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05.03.2013

16:26 Uhr

Entscheidung des Aufsichtsrats

Bahn baut Stuttgart 21 weiter – trotz Kostenexplosion

Die Bahn kann das umstrittene Projekt Stuttgart 21 trotz massiver Kostensteigerungen fortsetzen. Der bundeseigene Konzern erhielt das Okay des Aufsichtsrats. Aber nicht alle Kontrolleure stimmten für den Weiterbau.

Die Baugrube vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. dpa

Die Baugrube vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof.

BerlinDie Deutsche Bahn wird das umstrittene Milliarden-Projekt Stuttgart 21 weiterbauen. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns machte dem Vorstand dafür trotz der Kostenexplosion beim Bau des unterirdischen Bahnhofs den Weg frei. Es habe eine Enthaltung und eine Gegenstimme gegeben, sagten Mitglieder des 20-köpfigen Gremiums am Dienstag zu Reuters.

Mit den von der Bahn berechneten Kosten von bis zu 6,5 Milliarden Euro liegt der Bau nun um rund zwei Milliarden Euro über dem Rahmen, der mit den Projektpartnern wie Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart vereinbart wurde. Diese weigern sich, die Mehrkosten mitzutragen. Für die Bahn ist Stuttgart 21 damit zwar unwirtschaftlich. Allerdings machten die Kosten für einen Ausstieg von mindestens zwei Milliarden Euro den Weiterbau dennoch sinnvoll, argumentiert das Unternehmen.

Wie die Kosten bei Großprojekten explodieren

Stuttgart 21

Ursprüngliche Planung 1995:     2,45 Mrd. Euro

Zwischenstand 2008:                     2,8 Mrd. Euro

Zwischenstand 2010:                     4,53 Mrd. Euro

Aktuelle Schätzung 2013:           6,8 Mrd. Euro (5,6 Mrd. Euro + 1,2 Mrd. Euro Risiken)

Quelle: Bund der Steuerzahler

Hamburger Elbphilharmonie

Ursprüngliche Planung 2005:     77 Mio. Euro

Zwischenstand 2006:                     114,3 Mio. Euro

Zwischenstand 2008:                     323,3 Mio. Euro

Aktuelle Schätzung 2013:           575 Mio. Euro

Quelle: Bund der Steuerzahler

Flughafen Berlin-Brandenburg (BER)

Ursprüngliche Planung:                2,4 Mrd. Euro

Aktuelle Schätzung:                     mind. 4,3 Mrd. Euro

Quelle: Bund der Steuerzahler

"Mit dem heutigen Kenntnistand würde man das Projekt nicht beginnen, sehr wohl aber fortführen", heißt es in Konzernunterlagen für den Aufsichtsrat. Der Vorteil des Weiterbaus liege aber lediglich bei gut 70 Millionen Euro. In Betrieb gehen wird die unterirdische Durchgangsstation frühestens Ende 2022, drei Jahre später als einst vorgesehen.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, Anton Hofreiter (Grüne), kritisierte die Entscheidung des Aufsichtsrats scharf: "Der Beschluss ist ein Skandal." Das Zahlenwerk, das der Vorstand vorgelegt habe, werde rasch überholt sein. "Dies wird die erneute Prüfung durch den Bundesrechnungshof ergeben, die in den nächsten Monaten vorgelegt wird." Kanzlerin Angela Merkel habe das Thema nur aus dem Wahlkampf heraushalten wollen - koste es, was es wolle.

Kommentare (13)

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Michael

05.03.2013, 15:13 Uhr

Ich bin sprachlos. Auch wenn ich es erwartet habe.

Account gelöscht!

05.03.2013, 15:16 Uhr

Und wenn Stuttgart21 dann vielleicht, so ca. 2030n fertig gestellt ist, dann werden die Kosten bei mindestens 10 Milliarden liegen. Aber, wie alles, was hohe Kosten verursacht, ist das natürlich alternativlos.

kfvk

05.03.2013, 15:43 Uhr

Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. Jetzt wird der Punkt zementiert, ab dem dann wirklich ein Abbruch teurer wird als Augen zu und durch.

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