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10.10.2016

16:12 Uhr

Entwicklungspolitik

Fragwürdige Hilfe

VonMartin Lechtape

Die Kanzlerin verspricht in Afrika mehr Entwicklungshilfe – und will damit auch die massenhafte Abwanderung nach Europa stoppen. Doch die Finanzspritzen haben die gegenteilige Wirkung – und wecken falsche Hoffnung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Niger. Sie verspricht dem Land Unterstützung. dpa

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Bundeskanzlerin Angela Merkel im Niger. Sie verspricht dem Land Unterstützung.

DüsseldorfModerne Trecker für äthiopische Bauern oder Schulbücher für Kinder in Nepal – Deutschland gab im vergangenen Jahr 18 Milliarden Euro für Entwicklungshilfe aus, rund zwei Prozent des Bundeshaushaltes. Nur die USA und Großbritannien zahlten mehr. Gleichzeitig erlebte Deutschland 2015 die größte Einwanderungswelle seit dem zweiten Weltkrieg. Auf der Liste der zehn größten Herkunftsländer stehen, neben dem Bürgerkriegsland Syrien, Serbien, Afghanistan und Albanien.

Deutschland pumpt seit Jahren milliardenschwere Entwicklungspakete in die Länder. Allein Afghanistan bekam in den vergangenen sechs Jahren mehr als 2,5 Milliarden Euro. Trotzdem setzten sich die Menschen in Schlauchboote und trieben massenhaft über das Mittelmeer, um vor Armut und Perspektivlosigkeit in ihren Ländern zu fliehen.

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Entwicklungshilfe galt lange als Nischenthema für Dauerbetroffene mit Helfersyndrom. Das hat sich radikal gewandelt. Spätestens seit der Flüchtlingskrise steht die deutsche Entwicklungshilfe unter einem neuen Leitmotiv.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kehrte am Montag von ihre Afrikareise zurück. Knapp drei Tage reiste sie quer über den afrikanischen Kontinent und machte den Ländern neue Versprechen für deutsche Entwicklungshilfe. Der Republik Niger würden im kommenden Jahr 17 Millionen Euro an direkten Hilfen und 60 Millionen Euro an Verpflichtungsermächtigungen zur Verfügung gestellt, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an.

Dabei sind sich die meisten Wissenschaftler inzwischen einig: Entwicklungshilfe kann die Migration nicht verhindern – es verstärkt sie sogar, so eine Studie der OECD. Denn Auswandern ist teuer. Die Migranten müssen Schlepper, Flüge und Zugtickets bezahlen.

Die ärmsten der Armen können sich das nicht leisten und es sind vor allem die Angehörigen der unteren Mittelschicht, die eine Überfahrt nach Europa überhaupt bezahlen können. Durch die Entwicklungshilfe steigt der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe. Bei einem Jahresgehalt von 1.500 bis 8.000 Dollar sei die Migrationsrate am höchsten – so das Ergebnis einer Studie des Schweizer Thinktank „Forum Außenpolitik“.

Dabei ist der Migrationstrend für die Entwicklungsländer nicht unbedingt schlecht. Wenn die Menschen einen Job in einer reichen Industrienation finden, schicken sie einen großen Teil ihres Gehalts an ihre Familien in die Heimat. Laut Weltbank überwiesen Migranten im vergangenen Jahr rund 430 Milliarden Dollar zurück an ihre Familien. Zum Vergleich: Für Entwicklungshilfe bekamen die Entwicklungsländer im vergangenen Jahr von allen Geberländern nur 130 Milliarden Dollar.

Kommentare (12)

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Herr Peter Delli

10.10.2016, 16:29 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Old Harold

10.10.2016, 16:34 Uhr

Es ist völlig unsinnig, Gelder mit der Gießkanne über die 3. Welt auszuschütten.

Sinnvoll ist einzig und allein, Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren. Direkt und an keine staatlichen Stellen, damit das Geld auch bei denjenigen ankommt, die bereit sind, mehr daraus zu machen.

Exemplarisch sei da nur kiva.org genannt. Die organisieren die Vergabe von Kleinkrediten an Bauern, Einzelhändler, o.ä., die ihr Geschäft mit sinnvollen Maßnahmen stärken und ausweiten wollen.

Jeder von uns kann dort bereits mit rund 25 € und bei exakt beschriebenen Empfängern und deren Projekten helfen.

Frau Lana Ebsel

10.10.2016, 16:38 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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