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21.04.2011

21:34 Uhr

Erklärung im Wortlaut

Wie Sarrazin sich verteidigte

Mit drei Punkten verteidigt der ehemalige Bundesbanker Thilo Sarrazin sein Buch "Deutschland schafft sich ab" vor der SPD-Schiedskommission - und entgeht damit einem Parteiausschluss. Seine Erklärung im Wortlaut.

Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" sorgte für eine wochenlange Debatte über die Integrationspolitik. Quelle: dpa

Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" sorgte für eine wochenlange Debatte über die Integrationspolitik.

1. Ich habe in meinem Buch nicht die Auffassung vertreten oder zum Ausdruck bringen wollen, dass sozialdarwinistische Theorien in die politische Praxis umgesetzt werden sollen. Es entspricht insbesondere nicht meiner Überzeugung, Chancengleichheit durch selektive Förderungs- und Bildungspolitik zu gefährden; alle Kinder sind als Menschen gleich viel wert. 

Ich habe mit meinem Buch keine selektive Bevölkerungspolitik verlangt; der Vorschlag, Frauen in akademischen Berufen und anderen gesellschaftlich hervorgehobenen Positionen Prämien zu gewähren, sollte diesen Frauen lediglich die Möglichkeit verschaffen, ihre Berufe und Tätigkeiten mit der Geburt eigener Kinder zu verbinden. 

Hiermit habe ich auch nicht die Vorstellung verbunden, diese Förderung lediglich Frauen mit akademischen Berufen oder mit bestimmter Nationalität oder Religion zukommen zu lassen. 

2. Mir lag es fern, in meinem Buch Gruppen, insbesondere Migranten, zu diskriminieren. Vielmehr sollten meine Thesen auch der Integration von Migrantengruppen dienen, die bislang aufgrund ihrer Herkunft, sozialen Zusammensetzung und Religion nicht bereit oder in der Lage waren, sich stärker zu integrieren. Es entspricht nicht meiner Vorstellung, dass diese Gruppen bei eigenen Anstrengungen und einer ergänzenden Bildungspolitik etwa aus genetischen Gründen nicht integriert werden könnten. 

Mit ging es also darum, schwerwiegende Defizite der Migration, Integration und Fehlentwicklungen der Demografie in Deutschland anzusprechen, eine fördernde Integrationspolitik und Demografiepolitik zu entwickeln und dafür insbesondere die vorhandenen Defizite des Bildungssystems zu überwinden. 

3. Ich habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, mit meinen Thesen sozialdemokratische Grundsätze zu verletzen. Sollten Mitglieder der Partei sich in ihrem sozialdemokratischen Verständnis beeinträchtigt fühlen, bedaure ich dies, auch wenn ich meine, dass mein Buch hierzu keine Veranlassung gegeben hat. 

Bei künftigen Veranstaltungen und Auftritten in der Öffentlichkeit werde ich darauf achten, durch Diskussionsbeiträge nicht mein Bekenntnis zu den sozialdemokratischen Grundsätzen in Frage zu stellen oder stellen zu lassen.

Von

dapd

Kommentare (5)

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mea_culpa

21.04.2011, 23:21 Uhr

die heilige Inquisition hat also ihr Ziel erreicht, der Ketzer hat dem Teufel abgeschworen

Rainer_J

22.04.2011, 10:28 Uhr

Sarrazin sollte mal ein Buch über den größten Schmarotzer schreiben. Also über die PIGS&FROGS und EUdSSR-Brüssel!

R.Ruf

22.04.2011, 11:53 Uhr

Sarrazins emotionale Bindung an eine Partei, die ihn in überwiegenden Teilen eigentlich nicht mehr will und schon lange nicht mehr die Partei ist, in die er vor 40 Jahren einmal eingetreten ist, mutet schon erstaunlich an und ist nur mit Tugenden, wie Beharrlichkeit, Treue und Anstand zu erklären, die heute in der politischen Klasse weitesgehend ausgestorben sind. Das Inqisitionsverfahren wird allerdings auf die SPD zurückschlagen, denn die maßlose Hetzjagt vieler Genossen gegen ihren Mitgenossen wird nicht vergessen werden.

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