unfug, da diese „Stromautobahnen“ nur zu ca. 25% genutzt werden können. Es ist daher mehr als deutlich zu erkennen, daß die Versorgung des Industriestandortes Deutschland mit elektrischer Energie nicht in die Hände von Ethikkommissionen, besetzt mit Philosophen, Pastoren, Deutschlehrern, Politikwissenschaftlern usw., sondern in die Hände von Physikern, Ingenieuren und Technikern gehört. Die Politik hat dafür den Weg frei zu machen.

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