Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2014

11:40 Uhr

Ermittlungen gegen Ex-MdB

Das umstrittene Bild von Edathys Wohnung

VonPatrick Schwarz

Mit einem Bericht über Durchsuchungen der Privatwohnung des Ex-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy hat die Lokalzeitung „Die Harke“ für Aufsehen gesorgt. Ein gezeigtes Foto sorgt für Beschwerden.

Verfremdeter Screenshot der „Harke“-Homepage: Foto der Privatwohnung des Bundestagsabgeordneten. Screenshot

Verfremdeter Screenshot der „Harke“-Homepage: Foto der Privatwohnung des Bundestagsabgeordneten.

DüsseldorfDie Lokalzeitung „Die Harke“ aus Nienburg in Niedersachsen zählt mit täglich fast 19.000 verkauften Exemplaren nicht gerade zu den Branchengrößen. Für viel Wirbel sorgt sie nun aber durch ihre Berichterstattung über die Ermittlungen gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie. Edathy kündigte am Montag per Facebook an, Strafanzeige zu stellen, weil die Presse bei der Hausdurchsuchung „zugegen war“.

Nicht nur dass einer der Harke-Redakteure als Erster über den Verdacht auf Besitz kinderpornografischen Materials berichtete und daraufhin zahlreiche deutsche Leitmedien auf seinen Artikel verwiesen. Auch ein Foto, das laut Bildunterschrift einen Raum von Edathys Privatwohnung in Rehburg zeigt, sorgt für Aufregung.

Auf dem Bild erkennt man einen mit Kisten und Unterlagen vollgestellten Raum, sieht die Bilder, die an der Wand hängen und Polizeibeamte, wie sie die Wohnung durchsuchen.

Umstritten ist, ob die Redaktion mit der Veröffentlichung des Bildes journalistische Regeln verletzt hat. Nach eigenen Angaben hat der Autor und Fotograf zwar die Wohnung des SPD-Politikers nicht betreten, ist aber auf eine Balustrade vor der Wohnung im ersten Stock gestiegen, um das Foto zu schießen. Auf die Frage, ob er die Veröffentlichung des Fotos problematisch findet, sagte der Redakteur zu Handelsblatt Online: „Ich sehe da kein Problem.“

In einer späteren Darstellung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußerte der Autor, Edathy nehme „irrigerweise an, ich hätte die Rechte an seiner Privatsphäre verletzt.“ Er sehe die Strafanzeige gelassen, der SPD-Politiker hätte da keine Chance. Edathy sei „kein kleiner Bürgermeister“, sondern „eine veritable Person der Zeitgeschichte“.

Der niedersächsische Journalisten-Verband sieht das anders. Er hält das Foto presserechtlich für problematisch. So ist die Unverletzlichkeit der Wohnung in Artikel 13 des Grundgesetzes geschützt. Und im Pressekodex, einer Selbstverpflichtung der Medienbranche, heißt es, dass „bei der Beschaffung von Bildern keine unlauteren Methoden angewandt werden dürfen“ und dass „die Presse das Privatleben der Menschen achtet.“

Die ehemalige Bundesfamilienministerin und Bundestagsabgeordnete Kristina Schröder schrieb auf Twitter jedenfalls: „Fotos aus Privatwohnung zu drucken, die nicht freigegeben wurden, ist einfach nur unsäglich.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×