Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.11.2014

17:01 Uhr

Erinnerung an 1989

Berlin feiert das Ende der Spaltung

Hunderttausende feiern in Berlin das Jubiläum des Mauerfalls vor 25 Jahren. Unter ihnen jemand, ohne den das Ereignis kaum denkbar wäre. Politiker auf der ganzen Welt kommentieren die bewegende Zeit und die Konsequenzen.

Erinnerung an vergangene Zeiten: Die Laternen sind Teil des Projekts "Lichtgrenze 2014" zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Reuters

Erinnerung an vergangene Zeiten: Die Laternen sind Teil des Projekts "Lichtgrenze 2014" zum 25. Jahrestag des Mauerfalls.

BerlinEine Lichtgrenze aus tausenden Ballons, Konzerte, Reden und Bürgerfeste: Die Berliner und hunderttausende Besucher haben sich am Samstag bei strahlendem Sonnenschein auf den 25. Jahrestag des Mauerfalls eingestimmt. Ihren Höhepunkt sollen die Feiern am Sonntag erreichen, wenn am Brandenburger Tor Stars wie Peter Gabriel und Udo Lindenberg auftreten und am Abend die Lichtballons in den Himmel steigen.

"Ich habe das damals im Fernsehen gesehen, und ich erinnere mich sehr gut. Ich habe geweint, es war so bewegend", erzählt die 60-jährige Italienerin Juliane Pellegrini, die eigens mit einer Freundin nach Berlin gereist ist, um das Jubiläum zu feiern. Am Abend des 9. November 1989 war die Öffnung der Grenzen der DDR bekanntgegeben worden.

Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow (links) und der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas erinnern sich an bewegende Zeiten. Die beiden Politiker trafen sich beim Symposium "New Policy Forum", das im Allianz-Forum in Berlin anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls stattfindet. dpa

Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow (links) und der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas erinnern sich an bewegende Zeiten. Die beiden Politiker trafen sich beim Symposium "New Policy Forum", das im Allianz-Forum in Berlin anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls stattfindet.

Politiker würdigten die Bedeutung der Ereignisse vor 25 Jahren. Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow sprach von einem "Feiertag für alle Völker Europas". Mit dem Niederreißen der Mauer hätten die Deutschen einen großen Beitrag zum Ende des Kalten Krieges geleistet, schrieb Gorbatschow in der "Bild-"Zeitung.

Nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama lehrt der 9. November 1989, dass "Mauern und unterdrückerische Regime für einige Zeit andauern mögen, am Ende aber nicht dem Wunsch nach Freiheit und Würde standhalten könnten, der in jedem menschlichen Herzen brennt". Heute spiele das vereinte Deutschland eine "Führungsrolle" in Europa und in der Welt, fügte Obama anerkennend hinzu.

Das Ende der Mauer: Ost und West – ein Gegensatz lebt wieder auf

Das Ende der Mauer

Ost und West – ein Gegensatz lebt wieder auf

Während Berlin den Fall der Mauer vor 25 Jahren feiert, blicken Zeitzeugen und Zeitgenossen nicht nur zurück, sondern warnen vor einem neuen Ost-West-Gegensatz. Und eine Partei bemüht sich um Vergangenheitsbewältigung.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schrieb in der "Bild": "Wie Millionen von Französinnen und Franzosen am 9. November 1989 teilte auch ich vorbehaltlos das unglaubliche Glücksgefühl des deutschen Volkes und war voller Bewunderung für den Mut, den die Menschen in den vorangegangenen Wochen gezeigt hatten." Er betonte, dass Frankreich die Wiedervereinigung unterstützt habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Berlin in ihrem Video-Podcast "fast ein Symbol für die Vereinigung Europas nach dem Kalten Krieg".

Der letzte DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz erinnerte daran, dass der Umbruch vor 25 Jahren leicht "in bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen" hätte umschlagen können. "Wir standen einer militärischen Lösung näher, als das viele heute wahrhaben wollen", sagte Krenz der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Sonntagsausgabe). Verhindert worden sei dies allein durch die Besonnenheit der Grenzschützer beim Ansturm der Menschen auf die Grenzübergänge.

25 Jahre Mauerfall: Die einen feiern, die anderen stellen Forderungen

25 Jahre Mauerfall

Die einen feiern, die anderen stellen Forderungen

In der Hauptstadt herrscht seit Tagen Ausnahmezustand, einmal mehr blickt die ganze Welt auf Berlin. Der Grund: Das Gedenken an 25 Jahre Mauerfall und den Niedergang einer Diktatur. Doch nicht alle wollen nur feiern.

Die zentrale Gedenkveranstaltung zum Mauerfall-Jubiläum findet am Sonntagmorgen an der Gedenkstätte Berliner Mauer in Berlin-Mitte statt. Merkel wird eine Rede halten, anschließend wird die neue Dauerausstellung der Gedenkstätte eröffnet. Am Brandenburger Tor laden die Bundesregierung und das Land Berlin ab Sonntagmittag zu einem großen Fest mit Stars wie Peter Gabriel, Daniel Barenboim und Udo Lindenberg ein.

Höhepunkt der Feierlichkeiten soll am Sonntagabend die Ballonaktion "Lichtgrenze" werden: Rund 8000 Ballonpaten stehen auf einer 15 Kilometer langen Strecke neben leuchtenden Ballons, die schon seit Freitagnachmittag den Verlauf der Mauer nachzeichnen. Die Ballons sollen ab 19 Uhr in die Höhe steigen und so die Auflösung der Grenze symbolisieren.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×