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13.04.2011

17:46 Uhr

Ergebnis der Plagiats-Prüfung

Guttenberg beugt sich dem Druck

Guttenberg vollzieht in der Plagiatsaffäre um seine Dissertation einmal mehr eine Kehrtwende: Der Ex-Verteidigungsminister lässt die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse der Universität Bayreuth nun doch zu.

er ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Quelle: dapd

er ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

BerlinZwar berühre die Frage die Persönlichkeitsrechte Guttenbergs, "gleichwohl stimmt unser Mandant der Veröffentlichung der Kommissionsergebnisse zu", erklärten Guttenbergs Anwälte Alexander Graf von Kalckreuth und Klaus Leipold am Mittwoch in Berlin. Entgegen anderslautender Medienberichte habe Guttenberg weder eine Klage gegen die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse angedroht noch eingereicht.

Mehrere Zeitungen hatten berichtet, Guttenberg wolle nicht zulassen, dass die Untersuchung seiner Dissertation veröffentlicht werde. Die Universität Bayreuth gehe davon aus, dass Guttenberg beim Verfassen seiner Dissertation absichtlich getäuscht habe. Die Kommission, die den Plagiatsfall prüfe, habe ihre Arbeit weitgehend abgeschlossen. Der offizielle Bericht solle Ende April fertig sein.

Guttenberg war Anfang März von allen Ämtern zurückgetreten. In den Wochen zuvor war bekanntgeworden, dass seine Doktorarbeit zahlreiche Passagen enthält, die von anderen Autoren übernommen, aber nicht als Zitate gekennzeichnet worden waren. Guttenberg selbst sprach von handwerklichen Fehlern, die Opposition warf ihm gezielte Täuschung vor.

Guttenberg muss wegen der Plagiataffäre indes keinen Strafantrag vom Bundestag befürchten. "Der Bundestagspräsident hat den Ältestenrat in seiner letzten Sitzung davon unterrichtet, dass dafür keine Notwendigkeit besteht", sagte Bundestagssprecher Guido Heinen dem Berliner "Tagesspiegel". Eine nähere Begründung gab es aus dem Büro von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nicht.

Für seine Dissertation soll Guttenberg auch den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages missbraucht haben. Der Bundestag ist als Rechteinhaber der Ausarbeitungen des Dienstes berechtigt, bei möglichen Urheberrechtsverstößen einen Strafantrag zu stellen.

Nach dem adligen CSU-Politiker war zuletzt auch die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin in Verdacht geraten, in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Die Universität Heidelberg untersucht derzeit mit Hochdruck entsprechende Vorwürfe. Der Promotionsausschuss der philosophischen Fakultät habe erste Schritte eingeleitet, um Koch-Mehrins Doktorarbeit zügig zu überprüfen, sagte eine Uni-Sprecherin.

Sollte sich der Verdacht erhärten, werde die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments um eine Stellungnahme gebeten, teilte ihre alte Hochschule mit. Die Untersuchung der 227-seitigen Dissertation werde aber eine Weile dauern. Mit einem Ergebnis wird nach Ostern gerechnet. Die FDP-Politikerin hatte am Dienstagabend über ihren Sprecher in Brüssel ausrichten lassen, sie wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" zufolge soll Koch-Mehrin auf mindestens 20 Seiten ihrer Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" abgekupfert haben.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg leitete unterdessen ein Überprüfungsverfahren wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen ein. Bisher gebe es aber keinen Anfangsverdacht einer Straftat und damit auch kein Ermittlungsverfahren, sagte ein Sprecher.

Kommentare (5)

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Hans

13.04.2011, 18:15 Uhr

"Young Leader" - Hahaha ...

Der Mann hat nie gelernt, klar zu denken. Zum x-ten mal schätzt er die Lage falsch ein und muss seine Entscheidung revidieren. Weil er glaubt, es wird schon gut gehen weil er der Herr Baron ist. Hat ja auch fast sein ganzes Leben funktioniert. Er wird es nicht mehr lernen, er ist durch seine Herkunft und Erziehung verdorben.

Trotzkopf

13.04.2011, 18:35 Uhr

Ich frage mich immer wieder, warum werden hier die wisseschaftlichen Hochschuleinrichtungen in dieser Angelegenheit nicht berührt.???
Wer bekommt denn heutzutage den Doktortitel verliehen? Ist das der forschende Wissenschaftler oder der Einschleicher. Aus 200 bis 300 hundert Büchern abzuschreiben und ein, zwei eigene Gedanken dazu tun werden als Doktortarbeit bewertet. In den Hochschulsammlungen habe ich schon genug Mist gefunden.

sportsfreund

13.04.2011, 18:39 Uhr

SO EINEN BLÖDEN KOMMENTAR (vom anonymen HANS)HABE ICH LANGE NICHT GELESEN: Wo bleibt da die Substanz? Ist da etwa Klassenkampf rauszulesen?
Sportsfreund

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