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17.09.2012

15:55 Uhr

Energiewirtschaft

Verdi fürchtet Verlust von 20.000 Stellen

Die Krise der deutschen Energieriesen könnten in den nächsten Jahren tausende Jobs kosten. Verdi hat die Sparpläne der Konzerne nebeneinandergelegt und fürchtet erheblichen Personalabbau. Ein Grund ist der Atom-Ausstieg.

Der drohende Stellenabbau bei Eon und Co. macht Verdi Sorgen. dpa

Der drohende Stellenabbau bei Eon und Co. macht Verdi Sorgen.

DüsseldorfDie Gewerkschaft Verdi befürchtet in den nächsten Jahren den Abbau von 20.000 Jobs in der deutschen Energiewirtschaft. Die großen Stromkonzerne planten neben Stellenabbau auch Ausgründungen - etwa im Fall von Eon nach Rumänien, sagte das Verdi-Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott am Montag in Düsseldorf. Betroffen seien im Prinzip alle Standorte, genauere Informationen seien aber erst Ende des Monats zu erwarten.

Für Mitarbeiter künftiger Service-Töchter wolle der Düsseldorfer Eon-Konzern eine Absenkung des Tarifniveaus um bis zu 30 bis 40 Prozent. „Wir fürchten, dass die personellen Qualifikationen, die für die Energiewende nötig sind, jetzt verloren gehen“, sagte Verdi-Energieexperte Reinhard Klopfleisch.

Nach den bisher bekannten Plänen will Eon 6000 Jobs in Deutschland sozialverträglich abbauen, EnBW bis Ende 2013 rund 750 Millionen Euro einsparen, davon 250 Millionen über das Personal. Bei Vattenfall läuft bereits seit 2009 ein Umbauprogramm mit dem Wegfall von 1500 Jobs. RWE hat über den bereits bekannten Abbau von 8000 Stellen hinaus ein neues Sparprogramm und den Abbau von weiteren 2400 Stellen angekündigt.

Die Gewerkschaft kündigte scharfen Widerstand an und forderte stattdessen eine Qualifikationsoffensive für die Mitarbeiter der Energiekonzerne. Die Beschäftigten müssten etwa für die künftigen dezentralen Kraftwerke geschult werden und sich zusätzliche IT-Kenntnisse für die Steuerung intelligenter Netze aneignen. Auch bei der Energieberatung biete die Energiewende große Chancen für mehr Beschäftigung.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Die Energiekonzerne begründen ihre Sparpläne mit dem zunehmenden Wettbewerb im Strom- und Gasvertrieb und sinkenden Margen in der Stromerzeugung, wie etwa RWE-Chef Peter Terium Mitte August gesagt hatte. Die Branche verliert durch den schnellen Atomausstieg Geld. Hinzu kommen hohe Investitionen für den Ersatz der abbezahlten und deshalb lukrativen Alt-Kraftwerke und für die erneuerbare Energie. Kürzungen sind laut Verdi auch bei vielen Stadtwerken zu erwarten.

„Das ist eine neue Qualität. Das haben wir in der Härte und Brutalität noch nie gehabt“, sagte der nordrhein-westfälische Energieexperte der Gewerkschaft, Hans-Peter Lafos, zu den Sparkonzepten.

Insgesamt arbeiten in der deutschen Energiewirtschaft laut Verdi rund 270.000 Menschen. Etwa 100.000 Arbeitsplätze seien seit der Liberalisierung der Energiemärkte 1998 bereits verloren gegangen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Thomas

17.09.2012, 16:31 Uhr

Was Soll man dazu sagen ?!

Grün wirkt ! Die Energie Wende wirkt ! Das ist das große Grüne Job Wunder !

Energie wende das heist.
Die Jobs leiden, die Kosten steigen die Natur und dei Umwelt leidet.
Und zwar mehr als in der ganzen Geschichte der Bundesrepublik.
Abhilfe kann man nur schaffen indem man die Energie Wende beendet und zur Vernünftigen Energie Politik zurückkert.
Es ist absolut Notwendeig das EEG ersatzlos streicht. (also auch kein Quotenmodell wie bei der Ethanol und der Palöl beimischung).
Ich werde der CDU FDP ohnehien wegen der Energie Wende meine Stimme 2013 ferweigern und Sozis wähle ich nicht.

Account gelöscht!

18.09.2012, 10:59 Uhr

Eine Planlose und unkontrollierte Abschalt Orgien von der klar war, das die EE die wegfallenden Arbeitsplätze nicht ansatzweise auffangen können ,die um jeden Preis durchgezogen werden muss , weil im süddeutschen Hügelland ja ein Tsunami eine Kernschmelze einleiten könnte .

Wer damals auf die Straße ging und "abschalten sofort " brüllte hat sich im nachhinein lächerlich gemacht !
Es gab und gibt immer kritische und ernst zu nehmende Realisten die das von Anfang an mit Skepsis sahen und wir sehen heute sie hatten Absolut recht !

Was sollten wir daraus lernen ?

Altmaier ist genauso orientierungslos wie alle seine Vorgänger , egal aus welcher Partei ! Die Deutschen werden zu Versuchskaninchen , was ist möglich ohne das es zu einer Revolte kommt , der bogen wird immer weiter gespannt , nur um zu sehen wann die "Bombe" platzt !
Nun ist gut , schafft dieses überflüssige amt wieder ab , lasst alle noch verfügbaren Kernkraftwerke mit max.Leistung laufen und das auf längere Sicht .
Wenn ihr ein wirklich ausgereiftes und real durchführbares Konzept habt , legt es uns vor, wir werden darüber abstimmen und können vielleicht einen neuen Termin für einen Atomausstieg festlegen .
Aber so nicht liebe Leute !!!

Account gelöscht!

19.09.2012, 17:22 Uhr

Nachdem in D schon 370.000 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energieen arbeiten und mit dem Atomausstieg von Deutschland der Schweiz, Belgien, Spanien und möglicherweise auch Japan die Nachfrage nach Technologie kaum nachlassen wird, werden sicherlich auch die 20.000 Menschen einen neuen Job finden.
Spätesten wenn endlich der Abbruch der Altkraftwerke aus dem Bereich Kernenergie beginnt, brauchen wir Arbeitskräfte in Hülle und Fülle.
Das Gleiche wird geschehen, wenn die Altbefürworter mal den Dreck aus den letzten 52 Jahren Kernenergie wegmachen und es zur Sanierung der bisherigen Endlagerversuche kommt und vielleicht eine wirkliche Lösung gefunden wird.

Wobei ich mir in unserer Demokratieform eine Endlagerung nicht vorstellen kann. Man stelle sich mal vor, Bayern stellt sich als bestes Endlagergebiet heraus und Seehofer überschreitet mit dieser Nachricht die Landesgrenze.

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