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22.11.2012

13:10 Uhr

Entwicklungspolitik

Wie Deutschland an den Armen verdient

VonMaike Freund

Der Bundestag beschließt den Etat für Entwicklungshilfe für 2013. Das Geld reiche nicht, sagt ein Experte. Denn die Mittel würden längst nicht mehr nur zur Bekämpfung der Armut genutzt – sondern zur Handelsförderung.

Ein Mädchen im größten Slum der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. ap

Ein Mädchen im größten Slum der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.

Düsseldorf6,3 Milliarden Euro, um die Armut zu bekämpfen. Um hungernde Kindern zu ernähren, um Kranke zu behandeln, um Menschen Zugang zu Wasser zu ermöglichen. 6,3 Milliarden Euro – das ist das Budget des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für 2012. Gestern wurde der Etat für 2013 im Bundestag verhandelt. Erst gab es Streit um Kürzungen. Dann einigten sich die Abgeordneten auf den Etat von wiederrum 6,3 Milliarden Euro. Mittel, die den Ärmsten zu Gute kommen sollen. Doch das stimmt nicht so ganz. Denn ein Teil der Entwicklungshilfe fließt direkt in die deutsche Wirtschaft.

„Entwicklungshilfe geht mit Export einher“, sagt Axel Dreher, Professor für Internationale Wirtschafts- und Entwicklungspolitik an der Uni Heidelberg. Das bedeutet: Durchschnittlich geht mehr Geld aus dem deutschen Topf der Entwicklungshilfe an Länder, die mehr deutsche Güter importieren. Dahinter steht der Gedanke, dass sich Entwicklungshilfe für die Geberländer lohnen soll. Das machte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel schon bei seinem Amtsantritt klar.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel in Afghanistan.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel in Afghanistan.

„Das ist nicht per se schlecht“, sagt Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe. Ein negativer Effekt sei jedoch, dass deshalb prinzipiell vor allem „good performer“, also Länder mit wirtschaftlich guten Aussichten eine Chance auf Kredite hätten. Das kritisiert auch der heute vorgestellte Bericht von Welthungerhilfe und Terre des Hommes.

Auch Mischfinanzierung, also die Koppelung von Geldern des BMZ und der KFW-Bank, so Jamann, sei ein Mittel, das immer mehr zunehme, das aber vor ebenfalls allem Schwellenländern zu Gute komme. Die ärmsten Länder würden dabei mehr und mehr vergessen. Ein stagnierendes Entwicklungshilfebudget tue das Übrige.

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„Auf der Liste der Länder, die von Deutschland gefördert werden, sind viele Länder, die aus politischen Gründen Geld bekommen“, sagt Jamann. Afghanistan sei der größte Hilfsempfänger, ein weiter ist der Jemen. „Und doch gibt es eben auch eine Reihe von Ländern, die aus rein wirtschaftlichen Interessen gefördert werden. Zum Beispiel Namibia oder Indien.“

Gerade Indien sei ein komplexes Beispiel, sagt Jamann. „Indien ist ein sogenannter Boom-Staat“, ein Schwellenland, in dem die Schere zwischen Arm und Reich extrem auseinanderklaffe. „Der Technologieaustausch, von dem die deutsche Wirtschaft direkt profitiert, funktioniert sicherlich sehr gut“, sagt Jamann. Aber man müsse ganz genau hinschauen, wem die Investitionen aus dem Entwicklungshilfeetat zu Gute kämen. Bestimmte Bevölkerungsgruppen würden hinten überfallen. Dort sei die Armut umso größer und sie könne eben nicht mit Hilfe eines guten Investitionsplanes beseitigt werden.

Kommentare (11)

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grenanke

22.11.2012, 13:32 Uhr

Als würde der Handel nicht die Armut bekämpfen.
Dass man sowas in einer WIRTSCHAFTSzeitung zu lesen bekommt ist purer Wahnsinn.

Gerade der Handel ist die einzig vernünftige Lösung. Die einzig vernünftige Möglichkeit die Armut zu bekämpfen.

Wieso auch einfach so Geschenke verteilen? Gab ja keine Naturkatastrophe oder ähnliches.

Steuerschaetzer

22.11.2012, 14:18 Uhr

Entwicklungshilfe ist sicher ein schwieriges Terrain und ob man damit letztendlich Gutes bewirkt, kann lang diskutiert werden. Welch seltsame Denke aber "Experten" entwickeln, das lässt sich an der Aussage von Prof. Dreher fstmachen.
"Professor Dreher kennt weitere Beispiele für Gelder aus der Entwicklungshilfe, die Deutschland gar nicht verlassen. Bei der Katastrophenhilfe würden die Güter, die dafür benötigt würden, natürlich meist deutsche Unternehmen liefern, sagt er."

Also das ist dann wohl seiner Meinung nach "schlechte Entwicklungshilfe", da die Gelder In Deutschland bleiben. Und was ist mit den Gütern, die in das Katastrophenland gehen? Alles "Mist", Herr Professor? Die sind dort doch sicher notwendig und werden von der Bevölkerung gerne genommen, oder? Was für Denke wird hier verbreitet und was lehrt dieser Professor dann seinen Studenten?

PubliusAeliusHadrianusOlympios

22.11.2012, 14:44 Uhr

'Entwicklungshilfe' ist nicht selten eine perverse EU-Wrtschaftspolitik, die allzuhäufig nur die eigenen Pfründe sichern soll. Der Westen und speziell Deutschland, England, Frankreich, Holland haben eine historische Schuld an der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation vieller 'Entwicklungsländer'. Auch das christliche 'Rom' hat dies zu spät erkannt und ist letztendlich an dieser Fehlentwicklung gescheitert.

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