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06.05.2011

07:52 Uhr

Erschießung des Al-Kaida-Chefs

Deutsche freuen sich nicht über Bin Ladens Tod

Angela Merkel hat nicht die Mehrheit der Deutschen hinter sich: Denn die freut sich - anders als die Kanzlerin - nicht über Osama Bin Ladens Tod. Die USA hätten den Terrorchef nicht töten sollen, sagt eine Umfrage.

Angela Merkel (CDU) freut sich über Bin Ladens Tod - eine Mehrheit der Deutschen aber nicht. Quelle: dapd

Angela Merkel (CDU) freut sich über Bin Ladens Tod - eine Mehrheit der Deutschen aber nicht.

HamburgDie Tötung von Terroristenchef Osama Bin Laden durch US-Soldaten in Pakistan stößt in Deutschland nach einer Umfrage auf große Kritik. Die Mehrheit der Deutschen findet, die USA hätten Bin Laden verhaften und nicht töten sollen, wie eine Befragung für die ARD-„Tagesthemen“ ergab.

Nur 42 Prozent sind demnach der Ansicht, dass die USA das Recht hatten, den Al-Kaida-Chef zu töten. 52 Prozent finden hingegen, die USA hätten versuchen sollen, Bin Laden festzunehmen und ihn vor den internationalen Strafgerichtshof zu stellen.

Nur 28 Prozent der Deutschen geben an, dass der Tod von Bin Laden für sie ein Grund zur Freude ist. Für zwei Drittel der Deutschen (64 Prozent) ist der Tod des mehr als zehn Jahre lang gesuchten Topterroristen kein Grund zur Freude. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte offen Freude geäußert und war dafür heftig kritisiert worden.

Die Grünen liegen mit der Mehrheit der Deutschen besser auf einer Wellenlänge als die Kanzlerin: „Ich bin auch erleichtert, dass dieser Verbrecher sein Unwesen nicht mehr treibt“, sagte der Grünen-Obmann im Verteidigungsausschuss Omid Nouripour dem ZDF-„Morgenmagazin“ am Donnerstag. „Aber Freude ist tatsächlich ein bischen merkwürdig beim Tod eines Menschen.“ Egal ob sich dabei um einen Verbrecher gehandelt habe oder nicht, ergänzte Nouripour.  

Der langjährig gesuchte Topterrorist war in der Nacht zu Montag in Pakistan von US-Elitesoldaten erschossen worden. Merkel hatte sich darauf in einer Pressekonferenz erleichtert darüber gezeigt, dass nun keine Gefahr mehr von Bin Laden ausgehe. Auf eine Nachfrage hatte sie dann gesagt: „Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“  

Das Leben von Osama bin Laden

Eine Chronik des Al-Kaida-Chefs

Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist in Pakistan von US-Spezialkräften getötet worden. Im Folgenden eine Chronik der wichtigsten Ereignisse aus dem Leben bin Ladens.

Früher Verlust des Vaters

Osama bin Mohammed bin Awad bin Laden wurde in Riad in Saudi-Arabien geboren als eines von mehr als 50 Kindern des millionenschweren Geschäftsmannes Mohammed bin Laden. Der genaue Geburtstag bin Ladens ist nicht klar. Bin Ladens Vater starb bei einem Flugzeugabsturz als bin Laden noch ein Kind war.

Erste Heirat mit syrischer Cousine

Im Alter von 17 Jahren erste Heirat mit einer syrischen Cousine. Er soll mindestens 23 Kinder haben von mindestens fünf Ehefrauen.

Bin Laden, der schüchterne Student

Studium von Management und Wirtschaft an der Universität in Dscheddah. Bin Laden galt als schüchtern und als durchschnittlicher Student.

Kampf gegen sowjetische Besatzer

Unter dem Eindruck des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan Ende 1979 sympathisiert bin Laden ab 1984 mit arabischen Kämpfern, die sich freiwillig zum Kampf gegen sowjetische Truppen melden. Er unterstützt ihren Einzug in Peshawar, zieht später dorthin um und importiert Waffen. Er gründet seine eigene kleine Brigade freiwilliger Kämpfer.

Gründung von Al-Kaida

Al-Kaida wird als Hort für radikale Moslems gegründet. Die Anhänger eint der Hass auf die USA, Israel und alle muslimischen Regierungen, die als Verbündete der USA gelten.

Umzug gen Sudan

Bin Laden geht in den Sudan.

Der Ausstoß aus der Familie

Bin Ladens Familie verstößt ihren Sohn und schmeißt ihn als Anteilseigner am Bau-Firmenimperium hinaus.

Entzug der saudischen Staatsbürgerschaft

Saudi-Arabien entzieht bin Laden aus Verärgerung über dessen Propaganda gegen die Führung des Landes die Staatsbürgerschaft.

Rückkehr nach Afghanistan

Bin Laden zieht sich nach Afghanistan zurück. Den Sudan muss er auf Druck der US-Regierung verlassen. Im selben Jahr erlässt er eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, nach der Mitarbeiter des US-Militärs getötet werden sollen. Ab Oktober 1996 folgen verschiedene Bombenanschläge, etwa in Saudi-Arabien oder auf US-Botschaften in Nairobi und Dar es Salaam, bei denen auch US-Bürger getötet werden. Die USA sehen bin Laden als Drahtzieher der Anschläge. US-Präsident Bill Clinton bezeichnet bin Laden als den größten Feind Amerikas. Die USA beginnen mit Luftangriffen auf vermutete Terroristen-Zentren im Sudan und in Afghanistan. Später folgt ein Al-Kaida-Angriff auf die USS Cole im Hafen von Aden im Jemen mit 17 toten US-Soldaten.

Der Anschlag

Die Al-Kaida-Angriffe mit gekaperten Flugzeugen auf das New Yorker World Trade Center sowie das Pentagon kosten fast 3000 Menschen das Leben. Bin Laden bekannte danach in einem Video, der Einsturz der Twin Towers habe die Erwartungen von Al-Kaida übertroffen.

Der meistgesuchte Terrorist

US-Präsident George W. Bush will bin Laden „tot oder lebendig“ fassen.

Der Afghanistan-Einsatz

Die USA beginnen mit Angriffen auf Afghanistan, das damals von den radikal-islamischen Taliban regiert wurde.

Lob für die Attentäter

Al-Dschasira überträgt die Stimme von bin Laden, der die Attentäter vom 11. September lobt als Männer, „die den Lauf der Geschichte verändert haben“.

Das Ende des Terrormeisters

Bin Laden wird in einer luxuriösen Wohnanlage in Abbottabad rund 60 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad von US-Spezialkräften getötet.

Grundsätzlich kritisch äußerte sich Nouripour auch zur Tötung des Al-Kaida-Chefs während des US-Militäreinsatzes. So müsse man auch im Kampf gegen den Terrorismus die Regeln des Rechtsstaates bewahren. „Tun wir das nicht, dann sind wir relativ schnell dabei, wie (US-Präsident George W.) Bush es auch immer wieder gesagt hat: Ein bisschen Folter ist ja auch OK“, sagte der Grünen-Politiker. „Dann verweichlichen aber auch die Regeln unserer eigenen Zivilisation.“  

Nach den Worten des Verteidigungspolitikers sei eine Gefangennahme des Terror-Chef besser gewesen, um ihn vor Gericht stellen zu können. „Die gerechte Strafe wäre - wenn sie in den USA vollzogen worden wäre - die Todesstrafe gewesen. Das ist keine Frage.“

Laut der Umfrage glaubt eine knappe Mehrheit der Deutschen von 51 Prozent, dass mit der Tötung Bin Ladens die Gefahr von terroristischen Anschlägen gestiegen ist. 45 Prozent sind der Ansicht, dass die Terrorgefahr gleichgeblieben ist. Vier von fünf Deutschen (79 Prozent) rechnen damit, dass es auch in Deutschland Anschläge geben wird.

Von

dpa

Kommentare (31)

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Nervig

06.05.2011, 07:11 Uhr

Was soll denn diese Blödsinnsüberschrift? Mich hat niemand gefragt, ob ich mich freue oder nicht. Außerdem ist es mir vollkommen egal, ob ein Bin Laden tot ist oder nicht. Viel wichtiger ist, dass immer mehr Menschen sich verblöden lassen. Sei es durch die Medien oder auch durch die Bin Ladens dieser Welt. Eine kurze Meldung über den Tod dieses Terroristen hätte vollkommen gereicht. Das Breittreten solcher Themen nervt einfach unglaublich und senkt die Gefahr von Racheakten sicherlich nicht. Manchmal erscheint es als ob die sensationsgeile Presse in diesem Land gar nichts gegen ein wenig Terror hätte. Würde die Auflage sicherlich steigern. Armes Deutschland!

Deutsche_im_Abseits

06.05.2011, 07:13 Uhr

"Die" Deutschen sind irgendwie verückt.
Moralapostel ohne Rückgrat..

Irgenwann werdet Ihr merken, daß euer Wohlstand von den Amis kommt, und nicht von den Mullas... aber dann fahrt Ihr wohl schon wieder in Pferdekutschen...


Baer

06.05.2011, 07:14 Uhr

Die Mehrheit der Deutschen?... Da haben sie die Mehrheit der Deutschen nicht gefragt. Wie in vielen Dingen auch!

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