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07.05.2013

06:49 Uhr

Erfahrungsaustausch

Frauen in Spitzenpositionen sprechen bei Merkel vor

75 weibliche Führungskräfte aus Firmen, Kultur, Verwaltung und Forschung kommen heute ins Kanzleramt. Es geht um die Förderung von Frauen. Vor dem Treffen äußerte sich Familienministerin Schröder erneut zur Frauenquote.

Unter Frauen: Angela Merkel bekommt Besuch von weiblichen Führungskräften. dpa

Unter Frauen: Angela Merkel bekommt Besuch von weiblichen Führungskräften.

BerlinVor dem Erfahrungsaustausch von Kanzlerin Angela Merkel mit Frauen in Führungspositionen hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ihre Ablehnung von festen Frauenquoten bekräftigt. „Von der Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen sind nur wenige Frauen betroffen“, sagte die CDU-Politikerin der „Passauer Neuen Presse“. „Die entscheidende Frage wird sein, ob wir uns trauen, die Arbeitsbedingungen – übrigens auch oft das Arbeitsrecht – so zu ändern, dass Menschen mit Familie auch Karriere machen können.“ Das werde am Ende für Millionen arbeitender Frauen viel wichtiger sein als die Debatte, welche Quote wann ganz oben erreicht sein müsse.

Beim Treffen am heutigen Dienstag im Kanzleramt soll darüber diskutiert werden, wie es mehr Frauen in leitende Funktionen von Wirtschaft und Gesellschaft schaffen können. Dazu werden 75 weibliche Führungskräfte aus Firmen, Kultur, Verwaltung und Wissenschaft sowie 30 junge Frauen erwartet. Eine feste Frauenquote in Aufsichtsräten hat die schwarz-gelbe Koalition im Bundestag kürzlich abgelehnt. Die Union will eine 30-Prozent-Quote ab 2020 ins Wahlprogramm aufnehmen.

Pro Frauenquote

Zu wenige Frauen

In den Führungspositionen der großen Unternehmen in Deutschland sind Frauen immer noch eine kleine Minderheit. In Aufsichtsräten sind sie durchschnittlich etwa zu zwölf Prozent und in Vorständen nicht einmal zu 5 Prozent vertreten.

Freiwillig funktioniert nicht

Die Quoten-Befürworterinnen argumentieren, dass alle Freiwilligkeit und Selbstverpflichtung der von Männer dominierten Chefetagen den Frauenanteil in den Spitzengremien nicht wesentlich erhöht hat. Sie verlangen, dass Frauen auch dort die im Grundgesetz geschützte gleiche Teilhabe ermöglicht wird.

40 Prozent bis 2020

Ohne eine vom Gesetzgeber vorgeschriebene Quote sehen die Befürworter keine Chance für Gleichberechtigung. Die EU-Kommission strebt bis 2020 europaweit für alle Aufsichtsräte großer Unternehmen eine Frauenquote von 40 Prozent an.

Schröder lehnt eine gesetzliche Quote seit langem strikt ab. Sie setzt ihr Flexi-Quoten-Modell dagegen, das die Wirtschaft verpflichten will, sich selbst eine Frauenquote aufzuerlegen. Die Ministerin sagte der „Passauer Neuen Presse“, es müsse viel stärker um die mittleren Führungsebenen gehen. „Dafür müssen wir in dieser Gesellschaft ein neues Verständnis von Arbeitszeiten entwickeln. Immer noch wird allzu oft erwartet, dass vor allem Führungskräfte nur gut sein können, wenn sie 70 bis 80 Stunden pro Woche arbeiten.“

Contra Frauenquote

Leistung statt Gesetz

Viele Top-Frauen in der deutschen Wirtschaft lehnen eine Quote ab, weil Frauen wegen ihrer Leistung bis an die Spitze der Unternehmen befördert werden wollen - aber nicht, um damit gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.

Angst vor Kuchen

Öffentlich äußern sich dazu Managerinnen oder Aufsichtsrätinnen allerdings selten, weil sie Anfeindungen fürchten - besonders von Frauen. „Es bringt nichts - außer, dass Sie drei Kuchen ins Gesicht bekommen“, sagt eine DAX-Aufsichtsrätin, die namentlich nicht genannt werden möchte.

Förderung durch Vorbilder

Wichtiger als eine vorgeschriebene Frauenquote für Frauen an der Spitze ist aus Sicht der Aufsichtsrätin eine gezielte Frauenförderung auf allen Ebenen des Unternehmens. „Junge Frauen wollen Vorbilder“, sagt sie.

Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der DAX-30-Unternehmen lag dem Bericht zufolge Ende März bei 21,1 Prozent. In den Vorständen waren laut Bundesfamilienministerium Frauen zu 7,7 Prozent vertreten. Im Familienministerium seien inzwischen 43 Führungskräfte weiblich, was einem Frauenanteil von 51,2 Prozent entspreche.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.05.2013, 11:57 Uhr

Hier gibt es einen interessanten Artikel, der erklärt, warum es bei der steigenden Bedeutung von Frauen in Führungspositionen mehr Entwicklung und Unterstützung auf den unteren Unternehmensebenen bedarf http://www.atkearney361grad.de/girl-power-and-governance/

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