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02.03.2013

16:16 Uhr

Enquete-Kommission

Keine Alternative zum Wachstum

VonPetra Pinzler
Quelle:Zeit Online

Experten und Abgeordnete des Bundestags sollten in einer Kommission nach Alternativen zum Wachstum suchen. Doch obwohl es viele Ideen gab, sie sind gescheitert. Schuld daran war das parteipolitische Kleinklein.

Wirtschaftsprofessor Karl-Heinz Paqué: Nur wenn die Wirtschaft weiter expandiert, wird es dem Land gut gehen. dapd

Wirtschaftsprofessor Karl-Heinz Paqué: Nur wenn die Wirtschaft weiter expandiert, wird es dem Land gut gehen.

Sie hat geglaubt, dass eine andere Art von Politik möglich ist. Damals, vor gut zwei Jahren. Die junge Abgeordnete Daniela Kolbe saß da wie heute. Den Kopf schräg, der Blick abwartend. Sie beendete viele Sätze noch mit Fragezeichen und erzählte ganz offen von ihren Zweifeln: ob es immer weitergehen könne mit unserer Art des Wirtschaftens und dem Wachstum. Ob sie die Lebensqualität der Bürger künftig schützen könne. Wo sich doch die Krisen häuften, auf den Märkten, in der Umwelt, im Sozialen. Zugleich aber hoffte sie: Wenn es gut läuft im neuen Job, hat sie am Ende nicht nur eine Zahl, mit der sich der Wohlstand des Landes besser messen lässt. Sie würde auch wissen, was der Bundestag tun muss. Gegen die Krisen.

Kolbe war damals gerade von einem einfachen Bundestagsmitglied zur Chefin der Enquete-Kommission »Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« befördert worden. Sie, die junge SPD-Bundestagsabgeordnete aus Leipzig, sollte gemeinsam mit anderen Abgeordneten und Experten untersuchen, wie es um das Land und dessen Wohlstand steht. Ob die Politik zu sehr auf Wirtschaftswachstum setzt, das Bruttoinlandsprodukt zu ernst und andere Zeichen nicht ernst genug nimmt. Ob es bessere Indikatoren für Lebensqualität gibt.

In diesen Wochen präsentiert die Kommission ihre Ergebnisse. Klar ist aber schon jetzt: Die neue Zahl gibt es nicht. Man konnte sich auf keine einigen. Die Geschichte von Daniela Kolbe ist also auch die einer enttäuschten Hoffnung. Doch genau deswegen ist sie interessant, zeigt sie doch, warum selbst kluge Leute nur schwer aus gewohnten Denkwelten ausbrechen können. Und warum die Angst vor den großen Krisen im Berliner Politikalltag so wenig verändert hat.

Kommentare (33)

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R.Ruf

02.03.2013, 17:05 Uhr

Man muß weder den Bundestag, noch das parteipolitische Gekungel noch die gegensätzlichen Interessen, die da zum Ausdruck kommen sonderlich ernst nehmen.
Erkenntnisgewinn ist auch wenig zu erwarten, wenn Parteipolitiker sich einer sochen Aufgaben unterziehen.

Die eigentlichen Entscheidungen so oder so, trifft eh nicht die "Politik", schon gar nicht die Politik im Bundestag, die werden woanders getroffen und executiert.

Ludwig500

02.03.2013, 17:10 Uhr

Wachstum? Das war doch das, was wir verdammt noch mal schaffen müssen, um die vielen Billionen Kreditzinsen zumindest theoretisch zurückzahlen zu können, damit noch mehr Kreditgeld erzeugt werden kann, damit die arbeitende Bevölkerung noch mehr schuftet, damit die Reichen noch mehr im Schlaf verdienen.

Wer aufhört, dem Götzen Wachstum zu huldigen, stellt unser Geldsystem infrage. Undenkbar. Die Mühe hätten sich die Politfreaggles gleich sparen können.

FlyingDutchman

02.03.2013, 17:19 Uhr

Warum bedarf es immer weiterem Wachstum? Warum immer "höher, schneller, weiter", was unseren Kindern spätestens ab dem Kindergarten eingeimpft wird?

Ist (evolutionsbedingte) Angst vielleicht die Haupttriebfeder dahinter?

Man schliesse nur mal kurz die Augen und lässt alles mal gedanklich an sich vorbeiziehen, stelle sich vor, wie es wäre, wenn es nicht diesen Wachstumswahn gäbe. Was man alles nicht tun müsste und was man dafür gewinnen würde.

Für mich ist die Frage eher, wann wir endlich erkennen, dass "sein" wichtiger als "haben" ist und auf Dauer glücklicher macht. Das wir keine 10 paar Schuhe/Anzüge/Pullover etc. brauchen, dass wir tonnenweise zuviel Essen kaufen, um es dann wegzuschmeissen, dass wir mit Ressourcen umgehen als ob es kein Leben nach uns gibt (z.B. Fracking), nicht mehr als vielleicht 2-3 Krankenkassen/Banken/Autohersteller/Stromanbieter etc. brauchen.

Was muss passieren, dass dieser Wachstumswahn gestoppt wird? Muss es erst ordentlich knallen?

Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt...

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