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14.08.2011

19:55 Uhr

Energiewende

Von wegen Jobwunder

Tausende neue Jobs sollen durch die Energiewende entstehen, jubeln zumindest seit Jahren die Lobbyverbände. In der Realität bleibt das Jobwunder freilich aus.

Die Zahl der Jobs in der Solarindustrie liegt deutlich hinter den Erwartungen. Quelle: dpa

Die Zahl der Jobs in der Solarindustrie liegt deutlich hinter den Erwartungen.

In der deutschen Solarbranche sind nach Berechnungen der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) weitaus weniger Menschen beschäftigt als von Branchenverbänden und Bundesregierung angegeben. Dem Institut zufolge gibt es in der deutschen Fotovoltaik-Branche derzeit lediglich rund 80.000 Arbeitsplätze, wie die „Welt am Sonntag“ berichtete. Das sind rund 40 Prozent weniger als die von den Branchenverbänden der Solarwirtschaft angegebenen 133.000 Arbeitsplätze.

Nach der Erhebung sind rund 75 Prozent der Stellen zudem nicht dem eigentlichen Hightech-Bereich der Zellenfertigung zuzuordnen, sondern dem Handel und dem installierenden Handwerk.

Der Grund für die Abweichung liegt dem Bericht zufolge darin, dass von der Solarlobby auch Handwerker mitgezählt wurden, die nur gelegentlich ein Solarmodul aufs Dach schrauben. Nach den strengeren Maßstäben der Berliner Hochschule jedoch „reicht es im Handwerk nicht aus, dass ein Gewerbe als Zusatzgeschäft auch Solarinstallationen anbietet, sondern es muss nach internationalen Standards mindestens die Hälfte seiner Arbeitszeit darauf Verwenden“, sagte der Energieexperte und HTW-Dozent Wolfgang Hummel der Zeitung.

„Das aber ist nach unseren Stichproben nur bei einer Minderheit der Fall.“ Weil auf Druck der asiatischen Billigkonkurrenz immer mehr Solarunternehmen ihre Fertigung nach Malaysia oder China verlegen, werde es fraglich, ob die Zahl der Stellen in den erneuerbaren Energien den Wegfall im Bereich fossiler und atomarer Energieerzeugung voll ersetzen könnten, sagte Hummel. “Die politische Hoffnung, dass der Aufbau von Arbeitsplätzen im Solar- und Windanlagensektor den Stellenabbau im konventionellen Erzeugungsbereich kompensieren könnte, erfüllt sich nicht.“

Der deutsche Energiemarktführer Eon hatte in dieser Woche den Abbau von bis zu 11.000 Arbeitsplätzen bekannt gegeben und dies zumindest indirekt in Zusammenhang mit den Folgen des Atomausstiegs und der Energiewende in Deutschland gebracht.

Kommentare (30)

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Willie

14.08.2011, 20:26 Uhr

Wundert sich hier jemand?. Das Gerede vom Jobwunder durch alternative Energien war wohl immer nur Wunschdenken und Zweckpolitisierung schon von Rot-Grün.

Auch klar, daß die Energiewende jetzt berechtigter Weise genutzt wird, Ineffizienzen im Gesamtsystem aufzudecken und unnötige (Personal-)kosten zu senken, ganz zu schweigen von den Konversionskosten (Kosten der politisch gegen ökonomische und wissenschaftliche Fakten gewollten Wende von 32Mrd€) und bislang unbekannten Folgekosten.

Industriestandort Deutschland gegen rot-grünen Wunschtraum von dezentralen Kleinkraftwerksnetzen mit "sauberer Energie" und neu aufblühenden Joblandschaften.....

Gut, daß hin und wieder ein paar reale Fakten ans Licht kommen!!!

Profit

14.08.2011, 21:47 Uhr

War doch klar! Dampf- (auch für KKWs) und Gasturbinen bzw. Trafos kommen u.a. noch von Siemens (Mülheim/Berlin) bzw. ABB (Mannheim). Windmühlen und Solaranlagen aus China. Alles klar?!

Michellandbewohner

14.08.2011, 21:52 Uhr

Wie viele Arbeitsplätze wurden wohl durch den "Solarboom" im düsteren Deutschland direkt oder indirekt vernichtet, und wie viele Arbeitsplätze sind gar nicht geschaffen worden, weil es sich wegen hoher Strompreise nicht mehr rechnet. Wieviel Kaufkraft wurde den Menschen entzogen, die wegen explodierender Strompreise andere Ausgaben nicht tätigen können und so die Binnenwirtschaft weiter geschwächt wird?
Wieder eine groteske und fortschrittsfeindliche Sinnlos-Subventionierung und Überförderung, die dem Volk nur schadet und nur die Kassen der chinesischen Hersteller und der Anlagenbetreiber füllt und vom einfachen Stromkunden bezahlt werden muss...
Na ja, aus dem Michel ist noch viel mehr rauszuholen, wie wir wissen...
Über seine Verhältnisse hat er ja gelebt, der Michel, und es geht ihm so gut wie nie zuvor, sogar den Aufschwung hat er nicht mitbekommen, der dumme Michel... tss, tss.

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