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05.01.2010

09:04 Uhr

Erneuerbare Energien

Anrainer planen spektakuläres Projekt in der Nordsee

Mehrere Nordsee-Anrainer, darunter Deutschland, wollen laut einem Zeitungsbericht ihre Ökostromprojekte bündeln und ein gemeinsames Hightech-Energienetz schaffen. Es solle im Kampf gegen den Klimawandel Europas Wind-, Sonnen und Wellenkraftwerke vereinen.

Windräder. Anrainer-Staaten der Nordsee verbünden sich nun zu einer Ökostrom-Allianz. dpa

Windräder. Anrainer-Staaten der Nordsee verbünden sich nun zu einer Ökostrom-Allianz.

HB BERLIN. Mit dem Milliardenprojekt will Europa den Ausbau erneuerbarer Energien forcieren, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Regierungskreise. In einigen Jahren könnten demnach Tausende Kilometer Hightech-Kabel Windstrom in weite Teile des Kontinents liefern. Die Kosten könnten Experten zufolge bei bis zu 30 Milliarden Euro liegen.

Die Initiative solle mit ersten Treffen von Arbeitsgruppen noch in diesem Monat starten, berichtet das Blatt weiter unter Berufung auf das Bundeswirtschaftsministerium. Im ersten Quartal 2010 solle ein „höherrangiges Treffen“ folgen. Bis zum Herbst wollten die beteiligten Regierungen eine Absichtserklärung unterzeichnen.

Laut dem Bericht sollen Hochspannungs-Unterseekabel in der Nordsee Windparks auf hoher See vor der deutschen und britischen Küste mit Wasserkraftwerken in Norwegen, Gezeitenmeilern an der belgischen und dänischen Küste sowie Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland verbinden. Zu den Gründern der Initiative zählen der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen.

Ein gemeinsames Netz könnte Wetter-Schwankungen der verschiedenen Energieträger und Regionen ausgleichen und eine verlässliche Versorgung weiter Teile Europas sicherstellen, heißt es in dem Zeitungsbericht. Zudem könnten Wasserkraftwerke in Norwegen erstmals im großen Stil als Speicher des vor allem in Großbritannien und bald auch in Deutschland produzierten Windstroms dienen.

In Deutschland habe Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Federführung. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte am Montag erste Treffen auf Arbeitsebene noch im Januar. Es gehe zunächst darum, die wesentlichen Akteure der beteiligten Länder an einen Tisch zu bekommen. "Bisher hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Das wollen wir ändern", zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ den Sprecher. Es gehe um die technische und politische Vereinheitlichung nationaler Energiestrategien.

Auch führende europäische Energieversorger und Netzbetreiber sollen demnach an den Verhandlungen teilnehmen. Die nötigen Investitionen müsse zum Großteil auch die Wirtschaft tragen, hieß es. Ein Sprecher von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) erklärte, das Ministerium befürworte die Pläne. Allerdings dürfe die Bundesregierung mit dem Großprojekt Naheliegendes nicht aus den Augen verlieren. Es sei nötig, die entstehenden Windparks in Deutschland sehr schnell an das Stromnetz anzuschließen.

Kommentare (8)

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Querdenker

05.01.2010, 11:25 Uhr

Wenn dieses Projekt zustande kommt ist DESERTEC gestorben!!! ich bin gespannt auf die Reaktionen der Münchener Rück, Siemens, RWE, E.ON, HSH Nordbank, Deutsche bank und Abb.

Schneider, Simon

05.01.2010, 12:53 Uhr

Warum gestorben? bedarf gäbe es für beides, nur wäre das eine HEUTE umsetzbar.
Was da von DESERTEC publik gemacht wurde sind bis jetzt eher Visionen denn Pläne. Das Projekt für die Nordsee scheint eher durchführbar: es existieren verlässlichere Anrainerstaaten, ausserdem ist es eher ein Geschäft auf Gegenseitigkeit als die idee mit Nordafrika. Die politischen und gesellschaftlichen Hindernisse sind es, die DESERTEC zu einer sympathischen Träumerei mit ungewissem Kosten-Nutzen-Verhältnis machen.
Ein Nordsee-Grid wäre dagegen eine "sichere Sache".

Hofmann,M

05.01.2010, 13:20 Uhr

@Querdenker

Weder das Wüsten- noch das Nordseeprojekt wird verwirklicht werden. Die Kosten sind hier höher als der Nutzen.
Sonne und Wind war und wird immer ein Nischenprodukt sein, wenn es um die Stromerzeugung geht.

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