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25.02.2012

09:38 Uhr

Erster Gauck-Auftritt

Locker, lässig und unpräsidial

Locker, mit offenem Hemd und ganz unpräsidial - so präsentierte sich der designierte Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem ersten Auftritt seit seiner Nominierung. Es war die letzte öffentliche Lesung seines Buches.

Gauck bemühte sich, möglichst wenig präsidial zu wirken. dapd

Gauck bemühte sich, möglichst wenig präsidial zu wirken.

FürthJoachim Gauck gab sich ganz unstaatsmännisch. Im offenen Hemd und sichtlich überwältigt von dem gewaltigen Medienansturm präsentierte sich der designierte Bundespräsident am Freitagabend in Fürth zum ersten Mal seit seiner Nominierung einer größeren Öffentlichkeit. Lediglich die überall präsenten Sicherheitsleute, die emsig bemüht waren, die Journalisten in dem engen Jugendstil-Gebäude im Zaum zu halten, ließen etwas von der Prominenz des Berliner Gastes erahnen.

Schon vor einem Jahr hatte der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde in Fürth den Abschluss seiner Lesereise geplant, bei der er sein Buch „Winter im Sommer - Frühjahr im Herbst“ vorstellte. Eine Absage kam dem 72-Jährigen auch nach seiner Nominierung für das höchste Staatsamt wohl gar nicht in den Sinn. Die Veranstalter platzen geradezu vor Stolz über den prominenten Gast und sprachen von einem „historischen Moment“ in der Geschichte der Fürther Comödie.

Gauck bemühte sich sichtlich, möglichst wenig präsidial zu wirken. Als sein Schlusswort dann doch etwas getragen herüberkam, rief er sich selbst schmunzelnd zur Mäßigung auf. „Da bin ich schon bei großen Gefühlen, als käme ich von woanders her“, rief er ins lachende Publikum.

Zitate aus dem Gauck-Buch

Kampf für die Freiheitsrechte

„Sind wir zu vornehm und satt geworden, um für die Werte zu streiten, die für den Westen Deutschlands seit 60 Jahren selbstverständlich geworden sind?“

Verantwortung

„Unsere Fähigkeit zur Verantwortung gehört zum Grundbestand des Humanen.“

Globale Leitkultur

„Freiheit, Verantwortung und Toleranz können Grundlage einer globalen Leitkultur sein.“

Wunsch nach Freiheit

„Wir spüren die tiefe Sehnsucht danach, ungebunden zu sein, nicht kommandiert zu werden, selbst unsere Maßstäbe zu setzen.“

Definition des Bürgers

„Bürger sind Menschen, die Bürgerrechte haben, und diese auch ausüben.“

Gleichgültigkeit

„Gleichgültigkeit ist ein anderer Name für Verantwortungslosigkeit.“

Auf seine künftige Rolle als deutsches Staatsoberhaupt ging Gauck während der knapp zweistündigen Lesung nur mit kurzen Bemerkungen ein. So meinte der 72-Jährige, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und seiner erwachsenen Tochter Gesine nach Fürth gekommen war, räuspernd gegen Ende der Lesung: „Ich muss mich schonen, ich habe noch ein anstrengendes Leben vor mir.“ Aktuelle Politik ließ Gauck gänzlich unkommentiert.

Nach der Lesung signierte Gauck Bücher und schüttelte Hände. dpa

Nach der Lesung signierte Gauck Bücher und schüttelte Hände.

Der bemerkenswerteste Moment war wohl der, als Gauck seine Tochter Gesine völlig überraschend dem Publikum vorstellte. Als er aus dem Buchkapitel las, in dem er den Entschluss seiner Tochter schilderte, anders als ihre Brüder in der DDR zu bleiben, warf er der in der ersten Reihe sitzenden Frau einen Blick zu und bat sie aufzustehen: „Das ist meine Tochter Gesine. Sie ist extra aus Bremen gekommen, um ihren Vater lesen zu hören.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Rapid

25.02.2012, 10:14 Uhr

Man kann beinah in allem dem zukünftigen Bundespräsidenten zustimmen-
Nur die Sache mit der "Gleichgültigkeit" bedarf einer näheren "Beleuchtung"
Was ist "Gleichgültigkeit" wenn man etwas tiefer gräbt?
Vielleicht, die Erkenntnis, die auch schon Plotin hatte, nämlich das alles, was das Sein zu bieten hat gleich gültig ist, in Hinblick auf das "Eine" und das kann nur transzendental verortet werden. Vielleicht in dem Sinn, wie es die Philosophen der antiken Stoa zu leisten vermochten.
Also Gleichgütig sein ,kann auch etwas mit Erkenntnis und Einsicht in den Lauf der Dinge un der Geschichte haben
Aber das ist nur eine Randbemerkung.

Radiputz

25.02.2012, 10:23 Uhr

Tja, die philosophische "Gleichgültigkeit" im Sinn der Stoa lob ich mir, denn die ist tatsächlich "souverän".
Nur auch der Philosoph kann auf die Nase fallen und erst dann erweist sich, ob derselbige tatsächlich auch der Stoiker ist, der er wünscht zu sein. LOL

Rapid

25.02.2012, 10:31 Uhr

Veehrter Radiputz, Sie haben wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen. So ist es und so verhält es sich, was die "Existenz" auf diesem Wandelstern angeht, der so "Unterschiedliches" in seinem Angebot hat.

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