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18.01.2012

17:33 Uhr

Erneuerbare Energien

Röttgen schmettert Röslers Kritik ab

Der Umweltminister weist die Forderung nach einem Systemwechsel bei der Förderung erneuerbarer Energien zurück. Eigentlich ist das eine gute Nachricht für die Solarindustrie – doch der Branche droht neues Ungemach.

"Atomenergie spielt auch in Zukunft eine Rolle!"

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BerlinEine grundlegende Reform der Förderung erneuerbarer Energien kommt für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nicht in Frage. „Die permanente Verunsicherung durch immer neue Vorschläge hilft nicht weiter“, sagte Röttgen am Mittwoch bei der Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft. Damit nahm Röttgen indirekt Bezug auf Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der Anfang der Woche im Interview mit dem Handelsblatt einen Systemwechsel gefordert hatte.

Rösler würde die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Einspeisevergütungen am liebsten abschaffen. Als Ersatz will der Minister die Energieversorger verpflichten, einen bestimmten Teil ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen zu liefern. Die Erzeugungsform könnten sie dann selbst wählen. Dieses Mengenmodell werde einen Effizienzwettbewerb auslösen, sagte Rösler.

Doch Röttgen will am aktuellen System festhalten. Er räumte lediglich ein, dass eine „deutliche Reduktion“ des Ausbaus der Photovoltaik nötig sei. Erreichen will der Minister das über weitere Kürzungen der Solarförderung. „Wir brauchen eine Anpassung, darüber rede ich morgen mit der Branche“, sagte der Minister am Mittwoch beim größten Treffen der Energiebranche in Berlin.

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Die bereits festgelegten Absenkungsschritte kämen wegen des Preisverfalls bei Solarmodulen nicht mehr hinterher. 2011 gingen Solaranlagen mit 7500 Megawatt neu ans Netz - so viel wie nie zuvor - daher steht jetzt schon fest, dass die Förderung im Juli um bis zu 15 weitere Prozent gekürzt wird. Nun könnte es aber noch mehr werden. Für eine Kilowattstunde Solarstrom vom Hausdach werden derzeit 24,43 Cent je Kilowattstunde gezahlt - an der Strombörse kostet die Kilowattstunde meist fünf bis sechs Cent. Die Differenz zwischen Marktpreis und Vergütungssatz müssen die Verbraucher zahlen.

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Durch den Solarboom können aber auch die Belastungen für die Verbraucher steigen, da sie die Förderkosten per Umlage über den Strompreis zahlen. Ein Durchschnittshaushalt zahlt derzeit etwa 125 Euro pro Jahr. Die Solarförderung frisst derzeit pro Jahr rund acht Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der gesamten Förderung erneuerbarer Energien. Sie steuert aber nur ein Fünftel des Ökostrom-Mixes bei. Eine neu installierte Leistung von 7500 Megawatt in einem Jahr wie 2011 sei zu viel, allein schon aus technischen Gründen wie der Anbindung an das Stromnetz, sagte Röttgen.

Er betonte zugleich, er wolle ein Überleben der Technologieführerschaft in Deutschland. Immer neue Vorschläge trügen nicht dazu bei, Verlässlichkeit und Planungssicherheit zu schaffen, sagte er mit Blick auf Forderungen nach einer festen Deckelung des Zubaus. Röttgen verfolgt bisher das Modell eines „atmenden Deckels“, der automatische Kürzungen vorsieht, wenn eine bestimmte Anzahl neuer Solaranlagen ans Netz gegangen ist.

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Kommentare (24)

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Klimaterror

18.01.2012, 18:05 Uhr

Ahnung von der Materie haben bei Politiker nicht. Wir werden von Traumtänzern regiert, die leider die Zukunft des Landes verspielen, denn die kommende weitere Verschuldung wird uns weit zurückwerfen. Halten wir uns wirklich für schlauer als der Rest der Welt? Wir werden jetzt schon offen belächelt weil wir doppelt so viel für unseren Strom zahlen als die Franzosen zum Beispiel.
Da sind wir wirklich Spitze. Warum das alles? Wegen eines erfundenen GAU in Japan und einer erfunden Klimakatastrophe. Der deutsche Michel glaubt alles. Das muss jetzt beendet werden, empfehle mal sich neutral bei EIKE zu informieren, die sind kein Sprachrohr der Regierung.

nicolo

18.01.2012, 18:20 Uhr

"Für eine Kilowattstunde Solarstrom vom Hausdach werden derzeit 24,43 Cent je Kilowattstunde gezahlt - an der Strombörse kostet die Kilowattstunde meist fünf bis sechs Cent. Die Differenz zwischen Marktpreis und Vergütungssatz müssen die Verbraucher zahlen."

Das ist der Knackpunkt. Die Verbraucher müssen zwar die Differenz zum Börsenstrompreis bezahlen, ohne allerdings auch selbst den Börsenstrompreis zu bekommen?! Anstatt nämlich fünf oder sechs Cent für die Kilowattstunde Strom mussten Kleinverbraucher 2011 im Mittel ca. 8,4 Cent/ kWh Strom bezahlen. Da kommen die anderen Abgaben natürlich noch oben drauf. Die aktuelle Regelung belastet einseitig die Kleinverbraucher! Das könnte die Bundesregierung sofort mit einem Federstrich ändern, wenn Ihnen der Stromkunde so am Herzen liegen würde, ohne jeden Nachteil in der Sache. Sicher, Stromhändler und Stromanbieter, die aktuell die Marge kassieren, würden verlieren. Und das ist offensichtlich nicht gewollt?!

Wissenschaftler

18.01.2012, 18:26 Uhr

Seit wann ist EIKE neutral?! Googeln Sie mal ein bißchen!

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