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19.05.2017

16:16 Uhr

Erneuerbare Energien

Windkraft wird deutlich günstiger

Durch die Umstellung auf ein staatliches Ausschreibungs-System wird der Wettbewerb in der Wind-Branche angekurbelt. Nutznießer sind vor allem Bürgergesellschaften. Bei Auktionen haben sie einige Vorteile.

Vor allem Kommunen mit eigenen Anlagen profitieren von der staatlichen Ausschreibung. dpa

Windenergie

Vor allem Kommunen mit eigenen Anlagen profitieren von der staatlichen Ausschreibung.

BerlinWindenergie wird für die Stromkunden künftig deutlich billiger. Neue Windkraftanlagen bekommen nur noch durchschnittlich 5,71 Cent pro Kilowattstunde garantiert, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag nach der ersten Ausschreibungsrunde für Windkraftprojekte mitteilte. Das sind rund 20 Prozent weniger als bisher. Den Zuschlag erhielten Betreiber für Windräder mit insgesamt gut 800 Megawatt-Leistung, was rechnerisch etwa zwei Kohlekraftwerken entspricht. Nach dem alten Fördersystem lag die garantierte Vergütung zwischen sieben und acht Cent pro Kilowattstunde. Windenergie an Land ist mit mehr als der Hälfte der Produktion die wichtigste Stromquelle unter den Erneuerbaren. Für Aufsehen hatte kürzlich schon die erste Ausschreibung für Windkraft auf hoher See gesorgt. Dort hatten Betreiber teilweise ganz auf Förderung verzichtet.

Die Bundesregierung zeigte sich erfreut über das Ergebnis der Ausschreibung. Das hohe Wettbewerbsniveau und die niedrigen Zuschlagpreise zeigten, dass der eingeleitete Paradigmenwechsel bei der Förderung gut funktioniere, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake.

Bisher bekam jeder Windparkbetreiber, der eine Baugenehmigung für seine Anlagen hatte, einen gesetzlich vorher auf 20 Jahre garantierten Abnahmepreis für seinen Strom. Jetzt wurde das System auf Ausschreibungen umgestellt: Der Staat schreibt eine bestimmte Menge aus. In diesem Fall waren es 800 Megawatt. Über das gesamte Jahr sollen es mit zwei weiteren Ausschreibungsrunden dann 2500 Megawatt sein, was die Zielgröße der Regierung für den jährlich Ausbau für Windenergie an Land ist. Wer die geringste Förderung verlangt, bekommt den Zuschlag. Bezahlt wird die Subvention über eine Umlage auf den Strompreis der Verbraucher.

„Das ist ein guter Tag für alle Stromverbraucher“, sagte CDU-Energie-Experte Thomas Bareiß. Sie würden nun bei der Umlage entlastet. Die Grünen-Expertin Julia Verlinden sagte, Windkraft könne längst mit alten und schmutzigen Kraftwerken konkurrieren. „Deshalb muss der Deckel für den Ausbau der Windenergie weg“, sagte sie mit Blick auf die jährlich von der Regierung vorgesehenen 2500 Megawatt-Leistung. Die Denkfabrik „Agora Energiewende“ erklärte, an guten Windstandorten könne Strom auch für 3 bis 4,5 Cent produziert werden.

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In dieser Ausschreibungsrunde hatten 256 Projektbetreiber für insgesamt gut 2100 Megawatt mitgeboten. Letztlich bekamen 70 Projekte einen Zuschlag. Gewährt werden zwischen 5,25 und 5,78 Cent an Förderung. Die meisten Zuschläge gab es in den traditionellen Windländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg. Im Süden der Republik sollen lediglich sieben Projekte umgesetzt werden, in Baden-Württemberg gar keins.

Über 90 Prozent der Projekte gewannen sogenannte Bürgergesellschaften. Bei ihnen muss sich unter anderem die Kommune beteiligen können, und Projektbetreiber müssen in der Region wohnen. Im Gegenzug haben sie bei der Auktion einige Vorteile wie eine verlängerte Umsetzungsfrist oder eine Teilnahme ohne vorherige Genehmigung für den Park. Zudem konnten sie den Zuschlag zum letzten noch genehmigten Preis erhalten, selbst wenn sie vorher zu viel Förderung verlangt hatten. Damit wollte die Regierung der Befürchtung entgegenwirken, dass die Energiewende mit der Auktionierung in die Hände von Großkonzernen wandert. Allerdings können die Bürgergesellschaften ihre Parks nach dem Bau und einigen Jahren Betriebsdauer dann weiterverkaufen.

Zu den Gewinnern der ersten Onshore-Auktion in Deutschland gehört die RWE-Tochter Innogy. Sie erhielt den Zuschlag für den Bau und Betrieb des Onshore-Repowering-Projekts Sommerland. Der Baubeginn des Windparks ist für Herbst 2017 geplant. In Betrieb genommen werden soll er dann im Frühjahr 2018.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

19.05.2017, 13:19 Uhr

Ich denke, dass viele die Kapitalbeteiligung in Bürgergesellschaften bereuen werden.

Die Kosten für umweltschädliche Windmühlen sind in den letzten Jahren nicht mehr signifikant gesunken, Reparaturen, Verschleiss der Flügel, Fundamentschäden kosten künftig nicht weniger als heute.

Vielfach werden bei Windparks analog der "Schiffsfonds", "Immobilienfonds" ...sehr optimistische Prognosen, Windprognosen, Kostenschätzungen vorgenommen.

Am Ende bezahlt die Gesellschaft die Kosten für die Ökoreligion und den wertlosen Windstrom, ob über den EEG Zuschlag, oder über verunglückte Kapitalanlagen.

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