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30.07.2011

03:48 Uhr

Entwicklungsminister

Somalia-Hilfe sollte auch aus Arabien kommen

Die Vereinten Nationen haben eine Luftbrücke etabliert, um die Menschen in Somalia vor dem Hungertod zu retten. Doch aus der arabischen Welt scheint keine Hilfe zu kommen. Anlass zur Kritik für Entwicklungsminister Niebel.

Entwicklungsminister Niebel fordert die reichen arabischen Staaten zu Somalia-Hilfe auf. Quelle: Reuters

Entwicklungsminister Niebel fordert die reichen arabischen Staaten zu Somalia-Hilfe auf.

BerlinEntwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat die reichen arabischen Staaten aufgefordert, endlich Hilfe für die hungernden Menschen in Somalia zu leisten. Von diesen Staaten „war bisher noch nichts zu hören“, kritisierte Niebel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

„Ich bin schon sehr verwundert darüber, dass die Masse aller Hilfszusagen aus Europa und Nordamerika kommen.“ Auch die betroffenen Länder Kenia, Äthiopien und Uganda engagieren sich. „Aber von den reichen arabischen Staaten, den muslimischen Staaten, gerade den Golfstaaten ist noch nicht erkennbar, dass sie ihren Glaubensbrüdern und -schwestern irgendeine Hilfe zukommen lassen. Das halte ich für sehr bedenklich. Und ich wundere mich, wo hier die Mitmenschlichkeit ist.“

Niebel appellierte an die Golfstaaten inklusive Saudi-Arabien, „ihrer Verantwortung gerecht zu werden, und mit ihren großen finanziellen Möglichkeiten dazu beizutragen, dass die armen Menschen insbesondere in Somalia, aber auch in den Nachbarländern nicht dem Hungertod anheimfallen“.

Die Situation in Somalia sei verworren. Es sei nicht klar, ob die Milizenführer tatsächlich Hilfe zulassen oder nicht. „Wichtig ist daher, dass die Afrikanische Union den politischen Dialog mit den (islamistischen) Al-Schabaab-Milizen sucht. Das heißt nicht, dass man sie politisch anerkennt. Aber man muss den Fakt anerkennen, dass sie über weite Teile Somalias schlichtweg militärische Gewalt ausüben.“

Mit Blick auf den Wiederaufbau des Landes nach der derzeitigen akuten Hungersnot sagte der Minister: „Ich bin sicher, dass gerade vor dem Hintergrund des islamistischen Terrors in Somalia eine Einbeziehung der arabischen Staaten, der muslimischen Staaten zwingend notwendig ist.“ Und dies auch deswegen, „weil es ohne Bildungs- und Infrastrukturmaßnahmen, die viel Geld kosten werden, keinen Fortschritt geben kann. Hier besteht gerade bei den arabischen Staaten ein großes Eigeninteresse, für mehr Stabilität am Horn von Afrika zu sorgen.“ Mit dem Jemen werde gerade versucht, ein anderes arabisches Land nicht untergehen zu lassen. „Das haben wir in Somalia verpasst. Da muss jetzt nachgearbeitet werden.“

Auch US-Präsident Barack hat am Freitag eine internationale Reaktion auf die sich abzeichnende Hungerkatastrophe in Ostafrika angemahnt. Auch sein Land habe dem Problem bislang nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet, räumte Obama nach einem Treffen mit den Präsidenten von Benin, Guinea, der Elfenbeinküste und Niger im Weißen Haus ein.

Obama nahm ebenfalls die afrikanischen Länder in die Pflicht. „Wir werden Zeuge, wie sich am Horn von Afrika eine Hungersnot ausbreitet, vor allem in Somalia“, erklärte er. „Das wird eine internationale Reaktion erfordern. Und auch Afrika wird seinen Beitrag leisten müssen, um sicherzustellen, dass zehntausende Menschen nicht verhungern.“

Von

dpa

Kommentare (7)

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FingerpointersPunkt

30.07.2011, 06:22 Uhr

"Sehr geehrter Herr Niebel,
am 28. Oktober 2009 haben Sie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, welches Sie noch während des Wahlkampfes abschaffen wollten, übernommen.
Ihre "Halblegislaturbilanz" ist verheerend.
Wie fühlen Sie sich, mit einem prall gefüllten Geldbeutel, wohlgenährt und in jeder Sitzung mit ausreichend Wasser leckeren belegten Brötchen und Broten und der Rückendeckung der Lobbyistenverbände, angesichts verhungernder Kinder und ihren verhungernden Eltern.

Ist es möglich, dass Ihnen das alles egal ist? Was haben Sie bis heute geleistet? Fliegen Sie doch mal für drei Monate nach Ostafrika, niemandem hier wird das auffallen, ausser vielleicht der Wirtschaftslobby, an deren Tropf Sie hängen.
Weg von Ihrem unnützen Ressortparkplatz! Eine kleine Entzugskur von den Lobbyverbänden. Am besten nehmen Sie von denen gleich ein paar Millionen für die Verhungernden mit. Mit den gesammelten Eindrücken und Erfahrungen können Sie dann die nächsten zwei Jahre nochmal richtig durchstarten geben.

Oder ist Ihnen das doch zu unbequem oder gar zu gefährlich? Sind Sie gar nur ein Blender, der sich zu Wort melden möchte, um zu zeigen, dass es ihn noch gibt?

Was meinen Sie wie es den Hilfsorganisationen vor Ort geht, die von Politikern und verfehlter Entwicklungspolitik im Stich gelassen werden?
Die verfehlte Entwicklungspolitik auch im Sinne des nicht vorhandenen politischen Umbaus totalitärer Staaten mit verantwortlich.
Die Menschen in Deutschland erwarten mehr von Ihnen, als belegte Brötchen zu essen und rumzulabern, während in Ostafrika Millionen Menschen verhungern."

"Sie betreiben populistisches Fingerpointing auf Golfstaaten und Saudi Arabien und versuchen von Ihrer desaströs erfüllten Aufgabe abzulenken!
Fliegen Sie einfach mal mit Ihrem Parteifreund Guido Westerwelle nach Somalia und verhandeln Sie mit den Al-Schabaab-Milizen.
Beweisen Sie, dass Sie Ihr Bezüge tatsächlich verdienen!"

petra

30.07.2011, 08:59 Uhr

Deutschland kann nicht die ganze Welt retten!

marco

30.07.2011, 11:48 Uhr

@fingerpointersPunkt es ist gut zu wissen, dass es noch Menschen gibt, die das schmutzige Spiel vom Herrn Niebel durchschauen. Dem seine Parteigenossen und sein Fuhrpark näher stehen, als die Not tausender hungernder Kinder.

@petra, ihre Aussage ist dermaßen ignorant, denn es wäre ein leichtes das auf dieser Welt niemand mehr hungern muss! Anscheinend haben sie keine eigenen Kinder, denn keine Mutter würde so einen Schwachsinn von sich geben.

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