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19.04.2006

08:47 Uhr

Ergebnisse

Studie: Bürokratieabbau schafft Arbeitsplätze

Die arbeitgebernahe „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ hat die Folgen eine Reduzierung und Vereinfachung von Bürokratie und Vorschriften unter die Lupe genommen und kommt in ihrer am gestrigen Dienstag veröffentlichten Studie zu einem verheißungsvollen Ergebnis: 4,2 Millionen neue Jobs könnten dadurch in den nächsten 15 Jahren entstehen.

doh DÜSSELDORF. Das Fazit der Studie: Je niedriger die gesamtstaatliche Regulierung, desto höher die Erwerbstätigenquote. Würden die staatlichen Eingriffe etwa nach skandinavischem Vorbild verringert, könnten 4,2 Millionen neue Stellen geschaffen werden, bei Reformen nach angelsächsischem Muster 4,9 Millionen.

Die Zahl der Arbeitslosen werde durch den Abbau bürokratischer Hürden allerdings nicht eins zu eins sinken, sagte IW-Wissenschaftler Dominik Enste dem Handelsblatt. Insbesondere Jugendliche, Hausfrauen, Schwarzarbeiter oder ältere Menschen würden von einer Deregulierung profitieren. Beispiel ältere Arbeitnehmer: Dass die Zahl der älteren Erwerbstätigen in Skandinavien etwa höher sei als hier zu Lande, liegt Enste zufolge auch daran, dass der Kündigungsschutz dort lockerer sei. In Deutschland würden wegen des hohen Kündigungsschutzes vor allem Jüngere eingestellt, die man leichter betriebsbedingt kündigen könne. Ältere, die ihren Job verloren hätten, falle es daher schwer, wieder eine Stelle zu finden.

Die Berechnungen über die Auswirkungen der Regulierung auf den Arbeitsmarkt sind ein bislang unveröffentlichter Teil einer umfassenden Studie, die das IW bereits im vergangenen Herbst präsentiert hat. Darin verglich das arbeitgebernahe Institut erstmals Ausmaß und Qualität staatlicher Regulierung in 28 Staaten. Mit dem Ergebnis: In kaum einem anderen Industrieland der Welt gibt es so viele staatliche Eingriffe in die Wirtschaft wie in Deutschland.

Besonders groß ist das Regulierungsdickicht der Studie zufolge auf dem Arbeitsmarkt. Unter den 28 OECD-Staaten belegt Deutschland beim Regulierungsniveau auf dem Arbeitsmarkt den letzten Platz, auf dem Bildungsmarkt den drittletzten Platz.

„Es ist unverantwortlich, dass die Bundesregierung die Chancen, die weniger regulierte Arbeits- und Bildungsmärkte bieten, wie ein unmoralisches Angebot ablehnt“, sagte IW- Direktor Michael Hüther in Berlin. Über den Wohlstandszuwachs hinaus schone Deregulierung Nerven und Kasse des Bundesfinanzministers. „Denn anders als bei sonstigen Reformen entstehen keine zusätzlichen Kosten“, so Hüther.

Als Sieger des Ländervergleichs gehen Neuseeland, die USA, Großbritannien, Dänemark, Kanada und Finnland aus der Studie hervor. Die Länder hätten ihre Bildungs-, Arbeits-, Produkt- und Kapitalmärkte stark dereguliert und so Jobs geschaffen.

Die Pluspunkte der Gewinner: ein einfaches Steuerrecht mit nur drei Tarifen in Neuseeland, ein liberalisierter Kapitalmarkt nahezu ohne Staatseinfluss in Großbritannien, ein automatisches Verfallsdatum für Gesetze zur Eindämmung der Bürokratie in den USA. Die Schwäche Deutschlands illustrieren die Autoren der Studie an konkreten Beispielen wie diesem: Bis ein Jungunternehmer eine GmbH gegründet habe, vergingen in Australien zwei Tage, in Dänemark vier, in Großbritannien 18 – und in Deutschland 45 Tage.

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