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19.01.2011

18:09 Uhr

Energiewirtschaft

Vorfahrt für neue Stromnetze

VonJürgen Flauger, Klaus Stratmann

Ohne neue Stromleitungen keine erneuerbaren Energien. Diese Erkenntnis wird für die Bundesregierung nun zur Richtschnur - der Ausbau der Netze erhält absolute Priorität. Gleichzeitig warnen Branchenkenner davor, den Wandel hin zu den Erneuerbaren zu übereilen.

Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft: Mnister Rainer Brüderle setzt auf einen schnellen Ausbau der Stromnetze. EUROFORUM, Dietmar Gust

Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft: Mnister Rainer Brüderle setzt auf einen schnellen Ausbau der Stromnetze.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will den Ausbau der Stromnetze in Deutschland mit Nachdruck vorantreiben. Brüderle sagte am Dienstag zum Auftakt der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin, auf der Basis eines deutschlandweiten Netzausbauplanes müssten klare Prioritäten für neue Stromleitungen gesetzt werden, Genehmigungsverfahren müssten drastisch verkürzt werden.

Die zusätzlichen Netzkapazitäten werden erforderlich, weil sich die Stromerzeugungsstruktur mit dem rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien grundlegend wandelt. Bis 2050 sollen nach den Plänen der Bundesregierung 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen, derzeit liegt der Anteil bei 16 Prozent. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien klaffen Stromproduktion und-verbrauch räumlich immer stärker auseinander. So gewinnt die Stromerzeugung in Windparks auf hoher See und an der Küste stark an Bedeutung. Der Strom muss von dort in die Verbrauchszentren im Westen und Süden der Republik geleitet werden. Das macht den Bau von Höchstspannungsleitungen quer durchs Land unumgänglich. Außerdem entstehen allerorten kleine, dezentrale Erzeugungseinheiten, etwa Biomassekraftwerke und Photovoltaikanlagen. Auch sie müssen in die Netze integriert werden.

Tausende Kilometer fehlen

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) war Ende vergangenen Jahres in ihrer zweiten großen Netzstudie zu dem Ergebnis gekommen, dass in Deutschland in den kommenden Jahren je nach eingesetzter Technik bis zu 3 600 Kilometer neuer Höchstspannungsleitungen gebaut werden müssen, um die Erneuerbaren zu integrieren. In der Praxis erweist sich der Ausbau oft als schwierig. Viele Projekte stoßen in der Bevölkerung auf Widerstand.

Brüderle hatte Mitte 2010 die Gesprächsplattform "Zukunftsfähige Netze und Systemsicherheit" ins Leben gerufen, die zu einem permanenten Forum ausgebaut werden soll. Die Plattform will alle Akteure aus der Branche, aus Behörden und Ländern, aber auch Naturschützer an einen Tisch bringen.

Die Branche drängt. "Wir haben kaum noch Zeit, um den Netzausbau zu realisieren", sagte Tuomo Hatakka, Chef von Vattenfall Europe, bei der Handelsblatt-Tagung. Hatakka warnte zugleich davor, den Wandel hin zu den Erneuerbaren zu übereilen. Das Problem der hohen Volatilität der Erneuerbaren werde oft unterschätzt. "Massive Überproduktion und deutlicher Mangel wechseln sich ab", warnte er. Es gebe noch keine überzeugende Antwort auf die Frage, wie die starken Schwankungen ausgeglichen werden sollten.

Kommentare (3)

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Andreas

22.01.2011, 22:42 Uhr

Könnten die Höchstspannungsleitungen nicht unte die Autobahnen verlegt werden ? ich frage nichts ungewöhnliches, denn in wenigen Jahren wird das Problem der Elektromobilität geradzu heraufbeschwören, dass neben den Glasfasernetzen unter den Strassen zusätzlich induktionstechnik auf den Autobahnen zum Einsatz kommt. Wenn jetzt gebaut wird, werden die Kosten für eine Verlegung der Elektrizität unter die Autobahnen zusätzlich steigen. Überprüfen sie halt, was den Unterschied macht: heutiger Ausbau der Stromnetzwerke und späterer Einbau von induktionsplatten in die Strassen für die Elektromobilität. Das ist wichtig. Schauen Sie halt unter e-quickie nach. Das ist ein Projekt, das sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Oben in der Suchleiste! Wir haben sonst doppelte Arbeit.

Mariana mayer

22.01.2011, 23:34 Uhr

Man kann schon, andreas nur findet mal Leute die mit Elektro und dieser Technik umgehen können.

Klappt alles wunderbar auf dem Papier, doch wenn es um Praxis und Anwendbarkeit geht, gibt es eine Handvoll Leute die das real umsetzen können. Und die haben nicht unbedingt an der Uni studiert und mit diesen Mafia Arbeitsmethoden hier in Deutschland, in denen zahlreiche fähige Leute vernichtete wurden.

Peter Scholz

23.01.2011, 02:58 Uhr

[1] Andreas,
Hochspannungsleitungen unter der Autobahn funktioniert nicht:

http://www.bfn.de/fileadmin/MDb/documents/themen/erneuerbareenergien/endbericht_ausbau_stromleitung_kueste.pdf

Aber zwischen den Fahrbahnen in wartungszugänglichen abgeschirmten Kanälen mit stickstoffgekühlten Kabeln geht das. Alles eine Frage der zur Verfügung stehenden Materialien. Die USA, Rußland und Japan können derartige Kabel herstellen. Wir noch nicht. Der Michel schläft.

Kommentar zu E-Quicki:

http://www.bps-niedenstein.de/

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