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22.01.2010

17:06 Uhr

Erdgas

Branche pocht auf lange Verträge

VonJürgen Flauger, Klaus Stratmann

Erdgas ist billig geworden, wie Ballast erscheinen da die langfristigen Lieferabkommen der deutschen Versorger und auch die Koppelung an den Ölpreis steht in der Kritik. Doch die Branche warnt: Wer Versorgungssicherheit will, muss weit über den Tag hinaus denken.

Russland ist der größte Erdgasimporteur Deutschlands. Langfristige Verträge sollen dafür sorgen, dass das auch so bleibt. Reuters

Russland ist der größte Erdgasimporteur Deutschlands. Langfristige Verträge sollen dafür sorgen, dass das auch so bleibt.

BERLIN. Der weltgrößte Gasproduzent Gazprom lässt trotz der gegenwärtigen Krise auf dem Markt nicht an seinem System der an den Ölpreis gekoppelten Lieferverträge rütteln. "Der Nutzen von langfristigen Verträgen ist hoch", sagte Vizechef Alexander Medwedjew gestern auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2010. "Sie geben Verlässlichkeit für Investitionen in zusätzliche Kapazitäten." Man dürfe wegen der gegenwärtigen Entwicklung nicht die langfristige Strategie infrage stellen. Auch seien alle Forderungen, die Koppelung an den Ölpreis aufzugeben, "unrealistisch". Unterstützung bekam er dabei von den Chefs der großen Importeure Eon Ruhrgas, Bernhard Reutersberg, und Wintershall, Rainer Seele.

Die Befürworter langfristiger Lieferverträge argumentieren mit der Versorgungssicherheit: Gerade ein Land wie Deutschland mit seiner hohen Abhängigkeit von Gas- und Ölimporten müsse ein Interesse daran haben, Gaslieferanten langfristig an sich zu binden, um zu jeder Zeit eine lückenlose Versorgung mit dem knappen Gut Erdgas zu gewährleisten. Deutschland bezieht den allergrößten Teil des Erdgases aus nur drei Ländern: aus Russland (37 Prozent), Norwegen (26 Prozent) und den Niederlanden (19 Prozent).

Doch mittlerweile hat sich der Gasmarkt komplett gewandelt. Durch die Wirtschaftskrise ist der Verbrauch in Europa um rund sechs Prozent eingebrochen. Gleichzeitig drängen unerwartet große Mengen an verflüssigtem Gas (LNG) nach Europa, da die USA wegen neuer Fördertechniken mehr eigenes Gas gewinnen können und als Importeur von LNG deutlich an Bedeutung verloren haben. Durch das Überangebot an LNG ist der Preis im Spotmarkt eingebrochen. Dieser liegt zum einen erstmals deutlich unter dem Ölpreis, der schon wieder kräftig gestiegen ist.

Zum anderen ist er auch deutlich geringer als die Preise, die Importeure an der Grenze für per Pipeline beispielsweise aus Russland importiertes Gas bezahlen müssen. Diese orientieren sich schließlich an langfristig mit den Produzenten vereinbarten Preisformeln, die in der Regel an den Ölmarkt gekoppelt sind. Die Marktentwicklung der vergangenen Monate hat vor allem die Importeure in Schwierigkeiten gebracht. Sie bringen nicht mehr alle Mengen im Markt unter, weil sich Kunden verstärkt am Spotmarkt bedienen oder die Preise in den Verhandlungen mit den Importeuren drücken.

Kommentare (1)

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Denkerist

22.01.2010, 20:23 Uhr

betreffs KKW: Keiner in Deutschland zweifelt doch daran, daß die FDP die KKW länger laufen lassen wird. 500.000€ Reingewinn/Tag und KKW wenns erst mal abgeschrieben ist- da bleibt doch sicherlich noch Geld für eine Spende an die FDP bzw. deren Mitglieder übrig.

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